http://www.faz.net/-gum-78dcx

Im Gespräch: Jude Law : „Ich wurde sehr geliebt“

  • Aktualisiert am

40 Jahre, 40 Filme – „und trotzdem kommt es mir vor, als hätte ich gerade mal an der Oberfläche gekratzt“: Jude Law Bild: Polaris/laif

Der britische Schauspieler Jude Law spricht über die starken Prinzipien seiner Mutter, Psychopharmaka in seiner Heimat. Und wie er als Geschädigter den britischen Abhörskandal verarbeitet hat.

          Mister Law, da wir hier über Ihren neuen Film „Side Effects“ reden, also über „Nebenwirkungen“: Haben Sie jemals Psychopharmaka genommen?

          Nein. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der ich nicht einmal Kopfschmerztabletten bekam.

          Aus Prinzip?

          Ich glaube schon. Meine Mutter war zwar kein Gesundheitsfreak, aber sie hatte starke Prinzipien. Damals in den Siebzigern keimte das ja so: Wir sollten dieses und jenes nicht essen und nicht so viel fernsehen. Eine Abneigung gegen Schmerzmittel und Tabletten gehörte dazu. Bei uns zu Hause herrschte aber vor allem diese etwas märtyrerhaften nordenglische Haltung: Jammer nicht, das wird schon. Wenn du frierst, zieh dir einen Pulli über. Und wenn du dir weh tust, steh einfach wieder auf.

          Fühlten Sie sich vernachlässigt?

          Nein, ich wurde sehr, wirklich sehr geliebt. Wir nennen das in England tough love. Ich habe nur keinerlei Bezug zu Medikamenten und hatte bisher das Glück - Klopf auf Holz - sie auch nicht aus emotionalen oder psychischen Gründen zu brauchen.

          Angeblich ist das alltäglich geworden, sowohl Verstimmungen zu haben als auch die Bereitschaft, sie medikamentös zu behandeln.

          Ich persönlich kenne niemanden. Aber es gibt diesen Satz in dem Film, wenn meine Figur, ein englischer Arzt, sagt: Wenn du in England zum Psychiater gehst, hast du ein Problem; in Amerika suchst du eine Antwort. Das trifft es ziemlich. Unsere Beziehung zur Psychiatrie und verschreibungspflichtigen Medikamenten ist eine sehr private, über die nicht gesprochen wird. In Amerika ist das Gegenteil der Fall. Das hat sich so entwickelt. Und ich könnte nicht sagen, was besser ist.

          Würden Sie denn die Botschaft Ihres Films unterschreiben, dass wir die „Nebenwirkungen“ von Psychopharmaka vernachlässigen?

          Ganz bestimmt. Wobei man die Filmbotschaft nicht mit dem Erfolg dieser Medikamente vermischen darf. Sie helfen Menschen mit realen Schwierigkeiten und machen deren Leben erträglich. Zugleich leben wir in einer Welt der Abkürzungen. Man könnte fast sagen, wir haben der Traurigkeit den Krieg erklärt. Wir wollen Dinge ausmerzen, nicht lösen. Wir wollen weitermachen und arbeiten, arbeiten, arbeiten. Das ist ein Problem.

          Empfinden Sie es als Druck, in so einer Gesellschaft zu leben, in der man immer fröhlich sein und funktionieren muss?

          Das tun wir alle - in unterschiedlichen Graden und Schattierungen.

          Ich stelle mir das für Prominente noch härter vor. Die ständige Berichterstattung, die Paparazzi...

          Vielleicht härter, vielleicht leichter. Wenigstens weiß ich durch meinen Job, dass Ausgehen für mich meist mit Arbeit verbunden ist. Also setze ich mein Arbeitsgesicht auf, so wie die meisten Menschen es tun, wenn sie ins Büro gehen. Wissen Sie, das hier ist mein Büro, ich arbeite gerade. Spielen ist anders. Da schlüpft man in eine Rolle. Aber selbst am Set nähere ich mich den Menschen mit einer gewissen Demut und Zivilisiertheit, um das Arbeiten angenehm zu machen. Da bin ich wie jeder andere: Ich habe Tage, an denen es mir leicht fällt, gesellig und zugewandt zu sein, und andere, an denen ich niemanden sehen mag. So ist das Leben.

          Kenne ich.

          Um auf meine Mutter zurückzukommen - ich weiß nicht, warum wir immerzu über meine Mutter sprechen. Lustig.

          Ich habe nicht einmal gefragt!

          In der Tat, ich weiß! (lacht) Jedenfalls haben wir viel über diese Dinge geredet. Sie hat mir und meiner Schwester Mut gemacht, dass es in Ordnung ist, auch mal schlecht drauf zu sein. Wenn du dich mies fühlst, koste es aus, dich mies zu fühlen. Wenn es dir gutgeht, koste es aus, dich gut zu fühlen. Für mich als jemand, der sich mit dem Studium menschlicher Gemütszustände befasst, ist es sogar in gewisser Weise interessant, in mürrischen, traurigen Gefühlen herumzustochern.

          Sie brauchen das als Resource?

          Weitere Themen

          „Ich wollte Mutter beschützen“

          Doppel-Interview : „Ich wollte Mutter beschützen“

          Hollywood-Star Glenn Close und ihre Tochter Annie Starke über ihren Beruf als Schauspielerinnen, Annies Qualitäten als Bluthund, die Kraft der Introvertierten – und eines der surrealsten Erlebnisse im Leben von Glenn Close.

          Topmeldungen

          Irakische Soldaten dringen am Montag nach Angaben des Staatsfernsehens in das von kurdischen Peschmerga-Einheiten kontrollierte Gebiet der Provinz Kirkuk vor.

          Regierung gegen Kurden : Trump: Bleiben im Irak-Konflikt neutral

          Die militärische Eskalation im Nordirak weckt Ängste vor einem neuen Bürgerkrieg in der Region. Die EU fordert ein Ende der Gewalt, Amerikas Präsident Trump will seine Soldaten aus den Gefechten raushalten. Beide fürchten, dass der eigentliche Gewinner der IS sein könnte.
          Jordi Ciuxart, Vorsitzender des katalanischen Kulturvereins Omnium Cultural, und ANC-Chef Jordi Sànchez vor dem Gerichtstermin in Madrid.

          Krise in Katalonien : Führende katalanische Separatisten inhaftiert

          Die spanische Staatsanwaltschaft hat zwei katalanische Separatistenführer festnehmen lassen. Auch gegen Polizeichef Josep Lluís Trapero wurde Untersuchungshaft beantragt, er kam gegen Kaution jedoch vorerst frei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.