Home
http://www.faz.net/-gum-743z2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Veröffentlicht: 05.11.2012, 12:50 Uhr

Interview mit Ben Affleck „In Hollywood ist es nie genug“

Ben Affleck spricht über seinen mimischen Minimalismus, die Arbeit als Regisseur, seine Zeit mit Jennifer Lopez. Dann kommt Dustin Hoffman rein und erzählt seine ganz eigene Geschichte.

© AFP „Niemand nimmt sich vor, einen richtig schlechten Film zu machen“: Ben Affleck Ende September beim Filmfestival in San Sebastián

London, Soho Hotel, ein Tag im Oktober. Ben Affleck und Dustin Hoffman geben Tür an Tür Interviews. Affleck für seine dritte Regiearbeit „Argo“, Hoffman präsentiert Kritikern sein Regiedebüt „Quartett“. Hier in der Suite nimmt Affleck auf dem Sofa Platz; sein Vollbart aus dem Film, der im Jahr 1980 spielt, ist auf gepflegte Drei-Tage-Länge gestutzt, auch die Haare sind wieder kürzer, er trägt Jeans und ein kariertes Hemd. Stilistisch ist er wieder in der Gegenwart angekommen.

In Hollywood hat Affleck eine der seltsameren Karrieren erlebt. Er war Darsteller in Independent-Produktionen, dann gefeierter Golden-Globe- und Oscar-Gewinner (gemeinsam mit Kumpel Matt Damon für das Drehbuch zu „Good Will Hunting“) - bevor er mit Freundin Jennifer Lopez als „Bennifer“ erst mal zum Witz in den Klatschspalten wurde. Tiefpunkt: „Gigli“, ein Film mit Lopez. Ein Karriereknick, von dem sich andere nicht erholt hätten.

22007351 „Ich werde mich für keinen meiner Filme entschuldigen“: Ben Affleck mit Jennifer Lopez in „Gigli“ © action press Bilderstrecke 

Doch 2007 setzt Affleck alles auf eine Karte und inszeniert sein Regiedebüt „Gone Baby Gone“, drei Jahre später folgt „The Town“. Plötzlich feiern Kritiker den Verspotteten als „Clint Eastwood seiner Generation“. Zum Gespräch heute kann er sich also ganz entspannt zurücklehnen. „Argo“, die Geschichte um die Befreiung amerikanischer Diplomaten aus Iran durch einen CIA-Agenten, der behauptet, dort einen Science-Fiction-Film drehen zu wollen, wird schon jetzt als Oscar-Kandidat in gleich mehreren Kategorien gehandelt. Die Hauptrolle des stoischen CIA-Mannes spielt Affleck selbst.

Mr. Affleck, haben Sie sich Ihre Energie für die Regie aufgespart? Als Schauspieler bewegen Sie in diesem Film ja kaum einen Gesichtsmuskel. Oder sind Sie auf dem Weg zum ultimativen Minimalismus?

Ich wollte diese Rolle so nah wie möglich am echten Tony Mendez spielen. Das können Sie gerne Minimalismus nennen. Der Mann ist sehr still und in sich gewandt. Und weil er ein Spion ist, hat er wohl eine Art Pokerface, um so wenig wie möglich über sich zu verraten. Ich werde Ihre Frage jetzt mal als Kompliment verbuchen.

Was haben Sie als Ihr eigener Regisseur über Ihren Schauspielstil gelernt?

Ich habe tatsächlich herausgefunden, was bei mir funktioniert und was nicht so besonders gut. Ich habe - und da sind wir wieder beim Thema - gelernt, dass weniger mehr sein kann. Man muss als Schauspieler gar nicht so viel tun, um mit dem Publikum zu kommunizieren. Es gibt diese Szenen, in denen ich als Schauspieler etwas fühlte, das dann spielte, um als Regisseur festzustellen: Es war einfach zu viel. Mimische Sparsamkeit ist beim Schauspielen sehr effektiv. Ich habe jetzt einen besseren Sinn dafür, wie ich später auf der Leinwand aussehe.

Und in Hollywood-Blockbustern wollen Sie sich nicht mehr sehen? Da sind Sie ja nun schon länger nicht mehr aufgetaucht.

In dieser Beziehung mache ich jetzt wirklich radikalere Unterschiede. Ich spiele Rollen nicht mehr fürs Geld. Ich suche mir die Drehbücher nicht mehr danach aus, wie sie meine Karriere beeinflussen könnten. Und ich stelle mich auch nicht mehr vor die Kamera, nur weil ich das Gefühl habe, arbeiten zu wollen. Und komischerweise habe ich genau durch diese drei Aspekte einen Schub erlebt.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hollywoodstar im Interview Stimmt, ich hatte eine seltsame Karriere

Ein Kinderstar, der nicht am Ruhm zerbrach, seit stolzen 32 Jahren liiert mit der Kollegin Goldie Hawn: Kurt Russel ist ein Hollywood-Phänomen. Nina Rehfeld hat ihn in Santa Monica getroffen. Mehr

28.01.2016, 12:43 Uhr | Gesellschaft
Berliner Zoo-Palast Tarantino feiert Hateful 8-Premiere

Quentin Tarantino hat sich bei der Deutschland-Premiere seines neuen Films The Hateful Eight als echter Western-Fan zu erkennen gegeben. Dass er seiner Filmpartnerin Jennifer Jason Leigh in einer Hütte im Schneesturm auf besondere Weise nahe gekommen ist, das bekennt Schauspieler Kurt Russell am Roten Teppich vor dem Berliner Zoo-Palast. Mehr

27.01.2016, 09:50 Uhr | Gesellschaft
Erdal Yildiz im Gespräch Was lernt man von einem Krokodil?

Er ist der Bösewicht in den jüngsten Schweiger-Tatorten: Ein Gespräch mit dem Schauspieler Erdal Yildiz über Gewalt als Motor, die Auseinandersetzung mit familiärer Enge und über Tiere als Rollenmodell. Mehr Von Karen Krüger

02.02.2016, 15:59 Uhr | Feuilleton
Oscar-Verleihung Teure Kleider und tiefe Dekolletés

Lady Gaga in ausladender silbriger Robe mit roten Handschuhen, Jennifer Lopez mit tiefem Ausschnitt und Julianne Moore in Chanel: Die Oscar-Gala in Hollywood war ein Schaulaufen um die aufsehenerregendste Abendgarderobe. Mehr

04.02.2016, 14:46 Uhr | Feuilleton
Stilfragebogen: Stuart Piggot Weinblogs? Um Gottes Willen!

Stuart Pigott lebt in New York und Berlin und liebt Wein. An Smalltalk-Themen fehlt es ihm nicht – sein Lieblings-Redestoff sind Bars und Restaurants. Mehr Von Jennifer Wiebking

06.02.2016, 10:58 Uhr | Stil

Ashley Graham Model mit Größe 44 startet durch

Übergrößen-Model Ashley Graham ziert das Cover der „Sports Illustrated“, Jennifer Aniston will noch mit 80 Bikini tragen, und Hugh Jackman wirbt mit seiner Krankheit für Sonnenschutz – der Smalltalk. Mehr 25



Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden