http://www.faz.net/-gum-8n1y7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 10.11.2016, 14:29 Uhr

Schauspieler Jesse Eisenberg „Ich wollte lieber sterben als vorsprechen“

Schauspieler Jesse Eisenberg ist Spezialist für schüchterne Figuren mit Stich in die Neurose. So auch im neuen Film von Woody Allen. Im Interview spricht er darüber, warum der Kultregisseur ihm als Teenager eine Unterlassungsaufforderung schickte.

von Bettina Aust
© dpa Jesse Eisenberg beim Filmfestival in Cannes

Es gibt Künstler, denen es egal ist, wie lange man mit dem Flugzeug unterwegs war, um mit ihnen zu sprechen. Jesse Eisenberg tickt da ganz anders. Es scheint ihm wichtig zu sein, seinem Gesprächspartner mitzuteilen, er wisse es zu schätzen, dass man einen gewissen Aufwand betrieben hat. Artig bedankt er sich gleich dreimal für den Besuch im Londoner Rosewood Hotel. Unruhig rutscht er während der ersten Minuten auf seinem Stuhl herum. Und sein ernsthaftes Bemühen, jede Frage so gewissenhaft wie möglich zu beantworten, wirkt geradezu rührend.

Schon bevor der 33-Jährige als Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg in „The Social Network“ seinen internationalen Durchbruch erlebte, war er Fans von schrägen Independent-Filmen wie „Zombieland“ ein Begriff. Jetzt arbeitet er nach „To Rome With Love“ zum zweiten Mal mit Woody Allen zusammen. Der habe ihn beim ersten Mal kaum beachtet, erzählt er. Das war diesmal unmöglich. Denn in „Café Society“, der am Donnerstag in die Kinos kommt, spielt Eisenberg die Hauptrolle.

 
„Ich wollte lieber sterben als vorsprechen“, erzählt Schauspieler Jesse Eisenberg
 
Jesse Eisenberg fühlt sich vor der Kamera und auf der Bühne gleichermaßen unwohl

Sie haben als Teenager ein Drehbuch über Woody Allen geschrieben und hatten anschließend Ärger mit seinen Anwälten. Wie haben Sie das denn geschafft?

Die haben mir einige Unterlassungsaufforderungen geschickt. Ich sollte das Script sofort aus dem Verkehr ziehen. Es ging darin um Woodys Leben als Sechzehnjähriger. Ich wollte die Rolle spielen. Ich glaube, aus irgendeinem Grund hat denen das nicht gefallen.

Was denken Sie heute darüber?

Die haben genau das Richtige getan, finde ich. Wenn man ein Leben unter den Augen der Öffentlichkeit führt, sollte man alles tun, um seine Privatsphäre zu schützen. Heute kann ich das verstehen. Und ich blicke geradezu liebevoll auf diese Episode zurück. Wissen Sie, als junger Mensch einen Briefwechsel mit Woody Allen zu haben, und sei es auch nur über seine Anwälte, ist sehr aufregend.

Haben Sie darüber gesprochen, als Sie ihn persönlich getroffen haben?

Nein, das wäre seltsam gewesen. Und ich glaube, er hat das längst vergessen.

© Festival de Cannes Kinotrailer in Originalsprache: „Café Society“

Auf den ersten Blick sind Sie und Woody Allen als bekennende Hypochonder sich sehr ähnlich. Worin unterscheiden Sie sich?

Ich empfinde „Café Society“ als bitter-süße Liebesgeschichte. Woody sieht sie wesentlich nihilistischer, wie ich bei unseren Gesprächen feststellen konnte. Für ihn ist es ein zynischer Kommentar zum Thema Liebe und der Unmöglichkeit, wahre Liebe zu finden. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine Frage unserer unterschiedlichen Persönlichkeiten ist oder ob es damit zu tun hat, dass wir unterschiedlichen Generationen angehören. Aber er ist generell zynischer als ich, wenn er die Gesellschaft betrachtet.

Mehr zum Thema

In „Café Society“ spielen Sie einen jungen Mann, der in Hollywood Karriere machen will. Was für eine Karriere haben Sie selbst sich in der Filmindustrie vorgestellt?

Meine Filmkarriere fing ja in New York an, wo ich erst mal versucht habe, in der Independent-Film-Szene einen Fuß in die Tür zu bekommen. Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre war das eine großartige Zeit. Und es fühlte sich aufregend an, ein Teil davon zu sein. Ich bin in den mehr künstlerischen, ethisch eher korrekten Teil der Industrie eingestiegen.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite