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Im Porträt: Nora von Waldstätten Die Frau für die krassen Nahaufnahmen

Eine Baronesse aus altem Wiener Adel ist das Gesicht der Stunde im jungen deutschen Film: Nora von Waldstätten hat bereits im „Tatort“ brilliert und ist derzeit gleich zweimal im Kino zu sehen. Akribische Vorbereitung sieht sie als Teil ihrer Arbeit, ihr Credo: Bloß nicht beliebig werden.

© AP Vergrößern Weil sie einem alten Wiener Adelsgeschlecht entstammt, schwärmte der Boulevard von der „Baronesse mit den eiskalten Augen”

Wer sich mit diesen Frauen einlässt, der sollte starke Nerven haben. Sonst könnte es ihm gehen wie Richie, den seine fröhlich flirtende Freundin Hannah in wahnhafte Eifersucht treibt, oder wie Frederick, der nicht verkraftet, dass Nadine ihn verlassen hat, und sie über Jahre heimlich beobachtet. Die Marokko-Reisende Pia probiert einfach mal aus, ob es ihrer schal gewordenen Beziehung Würze verleiht, wenn sie ihren Freund mit einer jungen Frau aus Tanger zusammenbringt - um sie dann, als ihr das Ganze zu weit geht, zu verraten. Das freilich ist gar nichts gegen Viktoria, die intrigante Eliteschülerin, die bei ihrer knallharten Karriereplanung ungerührt über die Leichen ihrer Mitschüler geht.

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Hannah, Nadine, Pia und Viktoria haben, sosehr sich ihre Geschichten unterscheiden, vieles gemeinsam: Es sind junge, starke Frauen, stärker auf jeden Fall als die Männer, die sie umschwirren, und sie scheuen sich nicht, vom Leben ihre Portion Glück einzufordern. Vor allem aber haben sie dasselbe Gesicht, welches man als das der Stunde im jungen deutschen Film bezeichnen darf. Es gehört Nora von Waldstätten. Fein geschnitten, heller Teint, kühn geschwungene Augenbrauen und faszinierende Augen, die den, der sie beschreiben möchte, unweigerlich ins Reich der Felidae führen; wobei die Tendenz nicht zur Kuschelmieze geht, sondern klar in Richtung Raubkatze. Besonders galt dies für Viktoria im „Tatort“-Fall „Herz aus Eis“, mit dem von Waldstätten im vergangenen Jahr die Zuschauer gleichermaßen beeindruckte wie verstörte. Weil sie einem alten Wiener Adelsgeschlecht entstammt, schwärmte der Boulevard von der „Baronesse mit den eiskalten Augen“.

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Von wegen eiskalte Augen

An diesem Nachmittag indes ist kein Eiseshauch zu spüren, als Nora von Waldstätten das Café in Prenzlauer Berg betritt, und das nicht nur, weil sie vor ihren Augen eine schwarze Hornbrille trägt. Seit acht Jahren lebt sie in Berlin, wo sie die Schauspielschule besuchte und noch während der Ausbildung von jener Agentur verpflichtet wurde, die von Nina Hoss über Moritz Bleibtreu und Daniel Brühl bis zu Christoph Waltz die größten heimischen Kinostars vertritt. Sie spielte am Deutschen Theater und trieb ihre Film- und Fernsehkarriere voran, war die Nichte von Jan Josef Liefers im Münsteraner „Tatort“ und die Titelfigur in „Meine fremde Tochter“ mit Götz George. Für ihre Darstellung der Viktoria im „Tatort“ erhielt sie den New Faces Award, für ihre Rolle als Nadine in Maximilian Erlenweins „Schwerkraft“, der am Donnerstag ins Kino kommt, wurde sie beim Ophüls-Festival als beste Nachwuchsdarstellerin geehrt. Mit Marc Rensings „Parkour“ ist ein weiterer Film mit ihr gerade angelaufen. Wohl im Herbst folgt der dritte Kinofilm in diesem Jahr: In der internationalen Großproduktion „Carlos, der Schakal“ fügt von Waldstätten als Carlos' Geliebte Magdalena Kopp sich ein in die Riege hochattraktiver Terroristen, die uns zuhauf schon im „Baader Meinhof Komplex“ begegneten.

Nora von Waldstätten - Die gebürtige Wienerin spricht in Berlin mit Jörg Thomann über ihre neuen Filme. © Andreas Pein Vergrößern Das Spiel der Nora von Waldstätten ist eine aufregende Mischung aus Leidenschaft und Präzision

Was Regisseure an ihr schätzen, erschließt sich rasch, etwa in den letzten 15 Sekunden von „Schwerkraft“. In diesem Buddy Movie um einen Banker (Fabian Hinrichs), der mit Hilfe eines alten Kumpels (Jürgen Vogel) seine dunkle Seite auslebt, ist von Waldstätten als Nadine kaum eine Viertelstunde zu sehen; die wenigen Momente aber reichen ihr, um, wie sie es ausdrückt, eine Welt zu erzählen, Nadines Welt. Die Schlusseinstellung gehört ihr allein: Langsam fährt die Kamera an ihr Gesicht heran, das erst erstaunt blickt, dann entsetzt und schließlich - von wegen eiskalte Augen! - eine Wärme und ein Verständnis ausstrahlt, die der zynischen, auch brutalen Geschichte eine Art Happy-End verleihen. Nicht vielen Schauspielern trauen Regisseure es zu, so eine Szene zu tragen. Nora von Waldstätten gelingt es, mit kaum mehr als einem Blinzeln. Dass es die letzte Szene im Film sein würde, hat sie beim Dreh nicht gewusst, und das, sagt sie, sei wohl auch gut so gewesen. Aber es hat sie natürlich gefreut.

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