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Farin Urlaub im Interview : „Mir reicht es nicht, wenn es ungefähr passt“

Alles im Blick: Der Berliner Musiker Farin Urlaub, 52 Jahre alt, war 1982 Gründungsmitglied der Band Die Ärzte. Bild: Nela König

Er ist ständig unterwegs – mit der Band Die Ärzte oder ohne. Farin Urlaub über seine Reisen in mehr als 100 Länder, seine Bilder von anderen Kulturen, das Verfassen von Liedern und den Menschen an sich und überhaupt.

          Herr Urlaub, Sie haben in Ihrem Leben weit mehr als 100 Länder bereist, jedes Jahr sind Sie monatelang in der Welt unterwegs. Was wäre für Sie das größere Unglück: Deutschland nie mehr verlassen zu können - oder nie mehr nach Deutschland zurück zu dürfen?

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Ganz klar das erste. Ich habe genug Freunde, die schnell mal bis zur Grenze kommen könnten. Aber nur Deutschland? Nee. Da würde ich eingehen.

          Sie können eine Zeitreise machen: Wohin würde die führen? Zurück in Ihr eigenes Leben? Oder in irgendeine Epoche der Geschichte?

           Auf jeden Fall Historie.

           Ich würde schon aus nostalgischen Gründen zurück in meine Jugend wollen.

          Das ist mir völlig fremd - meine Jugend kenne ich doch schon. Nein, wenn ich mehrere Stopps in der Zeitmaschine hätte, wäre mein erster vermutlich eines der frühen Beatles-Konzerte, dann die Edo-Zeit in Japan, danach das alte Rom. Ich würde mir auch angucken, wie das mit dem Pyramidenbau wirklich war. Und vielleicht den Höhlenmalern über die Schulter schauen.

          Sie sind mit Ihrer Kamera und in Begleitung Ihrer Halbschwester durch 20 Länder Afrikas gereist. Herausgekommen sind zwei beeindruckende Bildbände mit dazugehörigen Reisebeschreibungen. Darin schildern Sie auch brenzlige Situationen, in denen Waffen eine Rolle spielen - die Waffen anderer. Haben Sie selbst keine Waffe bei sich getragen?

           Nein.

          Bühne und Leben: Farin Urlaub hat viel gesehen und will diese Erlebnisse teilen.
          Bühne und Leben: Farin Urlaub hat viel gesehen und will diese Erlebnisse teilen. : Bild: dpa

           Warum nicht?

           Aus einem einfachen Grund: Wenn man eine Waffe dabei hat, stirbt man.

           Amerikaner würden das exakt umgekehrt sehen.

          Deswegen schauen wir beide uns jetzt kurz gegenseitig an und dann die Todesraten in Amerika, und dann wissen wir: Größeren Schwachsinn gibt es gar nicht. Die würden am liebsten die Kindergartenkinder hochrüsten - dann wird bestimmt alles gut.

          Wie ist es, in den Lauf einer Pistole zu blicken?

          Ich will nichts dramatisieren. Aber die ersten Male, als jemand eine Waffe auf mich gerichtet hat, dachte ich natürlich, jetzt bin ich tot. Irgendwann kriegt man dann mit: Nee, so ist es nicht. Ich sage nicht, Waffen gehören in afrikanischen Ländern zum guten Ton, aber ganz verkehrt ist es auch nicht. Mit der Waffe wird eben demonstriert: Ich Chef, du nix. Das heißt aber nicht notwendiger weise: Ich bring' dich jetzt um. In dem Augenblick aber, in dem man selbst eine Waffe zieht, ist es ein ganz anderes Spiel. Oder besser: kein Spiel. Denn dann geht es um Leben und Tod.

          Farin Urlaub (r.) mit Bandkollege Bela B.
          Farin Urlaub (r.) mit Bandkollege Bela B. : Bild: dpa

          Wie routiniert sind Sie inzwischen in solchen Situationen?

          Ich finde es immer noch nicht nett, in dieses kleine Loch zu gucken, aber ich habe es tatsächlich schon sehr, sehr oft getan, wirklich sehr, sehr oft. Und wie Sie sehen, lebe ich nach wie vor. Das entspannt ein bisschen.

          In einem Ihrer frühen Die-Ärzte-Hits, "Zu spät", kommt die Zeile vor: "Ich wollte ihn verprügeln, deinen Supermann / ich wusste nicht, dass er auch Karate kann." Wenn Sie schon keine Waffe tragen - haben Sie mittlerweile wenigstens Karate gelernt?

          Nach dem Lied hab' ich ein bisschen Kampfsport gemacht, aber nie Karate. Als Kind wollte ich das lernen, durfte aber nicht.

          Warum nicht?

          Da gab es familiäre Gründe.

          Sie sprechen Japanisch.

           Leidlich.

          In "Zu spät" kommt nach dem Karate-Vers der Ausruf: "Schabalahudi" - oder so ähnlich. Ist das Japanisch?

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