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Rapper Danger Dan im Interview : „Ich war schon lange vorher Feminist“

Bekannt geworden ist Rapper Danger Dan mit seiner Hiphop-Gruppe Antilopen Gang und Songs wie „Beate Zschäpe hört U2“. Bild: Jaro Suffner

Danger Dan ist kein typischer Rapper: Er prangert Sexismus und Frauenhass im Hiphop an. Im Interview spricht er über Geschlechterklischees und die Männerbranche Deutschrap – und erzählt, wie ihn die Geburt seiner Tochter beeinflusst hat.

          Danger Dan, in Ihrer neuen Single „Sand in die Augen“ rappen Sie über Ihre kleine Tochter. Sie fragen sich, wie Sie ihr später erklären können, dass Frauen benachteiligt sind, zu Sexobjekten stilisiert werden und weniger verdienen als Männer. Im Video dazu tanzen zwei halbnackte Frauen um Sie herum, eine davon halten Sie sogar an einer Hundeleine fest. Wie passt das zusammen?

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Der Text von dem Lied ist schrecklich, das sind keine schönen Fakten, die ich da erzähle. Der Text hat auch keine Alternative auf diese Fakten vorbereitet, das Video auch nicht. Das ist das Klischee-Rap-Video, das es genauso schon tausendmal gab und wieder geben wird. Aber im Normalfall wird in diesen Videos mit einer Ästhetik gespielt, die nicht hinterfragt wird. Zusammen mit dem Text hatte ich die Hoffnung, dass den meisten Leuten klar ist, dass dieses Video und die Bilder eigentlich total widerlich sind, eben auch in ernstgemeinten Videos anderer Rapper. Das Video hat aber viele Leute irritiert.

          Vielleicht weil Sie zugleich sexistische Stereotypen reproduzieren.

          Aber nicht im Text. Ich wollte keinen Sexismus reproduzieren, sondern aufzeigen.

          Wenn das Video irgendwo ohne Ton läuft, dann klappt das aber nicht.

          Davon bin ich, ehrlich gesagt, nicht ausgegangen. Ich wende mich an ein Publikum, das diese Stereotypen nie hinterfragt hat und auch nie darüber nachgedacht hat, in welchem Kontext sie stattfinden. Ich verstehe, dass das verstörende Bilder sind, und das war auch die Intention des Videos: zu verstören. Mir war es dann aber wichtig, am Ende eine gewisse Konsensualität aufzuzeigen mit der Sequenz, in der ich mit der Tänzerin darüber spreche, warum wir das Video so gemacht haben.

          Ist es nicht aber auch ein bisschen so, dass das Video mit nackten Frauen besser ankommt?

          Die Kritik, dass ich Sexismus reproduziere, geht mir sehr nach, und ich denke, dass da etwas dran sein könnte. Meine Hoffnung war aber auch, mit dem Video und dem Vorschaubild in solche Sphären vorzudringen, in denen Leute darauf erst einmal anspringen und eben nicht denken: oh, Sexismus. Sondern vielleicht denken: geiles Auto, geile Frau. Und dann kommt der Text.

          „Jede Frau wird in ihrem Leben sexuell belästigt.”

          Genau. Was ja eigentlich unfassbar verstörend ist, viel mehr als die Bilder. Ich wollte einer Hiphop-Szene, in der wir als Antilopengang auch stattfinden, einfach mal den Spiegel vorhalten und sagen: Das ist genau dasselbe wie immer, aber jetzt gucken wir uns mal den Text an – und dann verratet mir mal, was daran schön sein soll.

          Wie waren denn bisher die Reaktionen auf das Video?

          Es gab viel abstruses Zeug, das die Leute kommentiert haben. „Es gibt keine Gender Pay Gap”, so Sachen eben. Mir war schon klar, dass ich aus einer bestimmten Richtung keinen Applaus dafür bekomme, dass ich Windeln wechsle – will ich auch gar nicht. Aber es gibt keine Sensibilisierung für das Thema Sexismus. Das sieht man auch an der Echo-Diskussion. Würde man den Echo mal daraufhin beleuchten: Was sind da eigentlich für misogyne Arschlöcher? Dann wäre die Diskussion eine ganz andere, weil sich viele Leute an die eigene Nase fassen müssten.

          Sie rappen ja vor allem aus Ihrer Perspektive als Vater. Hat Ihre Tochter Sie zum Feministen gemacht?

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