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Intersexueller Künstler : Ein neuer Grabstein für Lili Elbe in Dresden

Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) auf der Gedenkveranstaltung für die Malerin Lili Elbe. Die als Einar Wegener in Dänemark sowohl mit männlichen als auch weiblichen Organen geborene Künstlerin bekommt ihre Grabstelle auf dem Trinitatis-Friedhof in Dresden zurück. Bild: dpa

Lili Elbe war der erste Mensch, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzog. Von ihr handelt der Film „The Danish Girl“. Ihr Grab auf dem Dresdner Trinitatisfriedhof wurde jetzt rekonstruiert.

          Als zu Beginn des Jahres der Film „The Danish Girl“ von Tom Hooper in die Kinos kam, waren selbst geschichtskundige Dresdner überrascht: Der Gynäkologe Kurt Warnekros, Leiter der örtlichen Frauenklinik, hatte 1930 in der Stadt eine der ersten geschlechtsangleichenden Operationen der Welt ausgeführt. Patient war der dänische Maler Einar Wegener (im Film gespielt von Oscar-Gewinner Eddie Redmayne), der 1882 mit männlichen und weiblichen Organen geboren worden war.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Nach dem Studium an der Kunstakademie Kopenhagen und der Heirat mit seiner Frau Gerda, die auch Malerin war, lebte Wegener immer häufiger seine weibliche Identität aus und wollte auch körperlich eine Frau werden. Dafür waren mehrere Operationen nötig. Die ersten drei verliefen komplikationslos. Wegener nannte sich danach offiziell Lili Elbe, der dänische König annullierte die Ehe, und Elbe erhielt neue Papiere. Nach einer vierten Operation im September 1931 starb sie jedoch, vermutlich weil ihr Körper Transplantat abstieß; sie wurde auf dem Dresdner Trinitatisfriedhof beigesetzt. Ihr Grab existierte bis in die sechziger Jahre.

          Respekt vor Lebensentwürfen entwickeln

          Die Produktionsfirma des Films stiftete nun den neuen Grabstein, der am Freitag in Dresden in Anwesenheit des dänischen Botschafters sowie des Autors und der Drehbuchautorin von „The Danish Girl“ wieder aufgestellt wurde. Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) erinnerte in einer Feierstunde daran, dass auch in unserer Gesellschaft der Trend zu klaren Rollenzuweisungen stark sei.

          In der Folge würden trans- und intergeschlechtliche Menschen heute noch häufig als pathologisch und behandlungsbedürftig angesehen. „Wir alle sind angehalten, Respekt vor Lebensentwürfen zu entwickeln, die nicht unsere eigenen sind“, sagte die Ministerin. Das Gedenken an Lili Elbe sei ein wichtiger Schritt zu einer Gedenkkultur in einer diskriminierungsfreien Gesellschaft.

          Eddie Redmayne als Lili Elbe in dem Film „The Danish Girl“.

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