05.04.2005 · Unter Tränen sagte am Montag ein mutmaßliches früheres Mißbrauchsopfer gegen Jackson aus: Der heute 24jährige erklärte, der Popstar habe ihn in drei Fällen unsittlich berührt. Seine Familie erhielt 1994 zwei Millionen Dollar wegen der Mißbrauchsvorwürfe.
Im Mißbrauchsprozeß gegen Michael Jackson hat der Popstar einen schweren Schlag einstecken müssen. Der heute 24 Jahre alte Sohn seiner ehemaligen Haushälterin sagte am Montag gegen Jackson aus und beschuldigte den 46 Jahre alten Sänger unter Tränen, ihn im Alter zwischen sieben und zehn Jahren in drei Fällen sexuell belästigt zu haben.
Der junge Mann mußte mehrmals die Tränen zurückdrängen und um Pausen bitten, als er die mutmaßlichen Vorfälle schilderte. Er warf dem Popstar vor, ihn zweimal durch die Kleidung an den Genitalien berührt zu haben. Einmal habe Jackson ihn zudem durch das Hosenbein seiner Shorts hindurch unsittlich angefaßt. Die drei Vorfälle hätten zunächst mit harmlosen Kitzel-Spielen begonnen, sagte der Mann.
„Es ist noch immer peinlich“
„Es war damals peinlich, und das ist es immer noch“, stammelte der 24jährige. Er habe wegen der Vorfälle fünf Jahre Psychotherapie gebraucht. Die Familie des heute 24jährigen erhielt 1994 in einer außergerichtlichen Einigung zwei Millionen Dollar wegen der Mißbrauchsvorwürfe. Das angebliche Mißbrauchopfers hatte aber keine Klage gegen den Sänger eingereicht. Der junge Mann sagte aus, Jackson habe ihm zudem direkt nach den mutmaßlichen Vorwürfen 100-Dollar-Scheine zugesteckt, damit er Stillschweigen bewahre.
Der Fall des jungen Mannes ist der erste von fünf Fällen angeblicher sexueller Belästigung aus der Vergangenheit, die in dem Prozeß zur Sprache gebracht werden sollen. Er ist der einzige, der direkt als Zeuge auftritt. In den anderen Fällen bestreiten die betroffenen Jungen teilweise, Opfer von Mißbrauch geworden zu sein. Frühere Angestellte auf Jacksons Neverland-Ranch wollen jedoch unangemessene Gesten und Berührungen des Popstars beobachtet haben, die sie vor Gericht schildern werden. Auch die Mutter eines jungen Manns aus Los Angeles, der 1993 als damals 13jähriger von Jackson verführt und anschließend angeblich mit einer Millionen-Zahlung zum Schweigen gebracht worden sein soll, will aussagen.
„Sehr überzeugend“
Juristen schätzten die Aussagen des 24jährigen als herben Schlag für Jackson ein. Der Zeuge sei „sehr überzeugend gewesen, verheerend für die Niederlage“, urteilte der Rechtsexperte Jim Moret. Sein Kollege Jim Hammer stufte die Zeugenaussage als „radioaktiv“ ein. Jackson ist in dem Verfahren angeklagt, vor zwei Jahren einen damals 13jährigen krebskranken Jungen auf seiner Ranch mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell mißbraucht haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Der Popstar weist alle Vorwürfe zurück.