04.03.2005 · Im Mißbrauchsprozeß gegen Michael Jackson hatte jetzt auch die Schwester des angeblichen Opfers ihren Auftritt vor Gericht. Sie sagte aus, auf dem Anwesen des Popstars festgehalten, bedroht und mit Wein verpflegt worden zu sein.
Die Schwester des jugendlichen Anklägers von Michael Jackson hat schwere Vorwürfe gegen den amerikanischen Popstar erhoben. Ohne Einzelheiten zu nennen, sprach die 18jährige am Donnerstag vor Gericht von Morddrohungen gegen ihre auf Jacksons Neverland-Ranch festgehaltene Familie. Ein Vertrauter des Popstars habe ihnen von „Morddrohungen“ gegen sie erzählt. Sie hätten auf der Ranch wie in der Falle gesessen. „Wir waren verängstigt. Es war sehr aggressiv. Vor allem meine Mutter wollte uns dort raushaben“, sagte die junge Frau am dritten Tag der Zeugenvernehmung.
Später sei die Familie mitten in der Nacht gezwungen worden, ein den Sänger entlastendes Video zu drehen. Sie seien angewiesen worden, „nette Sachen über Jackson zu sagen und nichts darüber, was auf der Ranch vor sich geht“. Der Mitarbeiter habe ihnen ein Blatt mit Beispielen für Aussagen gegeben: „Es war wie eine Art Skript.“ Später hätten die Jacksons Ranch verlassen dürfen.
Mister Jackson goß Wein in einen Becher
Die Zeugin nahm auch zu dem Vorwurf Stellung, wonach Jackson die Minderjährigen mit Alkohol gefügig gemacht haben soll. „Ich sah, wie Mister Jackson Wein in einen Becher goß“, sagte die Frau vor den zwölf Geschworenen. Anschließend habe der Sänger allen vier Kindern den Wein gereicht - auch ihr; sie hätten getrunken. Es habe „komisch und seltsam“ geschmeckt.
Der Jury in dem Mißbrauchsprozeß wurde am Donnerstag zudem ein Polizeivideo gezeigt, das während einer Durchsuchung der Neverland-Ranch gedreht wurde. Die Geschworenen erhielten Einblick in das zweigeschossige Wohn- und Schlafzimmer, in dem Jackson nach den Aussagen des Bruders seines angeblichen Opfers „masturbierte“, während er den Jungen unsichtlich berührte. Auf dem Band waren im unteren Stockwerk ein Flügel und auf der oberen Etage ein riesiges Bett zu sehen, bedeckt von einer Decke mit blauem Satinbezug. An mehreren Stellen waren Stofftiere und Spielzeug verstreut. In dem Schlafraum soll Jackson den Jungen Porno-Magazine und -Internetseiten gezeigt haben. Die bei der Durchsuchung laut Polizei sichergestellten Magazine waren auf dem Video nicht zu sehen.
Jackson muß sich in dem Prozeß wegen des Vorwurfs verantworten, auf seiner Neverland Ranch zwischen Februar und März 2003 einen damals 13jährigen und krebskranken Jungen sexuell mißbraucht zu haben. Der Sänger weist alle Vorwürfe zurück. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.