28.04.2006 · Von Kopf bis Fuß verhüllt sind zwei türkische Mädchen in ihrer Bonner Schule erschienen. Der Rektor schloß die beiden 18jährigen daraufhin vom Unterricht aus.
Als nach Ostern zwei Mädchen verhüllt mit einer Burka zur Schule kamen, reagierten Schüler wie Lehrer der Bonner Gesamtschule verstört. Der Rektor schloß die Mädchen vom Unterricht aus.
Es sei das erste Mal gewesen, daß die Mädchen verschleiert waren, nur eine von ihnen habe zuvor ein Kopftuch getragen, erklärte Rektor Ulrich Stahnke. Lehrer wie Mitschüler hätten vergeblich versucht, die Schülerinnen vom Ablegen der Gewänder zu überzeugen. Auch er selbst habe mit den Schülerinnen Gespräche geführt. Vergeblich.
Im Bereich der Augen eine Art Gitter
Die vor allem von Musliminnen in Afghanistan und Pakistan getragene Burka besteht aus einem großen, kreisförmigen Stofftuch, das Kopf und Körper verhüllt. Damit die Trägerin etwas sehen kann, ohne ihr Gesicht zu enthüllen, ist im Bereich der Augen eine Art Gitter aus Roßhaar oder Stoff eingesetzt.
Durch die Komplettverhüllung der beiden 18 Jahre alten Mädchen türkischer Herkunft sieht die Schulleitung den Schulfrieden gefährdet: „Wir können weder dafür garantieren, daß die Mädchen noch die übrigen Schüler ordnungsgemäß unterrichtet werden“, erklärte der Rektor. Es sei nicht möglich, mit Schülern zu kommunizieren, die nur noch durch einen schmalen Sehschlitz blicken. Außerdem hätten manche Schüler durch den Anblick der Mädchen teilweise sogar verängstigt reagiert: „Im Unterricht wurde über nichts anderes mehr gesprochen, so ist ein Schulbetrieb auf Dauer nicht möglich“. Das Schulverbot sei die einzige Möglichkeit gewesen, wieder Ruhe in die Schule zu bringen.
„Wir wollen die Integration“
Die Entscheidung der beiden Schülerinnen sei bei ihren Mitschülern auf wenig Verständnis gestoßen, erklärte Stahnke weiter. Das gelte „auch für die muslimischen Kopftuchträgerinnen an unserer Schule“. Die Schülerinnen nannte seinen Angaben zufolge religiöse Gründe für das Tragen der Burka und verwiesen auf die Religionsfreiheit. Von den Eltern habe es bisher keine Rückmeldung gegeben.
„Wir wollen die Integration“, unterstrich Stahnke. An der Schule haben nach seinen Worten 30 Prozent der über 1.300 Schüler einen Migrationshintergrund, sie stammten aus 51 Ländern. „Wir wollen zeigen, daß man hier seine Religion auch ohne Burka leben kann“, sagte der Schulleiter.
„Den Verweis nutzen“
Hinter der Entscheidung des Bonner Schulleiters steht auch die Kölner Bezirksregierung. Sie setzt allerdings auf eine baldige Beilegung des Konflikts: „Wir hoffen, daß die Schülerinnen den Verweis nutzen, um noch einmal über ihre Entscheidung nachzudenken,“ sagte eine Sprecherin. Sollten die Schülerinnen die Komplettverhüllung wieder ablegen, kann das Schulverbot auch bereits vor Ablauf der zwei Wochen wieder aufgehoben werden. „Sie können noch zur selben Stunde wieder am Unterricht teilnehmen, und wir würden sie überaus herzlich wieder in der Schule begrüßen“, sagte Rektor Stahnke.
Richtige Entscheidung
Birgit Schmidt (Chayra)
- 28.04.2006, 18:09 Uhr
Bei aller Toleranz ....
Markus Bea (Boersenkoala)
- 28.04.2006, 18:31 Uhr
Schulverweis trotz Schulpflicht
Niko Akathari (NikoA)
- 28.04.2006, 19:51 Uhr
Welche Art von Integration meint man?
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 28.04.2006, 21:35 Uhr
Aggression?
Andreas Eckel (areses)
- 28.04.2006, 23:50 Uhr