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Interview mit Dave Gahan „Meine Kinder wissen, was ich mit mir gemacht habe“

 ·  „Die Fähigkeit, sich durch Lachen selbst zu befreien, ist sehr wichtig“: Depeche-Mode-Star Dave Gahan über das Altern, einengende Kleidung und seine acht Katzenleben.

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© AFP Vergrößern Für Freunde ist er ein lustiger Kerl, doch das verschwindet hinter seinen düsteren Songs: Dave Gahan am Dienstag in Paris

Der Platz vor dem Kulturzentrum Gâité Lyrique hat sich dunkel eingefärbt: Der „schwarze Schwarm“ ist wieder da. So nennen die Elektro-Rocker von Depeche Mode ihre Hardcore-Fans, die an diesem Pariser Herbsttag unter anderem vom Fanclub aus Chemnitz repräsentiert werden. Einer hat sich den Anlass gar aufs T-Shirt gedruckt: „Pressekonferenz 23.Oktober 2012 Paris“. Bei einer Supergroup wie Depeche Mode gerät schließlich jede kleine Regung zur Sensation, erst recht also diese internationale Pressekonferenz, auf der die Band die Termine ihrer Stadion-Tour 2013 bekanntgibt. Vor vier Jahren hatte man dafür das Berliner Olympiastadion ausgewählt, diesmal ist der Rahmen nachgerade intim. Sieht man davon ab, dass das Ereignis via Internet-Livestream in die Welt getragen wird.

Auf der Bühne zeigen sich die drei Herren von Anfang Fünfzig, die es nun schon seit 32 Jahren miteinander aushalten, aufgeräumt und harmonisch. Vergessen scheinen die großen Krisen, in welche die Band geriet durch die Alkohol- und Drogenexzesse ihres Sängers Dave Gahan, 50, oder durch die künstlerischen Spannungen zwischen Gahan und Mastermind Martin Gore, 51, die sich dadurch lösten, dass Gahan nun ebenfalls Songs auf den Depeche-Mode-Alben veröffentlichen darf; auf der neuen Platte, die im Frühjahr erscheinen soll, stammen wieder einige Stücke von ihm. Ein Journalist fragt, wie sich die drei Musiker in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben, und bekommt keine Antwort. Statt dessen sagt Keyboarder Andrew Fletcher, 51: „Meine Lieblingsfarbe ist blau.“

Gahan, den wir nach der Pressekonferenz zum Gespräch treffen, gibt sich offener. Er trägt, vom T-Shirt mit V-Ausschnitt bis zu den Stiefeln, schwarz; nur die Halskette und einige Härchen seines Fünf-Tage-Bartes blitzen silbern.

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© Teutopress Vergrößern Selige Achtziger: Der junge Dave bei einem Auftritt 1985

Herr Gahan, nach der Veröffentlichung Ihres zweiten Solo-Albums 2007 sagten Sie, als Songwriter seien Sie gerade vom Kindergarten zur Grundschule gewechselt. Haben Sie es inzwischen auf die Oberschule geschafft?

Ich bin direkt auf die Hochschule gesprungen (lacht). Dabei geholfen haben mir die Soulsavers, mit denen ich ein Album aufgenommen habe. Dabei ist etwas Besonderes passiert. Ich fühlte mich völlig frei, Melodien und Texte flossen einfach aus mir heraus. Mit Depeche Mode verläuft der Prozess ganz anders, da geht man ins Versuchslabor, und es gibt all dieses elektronische Spielzeug, das man benutzen kann.

Ich habe vorhin Ihren alten Freund Daniel Miller, der Ihre Band einst entdeckte, gefragt, was Sie für ein Typ seien. Er nannte Sie einen der lustigsten Menschen, die er kenne. Diese Seite von Ihnen ist öffentlich kaum jemandem bekannt.

Ich bin jemand, der in wirklich sehr düstere Tiefen hinabsteigen kann - und mit Humor habe ich mich immer wieder hervorgebuddelt. Nur in jenen Jahren, als ich mich in Drogen und Alkohol verloren hatte, konnte ich nichts mehr komisch finden, weder mich selbst noch irgendetwas um mich herum. Es war fürchterlich. Die Fähigkeit, sich durch Lachen selbst zu befreien, ist sehr wichtig. Meine Kinder wissen genau, welchen Knopf sie drücken müssen, damit sich Daddys Stimmung aufhellt. Und auch Daniel und ich haben über die Jahre viel Spaß gehabt. Essex, wo wir herkommen, ist ein ziemlich trauriger Ort, man braucht Humor, um es dort auszuhalten. Wir sind wahrscheinlich etwas ruhiger geworden, aber als Daniel uns kennenlernte, waren wir voll von englischem Sarkasmus. Wenn jemand den Raum betrat und ein wenig anders war, dann haben wir ihn tüchtig in die Mangel genommen und geschaut, ob er es aushält. Wer es nicht packte, konnte nicht mit uns abhängen.

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Die Fragen stellte Jörg Thomann.

Quelle: F.A.S.
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