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Interview mit Ben Affleck „In Hollywood ist es nie genug“

Ben Affleck spricht über seinen mimischen Minimalismus, die Arbeit als Regisseur, seine Zeit mit Jennifer Lopez. Dann kommt Dustin Hoffman rein und erzählt seine ganz eigene Geschichte.

© AFP Vergrößern „Niemand nimmt sich vor, einen richtig schlechten Film zu machen“: Ben Affleck Ende September beim Filmfestival in San Sebastián

London, Soho Hotel, ein Tag im Oktober. Ben Affleck und Dustin Hoffman geben Tür an Tür Interviews. Affleck für seine dritte Regiearbeit „Argo“, Hoffman präsentiert Kritikern sein Regiedebüt „Quartett“. Hier in der Suite nimmt Affleck auf dem Sofa Platz; sein Vollbart aus dem Film, der im Jahr 1980 spielt, ist auf gepflegte Drei-Tage-Länge gestutzt, auch die Haare sind wieder kürzer, er trägt Jeans und ein kariertes Hemd. Stilistisch ist er wieder in der Gegenwart angekommen.

In Hollywood hat Affleck eine der seltsameren Karrieren erlebt. Er war Darsteller in Independent-Produktionen, dann gefeierter Golden-Globe- und Oscar-Gewinner (gemeinsam mit Kumpel Matt Damon für das Drehbuch zu „Good Will Hunting“) - bevor er mit Freundin Jennifer Lopez als „Bennifer“ erst mal zum Witz in den Klatschspalten wurde. Tiefpunkt: „Gigli“, ein Film mit Lopez. Ein Karriereknick, von dem sich andere nicht erholt hätten.

22007351 „Ich werde mich für keinen meiner Filme entschuldigen“: Ben Affleck mit Jennifer Lopez in „Gigli“ © action press Bilderstrecke 

Doch 2007 setzt Affleck alles auf eine Karte und inszeniert sein Regiedebüt „Gone Baby Gone“, drei Jahre später folgt „The Town“. Plötzlich feiern Kritiker den Verspotteten als „Clint Eastwood seiner Generation“. Zum Gespräch heute kann er sich also ganz entspannt zurücklehnen. „Argo“, die Geschichte um die Befreiung amerikanischer Diplomaten aus Iran durch einen CIA-Agenten, der behauptet, dort einen Science-Fiction-Film drehen zu wollen, wird schon jetzt als Oscar-Kandidat in gleich mehreren Kategorien gehandelt. Die Hauptrolle des stoischen CIA-Mannes spielt Affleck selbst.

Mr. Affleck, haben Sie sich Ihre Energie für die Regie aufgespart? Als Schauspieler bewegen Sie in diesem Film ja kaum einen Gesichtsmuskel. Oder sind Sie auf dem Weg zum ultimativen Minimalismus?

Ich wollte diese Rolle so nah wie möglich am echten Tony Mendez spielen. Das können Sie gerne Minimalismus nennen. Der Mann ist sehr still und in sich gewandt. Und weil er ein Spion ist, hat er wohl eine Art Pokerface, um so wenig wie möglich über sich zu verraten. Ich werde Ihre Frage jetzt mal als Kompliment verbuchen.

Was haben Sie als Ihr eigener Regisseur über Ihren Schauspielstil gelernt?

Ich habe tatsächlich herausgefunden, was bei mir funktioniert und was nicht so besonders gut. Ich habe - und da sind wir wieder beim Thema - gelernt, dass weniger mehr sein kann. Man muss als Schauspieler gar nicht so viel tun, um mit dem Publikum zu kommunizieren. Es gibt diese Szenen, in denen ich als Schauspieler etwas fühlte, das dann spielte, um als Regisseur festzustellen: Es war einfach zu viel. Mimische Sparsamkeit ist beim Schauspielen sehr effektiv. Ich habe jetzt einen besseren Sinn dafür, wie ich später auf der Leinwand aussehe.

Und in Hollywood-Blockbustern wollen Sie sich nicht mehr sehen? Da sind Sie ja nun schon länger nicht mehr aufgetaucht.

In dieser Beziehung mache ich jetzt wirklich radikalere Unterschiede. Ich spiele Rollen nicht mehr fürs Geld. Ich suche mir die Drehbücher nicht mehr danach aus, wie sie meine Karriere beeinflussen könnten. Und ich stelle mich auch nicht mehr vor die Kamera, nur weil ich das Gefühl habe, arbeiten zu wollen. Und komischerweise habe ich genau durch diese drei Aspekte einen Schub erlebt.

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