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Keine Auftritte im ZDF mehr : Ist Hans Meiser ein Verschwörungstheoretiker?

„Ich liebe die Kirmes“: Hans Meiser posiert 2016 für einen Agentur-Artikel mit der Überschrift: „Der Urvater der TV-Talkshows - Im Karussell mit Hans Meiser“ Bild: dpa

Das ZDF hat es am Mittwoch bestätigt: Der ehemalige RTL-Moderator Hans Meiser wird wegen Verbindungen zu einem Verschwörungsportal nicht mehr in dem Sender auftreten. Peinlich ist das für Jan Böhmermann.

          Die Vermutung liegt zunächst nahe: Jan Böhmermann könnte den ehemaligen RTL-Moderator Hans Meiser bei einem Verschwörungsportal eingeschleust haben, um diese Plattform irgendwann öffentlichkeitswirksam vorzuführen. Auch wenn man sich die plumpen Ansprachen anschaut, die Meiser für „Watergate.tv“ aufgenommen hat, kann man kaum glauben, dass er das wirklich ernst meint. Aber von den Fans der Verschwörungsseite wird er ernst genommen, nur dank ihm hat sie wohl so einen Erfolg: 23.000 Mal wurde der Beitrag „HANS MEISER enthüllt: So verhindert die Weißkittelmafia die Krebsheilung!“ auf Facebook geteilt. Meiser spricht nicht nur Beiträge für die Plattform ein, er ist sogar eine Art Posterboy, der unter dem Punkt „Das sind wir“ als erster Autor aufgeführt wird. Hans Meiser, heißt es, habe den Fernsehsender RTL „geprägt wie kein zweiter“. Als Mitglied von Watergate.tv werde er jetzt die Internet-TV-Landschaft „auf den Kopf stellen“.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Der 70-Jährige hat tatsächlich eine große Karriere im deutschen Fernsehen hinter sich: Er war Nachrichtensprecher, hatte seine eigene Talk-Show, moderierte den „Notruf“, gewann einen Bambi und eine Goldene Kamera. Diese Bekanntheit möchte er jetzt laut Watergate.tv nutzen, „um in Deutschland aufzuräumen“. Das Absurde an der Sache ist: Meiser spielte im „Neo Magazin Royale“ von Jan Böhmermann zuletzt neben dem Bundespräsidenten „Hans-Meiser Steinmeiser“ auch den „den kleinen Mann“, eine Figur, die überspitzt darstellte, wie sich Pegida-Demonstranten und Verschwörungstheoretiker aufführen: Die „verdammte Lügenpresse“ brauche er nicht, sagte „der kleine Mann“ mal. „Ich habe das Internet."

          Genau in dieses Horn bläst auch die Plattform, für die Meiser sich als seriösen Kronzeugen hergibt. Sie versteht sich als „investigatives Redaktionsnetzwerk“ und will ein „Gegenpol zu der bestehenden Medienlandschaft" sein. Die meisten Menschen seien „von den Massenmedien hypnotisierte und paralysierte Zombies geworden“, heißt es in einem Artikel. Außer Meiser arbeiten bekannte Verschwörungstheoretiker für die Seite, die zum Beispiel Bücher wie „Aktenzeichen Politiker: Die kriminellen Machenschaften deutscher Politiker" im für Verschwörungstheorien berüchtigten Kopp-Verlag geschrieben haben.

          „Ich habe Angst vor Moslems, ich bin doch der kleine Mann“

          Auf „Watergate.tv“ wird vor allem versucht, Angst zu schüren. „Die Reichen verlassen Europa – Ein Frühwarnzeichen?“, heißt eine Überschrift. „Ich habe Angst vor Moslems, ich bin doch der kleine Mann“, sagte Hans Meiser einst beim „Neo Magazin Royale“. Und auch in dem Text heißt es, dass die Reichen wegen der „Spannungen zwischen Christen und Muslimen“ das Land verließen. Andere Artikel lauten: „Dieser neue heimliche Schulz-Plan enteignet Sie!“, oder: „Schlafwandeln wir in den nächsten Weltkrieg, in die nukleare Katastrophe?“ Geboten bekommt der Leser dann eine „Checkliste“, mit der man sich auf einen „möglichen Krieg vorbereiten“ sollte: „Setzen Sie sich mental damit auseinander, dass es zu einem globalen Krieg kommen kann. Denken Sie logisch und nicht panisch, sondern versuchen Sie, sich rational darauf vorzubereiten – soweit man dies bei einem nuklearen Krieg überhaupt tun kann.“

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