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Beruf Starkstromelektriker : Unter Strom

Karl-Heinz Frasch in Montur Bild: WOLFGANG EILMES, PRIVAT

Karl-Heinz Frasch war Starkstromelektriker, 45 Jahre lang. Sein Sohn, unser Redakteur Timo Frasch, befragt ihn zu Beruf und Leben, Chefs und Kunden, Politik und Gewerkschaften, Strom und Vertrauen.

          Papa, du warst 45 Jahre lang Starkstromelektriker. Meinst du, du hättest studiert, wenn du 30 Jahre später geboren worden wärest?

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Glaube ich nicht. Ich war ja damals, um 1960, kurz auf dem Gymnasium, die Mutter und der Vater waren da recht fortschrittlich. Nach einem Jahr bin ich dann trotzdem wieder auf die Volksschule. Ich hatte zu viele andere, sportliche Interessen. Ich habe das also nicht geschafft auf dem Gymnasium und war sehr froh, als ich wieder auf die Volksschule durfte.

          Warum hast du dich für die Lehre als Starkstromelektriker entschieden?

          Ich war damals so ein bisschen ein Träumer, da habe ich mir erst gedacht, Sportartikelverkäufer könnte ich ja werden, da bist du immer bei den schönen Sportsachen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich das nicht gemacht habe, wäre nicht mein Ding gewesen. Starkstromelektriker bin ich dann weniger wegen des Stroms geworden, sondern weil man da immer an der frischen Luft war, auf den Dächern, auf den Masten. So habe ich mir das vorgestellt, und so war es lange auch.

          Du hast auch damit geliebäugelt, Tierpfleger zu werden.

          Kurz, ja. Aber der nächste Zoo war 100 Kilometer weit weg. Und damals hätte man natürlich auch gesagt: Tierpfleger, bist du noch ganz recht im Kopf?

          Schon dein Vater, der Opa, war Starkstromelektriker.

          Er hat, wie ich dann später auch, Bereitschaftsdienst gemacht, und deswegen hatten wir damals schon ein Telefon. Er musste ja übers Wochenende erreichbar sein. Das Telefon war sein Heiligtum.

          Das durften du und deine Geschwister auch privat nutzen?

          Das hätte der Vater nie zugelassen. Der Respekt gegenüber dem Arbeitgeber war da viel zu groß.

          Musstest du deinem Vater bei Arbeiten zur Hand gehen?

          Eigentlich nicht. Aber ich habe mitgekriegt, dass er mit dem Strom nebenbei ein bisschen Geld verdient hat, schwarz. Er hat da so seine Stammkundschaft gehabt, die nur den Vater wollte, weil der als akkurat bekannt war. Und weil er immer gleich den Dreck weggemacht hat. Einmal hat er für eine Nachbarsfrau einen bestimmten Schalter, einen Wechselschalter, gebraucht, den hat er nicht zur Hand gehabt. Also hat er ihn bei uns daheim im Schlafzimmer der Eltern ausgebaut und bei der Nachbarsfrau eingebaut. Die Mutter hat das dann gemerkt und war natürlich nicht begeistert.

          Karl-Heinz Frasch mit Sohn Timo Frasch. Bilderstrecke
          Karl-Heinz Frasch mit Sohn Timo Frasch. :

          War es damals schwierig, eine Lehrstelle zu finden?

          Wenn du nicht ganz schlecht in der Volksschule warst, konntest du dir die Stelle fast aussuchen. Sogar auf eine Bank konntest du mit Volksschule gehen. Und Bäcker oder Metzger haben sowieso händeringend nach Lehrbuben gesucht. Bei der Firma, bei der ich angefangen habe, war es nicht ganz so. In meinem Lehrjahr wurden fünf Lehrlinge eingestellt - Bewerber waren es um die 20. Da musste man dann eine Aufnahmeprüfung machen, die Grundrechenarten, ein bisschen Allgemeinwissen. Und zeigen, dass man nicht zwei linke Hände hat.

          Wie war die Lehre?

          In den ersten 40 Wochen bist du mit Strom noch gar nicht in Berührung gekommen. Das war nur Schlosserei: Bohren, Fräsen, Bleche schneiden, als Handlanger vom Gesellen. Da hast du halt geguckt, dass du zu einem netten kommst, dann war das okay, hat auch Spaß gemacht. Aber man hat viele Sachen machen müssen, die nicht so spaßig waren. Mit Asbest hatten wir viel zu tun, mussten die Zellen für Trafostationen flexen, da staubte der Asbest, von wegen Schutzmaske oder so.

          Ging es dir bei deiner Berufswahl auch darum, eine anspruchsvolle Arbeit zu haben?

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