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Jackson-Prozeß Michael Jacksons treuester Fan

28.02.2005 ·  An den meisten Verhandlungstagen ist er der einzige Jackson-Fan, der vor dem Gerichtsgebäude in Santa Maria ausharrt. Der achtzehnjährige B.J. ist sich sicher: „Michael ist unschuldig.“

Von Katja Gelinsky
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B. J. hat sich und seinem Idol Michael Jackson geschworen, die ganze Nacht wach zu bleiben. Gwöhnlich hält der wohl treueste Micheal Jackson-Fan „ungefähr 60 Stunden die Woche“ Mahnwache vor dem Gerichtsgebäude in Santa Maria. Doch für die Nacht zum Montag hatte B. J. eine Sonderschicht eingeplant. Schließlich wollten Staatsanwalt Tom Sneddon, Jacksons Hauptverteidiger Tom Mesereau am Montag vor den „Jackson Zwölf“ auf der Geschworenenbank ihre Eröffnungspladoyers in dem Mißbrauchprozeß halten.

Für den achtzehn Jahre alten B. J. aus Tennessee ist freilich ohnehin klar, daß „Michael unschuldig ist“. Wie die beiden jungen Fabrikarbeiter aus Südengland, die vierzig Minuten von Santa Maria entfernt vor Micheal Jacksons Neverland-Ranch sitzen, ist B. J. überzeugt, daß die Mutter des mittlerweile 15 Jahre alten Jungen, der den Popstar des sexuellen Mißbrauchs beschuldigt, „die ganzen Lügen“ erfunden hat, um „Millionen von Dollar von Michael zu kassieren“. Außerdem trachte Staatsanwalt Sneddon ebenso wie die Medien danach, ihr Idol „fertig zu machen“.

„Ich bleibe, bis Michael freigesprochen ist“

Die beiden englischen Jackson-Fans in dunklen, altmodischen Stoffhosen und praktischen Parkas sind für zwei Wochen nach Kalifornien gekommen, um Michael zu sehen und zu unterstützen: „Denn Michael ist schließlich einzigartig“. Das findet auch B. J., dessen selbstgebasteltes Schild, mit der ungelenken Aufschrift „Michael we love you“ vom häufigen Einsatz bei Wind und Wetter schon reichlich ramponiert ist. Anders als die Fans aus Schweden, Deutschland und Japan, die zu den Höhepunkten des Prozesses kommen und dann wieder verschwinden, hat er in Santa Maria Quartier genommen.

„Ich bleibe, bis Michael freigesprochen ist“ sagt der große, übergewichtige Jugendliche in Shorts und Schlabber-T-Shirt, dessen pausbäckiges Gesicht von ungepflegten Koteletten eingerahmt wird. B. J.s schlichte Erscheinung läßt nicht unbedingt ahnen, daß er sein Leben dem schönheitsoperierten Popstar verschrieben hat. „Aber wenn das hier alles vorbei ist, folge ich Michael, wohin er auch immer zieht“, sagt der Fan ruhig und bestimmt. B. J. hat die Schule geschmissen, um seinem Idol währen der Prozesse nahe sein zu können. Seine Eltern und Freunde zu Hause seien „nicht begeistert“ von diesem Entschluß gewesen. „Aber sie werden schon darüber hinwegkommen“, sagt er und marschiert nach kurzer Pause wieder pflichtbewußt mit hocherhobenen Schild auf den Bürgersteig vor dem abgesperrten Gerichtsgebäude auf und ab.

„Wie in Disneyland, nur besser“

An den meisten Verhandlungstagen ist er der einzige Jackson-Fan, der dort ausharrt. Aber das stört B. J. nicht. „Wir Fans sind im Geiste verbunden“, sagt er und ruft: „Michael, we love you.“ Manche Autofahrer, die langsam vorbei rollen, weil sie einen Blick auf den Schauplatz des „Jahrhundertprozesses“ werfen wollen, lachen über den eigenwilligen Jackson-Fan, wenn sie denn überhaupt Notiz von ihm nehmen. Er habe auch schon häßliche Kommentare zu hören bekommen, sagt B. J.. „Aber das macht nichts, denn Michael bestärkt mich, weiterzumachen“.

B.J. ist sich sicher, daß der Popstar speziell ihm zuwinke, und Kußhände zuwerfe, wenn er mit seiner Entourage zu den Gerichtsterminen erscheint. Er sei auch schon „viele Male“ auf der Neverland Ranch gewesen, behauptet B.J.. „Toll“, sei es dort, „wie in Disneyland, nur besser“. Im Übrigen stimme es nicht, daß Jackson sein Schlafzimmer durch ein besonderes Schloß gesichert habe, wie das in den Medien immer behauptet werde, sprudelt es aus ihm heraus. Auf die Frage, ob er denn auch selbst schon in dem Schlafzimmer gewesen sei, daß er darüber so genau Bescheid wisse, wird B. J. plötzlich einsilbig. „Kein Kommentar“, sagt er schroff und fügt dann wichtig hinzu, er habe sich schriftlich verpflichtet, nichts über seine Besuche auf der Ranch preizugeben. Denn von dort bekomme er keine finanzielle Unterstützung für seine Mahnwachen in Santa Maria, versichert er.

Seine Ersparnisse seien mittlerweile zwar aufgebraucht, aber dafür erhalte er nun Hilfe von einer „unabhängingen Filmgesellschaft“, die sein Hotelzimmer bezahle. „Dafür mache ich Aufnahmen, wenn Michael zu den Verhandlungen kommt“, sagt B. J., während er mit schwerfälligen Schritten seinen Marsch auf dem Bürgersteig fortsetzt. Die Frage, was denn eine Verurteilung Jacksons für ihn bedeuten würde, scheint er nicht mehr gehört zu haben. Aber dann dreht B. J. sich noch einmal um: „Michael wird nicht schuldig gesprochen“, sagt er mit fester Stimme. „Und wenn doch, dann hat die Justiz versagt.“

Quelle: F.A.Z., 01.03.2005, Nr. 50 / Seite 9
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