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Im Gespräch: Melika Foroutan : Irgendwann hat man Glück

Eine Frau zum Regaleaufbauen: Melika Foroutan beim Gespräch in einem Berliner Café Bild: Pein, Andreas

Als Kind floh Melika Foroutan aus Iran nach Deutschland. In Berlin erzählt die Schauspielerin mit beeindruckender Offenheit ihre Familiengeschichte und spricht über neue Projekte und den Dünkel der Branche.

          Nein, die Oscar-Verleihung hat sie sich dieses Jahr nicht angeguckt, keine einzige Minute. Stattdessen hat Melika Foroutan tags darauf die wichtigsten Preisträger gegoogelt, nur um dann festzustellen, dass sie keinen der prämierten Filme überhaupt gesehen hat - „Lincoln“, „Argo“, „Life of Pi“, ja nicht mal „Django Unchained“. Früher wäre ihr so was nie passiert, als Teenie ist sie einst nachts aufgeblieben, um die Live-Übertragung zu verfolgen. Sofort erinnert sie sich an Sophia Lorens Lebenswerk-Oscar - „ganz großer Auftritt, ich habe dabei geweint“.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Tempi passati. In diesem Jahr hatte Foroutan multiple Gründe, die Chose zu verpassen. Ganz oben auf der Liste: der Fernseher, kaputt schon seit vier Wochen, und niemand da, der ihn reparierte. Außerdem: Grippe, „so schlimm wie seit 15 Jahren nicht mehr“. Das Virus ist hartnäckig, gleich nach der Berlinale ging es los, und nun schnieft sie noch immer, aber ihrem lebhaften Erzählen tut das keinen Abbruch. Also weiter, Grund Nummer drei: Die Kinder - ihre Tochter vier Jahre, der Sohn gerade zehn Monate alt - verlangen volle Aufmerksamkeit. Und schließlich, Grund vier: der Umzug.

          Sie steckt mitten im Kistenpacken, um mit Freund und Kindern nach Berlin-Mitte zu ziehen, sie haben dort zusammen mit anderen Familien vor Jahren ein Grundstück gekauft und nun ein Haus gebaut. Von dort kommt, nein, eilt sie jetzt zum Gespräch, sie ist ein bisschen spät dran, weshalb sie kurzerhand halb auf dem Fußweg direkt vor dem Café mitten in Prenzlauer Berg einparkt. So könne sie nicht stehen bleiben, erklärt die Inhaberin, also noch mal los. Zehn Minuten später ist Foroutan zurück, schält sich aus dem Mantel, sie trägt Jeans und ein rotkariertes Holzfällerhemd, die schwarze Wollmütze behält sie auf.

          Nur selten spielt sie die Quoten-Migrantin

          Dreharbeiten? Neuer Film? Toughe Rolle? „Nee“, sagt sie heiser. „Ich bau’ privat grad Regale auf.“ Den ganzen Vormittag hat sie im neuen Zuhause Möbel eines schwedischen Anbieters zusammengeschraubt. Produkte, die auch Melika und Foroutan heißen könnten, denn ihren Namen, sagt Melika Foroutan, könne sich ebenfalls kaum jemand merken. Dabei ist sie seit zehn Jahren im deutschen Fernsehen gut beschäftigt - als Ärztin, Anwältin und vor allem Polizistin wie in der preisgekrönten ZDF-Serie „Kriminaldauerdienst“ oder kürzlich als Gegenspielerin von Iris Berben im Krimi „Die Kronzeugin“. „Psychokrimi vom Feinsten“ und „Charaktertheater mit Bestbesetzung“, urteilte die Kritik.

          Dass Foroutan Figuren mit Namen wie Sylvia Henke, Carolin Winter oder Ines Meder spielt, ist nicht selbstverständlich, werden doch Künstler wie sie gerne als Quoten-Migranten besetzt. Sie hat auch schon eine Französin, Türkin und Chilenin gemimt, tatsächlich aber ist sie Deutsch-Iranerin. Ihre Familiengeschichte ergäbe, erzählte man sie als Film, eine packende Mischung aus Romanze, Krimi und Thriller.

          Foroutans Eltern lernen sich Anfang der Siebziger in Paris kennen, wo der Vater Film studiert und die Mutter als Au-pair arbeitet. Sie ziehen nach Boppard am Rhein, wo die Mutter herstammt, bekommen zwei Kinder; die jüngste Tochter aber, Melika, wird in Teheran geboren, der Heimat des Vaters, wohin die junge Familie zuvor übergesiedelt ist. Die Mutter arbeitet nun bei Daimler-Benz, und der Vater, der es abgelehnt hat, Propagandafilme für den Schah zu drehen, verdingt sich als Fußballtrainer, darunter auch für ein halbes Jahr als Coach der iranischen Nationalelf.

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