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Veröffentlicht: 20.03.2014, 10:05 Uhr

Karl-May-Museum Wird Radebeul nun ein Skalp abgezogen?

Die Ojibwa-Indianer forderen einen Skalp zurück, der seit mehr als 100 Jahren im Karl-May-Museum in Radebeul liegt. Ein Stammes-Oberer nennt die Ausstellung respektlos und beleidigend. Die Museumschefin ist ratlos.

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© dpa Skalp des Ahnen: Dieses „Beutestück“ soll Radebeul herausgeben.

Winnetou hat, soweit bekannt, nie Skalps genommen. Im realen Leben der Indianer Nordamerikas spielten sie aber eine große Rolle: Sie wurden dem geschlagenen Feind abgeschnitten, damit seine Kraft auf den Sieger übergehen möge. Viel Kraft wünscht sich derzeit auch Claudia Kaulfuß. Die Direktorin des Karl-May-Museums in Radebeul erreichte vor einer Woche ein Anruf der britischen Tageszeitung „The Guardian“, die mehr zur Rückforderung eines Skalps durch Nachfahren des Stammes der Ojibwa-Indianer wissen wollte. „So haben wir überhaupt davon erfahren“, berichtet Kaulfuß. Die E-Mail mit der Nachricht war in Radebeul im Spam gelandet.

Stefan Locke Folgen:

Seit Mittwoch liegt dem Museum auch das Originalschreiben mit Stammessiegel vor, und es lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Zurschaustellung des Skalps unserer Vorfahren in Ihrem Museum ist respektlos, beleidigend und unverschämt“, schreibt ein Stammes-Oberer der Ojibwa aus Michigan. Er fordere deshalb die unverzügliche Rückgabe des Skalps.

Für 1100 Dollar und drei Flaschen Schnaps gekauft

Kaulfuß musste daraufhin erst einmal durchatmen. „Der sehr harsche Ton hat uns überrascht“, sagt die 46 Jahre alte Direktorin. Seit mehr als 100 Jahren liege der Hinterschopf schon in Radebeul, und zwar im Depot. Patty Frank, der erste Direktor des Karl-May-Museums, hatte ihn dem Stamm 1904 auf einer Reise durch Amerika für 1100 Dollar, zwei Flaschen Whiskey und eine Flasche Brandy abgekauft. Frank habe indianische Kulturgüter gesammelt; die 17 Skalps des Museums – elf indianische, drei weiße und drei Rosshaar-Attrappen – stammten alle von ihm.

Fünf davon sind in der ethnologischen Sammlung „Indianer Nordamerikas“ in Karl Mays „Villa Bärenfett“ zu sehen. „Wir zeigen die Geschichte der Indianer und ihrer Kultur“, sagt Kaulfuß. „Da gehört das Skalpieren als religiöses Ritual dazu.“ Erst die Weißen hätten die Skalps kommerzialisiert und dafür Jagd auf Indianer gemacht. Auch darüber informiert das Museum. Von einer respektlosen Darstellung könne deshalb keine Rede sein. Im Gegenteil: Nicht einer der zahlreichen Stämme, die das Museum jedes Jahr besuchen, habe sich bisher beschwert. Das Gästebuch sei voller Lob.

Die Forderung nach Rückgabe macht die Museumschefin deshalb ratlos. Alle Exponate seien rechtlich korrekt erworben, eine Rückgabe komme nicht in Frage. Dennoch sei sie gesprächsbereit. Der Vertreter der Ojibwa dagegen beendet seinen Brief mit einer Drohung. Sollte das Museum nicht auf seine Forderungen eingehen, werde er „nichts unversucht lassen, um der Welt von dieser grauenhaften Ausstellung zu erzählen.“ Noch scheint die Zeit nicht reif zu sein, in dieser Angelegenheit eine Friedenspfeife zu rauchen.

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