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Im Gespräch: Heike Makatsch Bin ja nur ich

Zuerst sollte sie das Vorzeige-Girlie geben, dann die Diva. Heute hat Heike Makatsch das Gefühl, mehr als früher bei sich selbst zu sein. Aber das Heike-Makatsch-Lachen, das ist natürlich geblieben.

© Busse, Christoph Vergrößern Heike Makatsch beim Interview in einem Café in Leipzig; dort probt sie fürs Theater „Krieg und Frieden“

Die Frau, die sie früher „unsere Heike“ nannten, sitzt am Rand der Bühne und brüllt. Stilettos baumeln in der Dunkelheit, zarte Arme greifen ins Nichts. Im Licht der Scheinwerfer wirkt selbst das markante Gesicht einer Heike Makatsch merkwürdig flach und fremd. Theaterproben in Leipzig. Für seine Inszenierung von „Krieg und Frieden“ hat Schauspielintendant Sebastian Hartmann Tolstois Figuren zerlegt; auch Makatsch als Gast des Ensembles ist je nach Szene Frau, Pferd oder Sterbender.

An diesem Aprilvormittag verkörpert sie die innere Stimme eines Adligen, dessen naive Kriegsbegeisterung auf dem Schlachtfeld erschüttert wird. Makatsch deklamiert eine sperrige Passage, in der es um Selbstbetrug und Zerstreuung geht. Aber der Regisseur ist unzufrieden. „Bist du emotional oder hast du Schnupfen?“, ruft er seiner Schauspielerin zu. „Pass auf deine Stimme auf!“ Und: „Sei nicht so demütig mit dem Text!“ Mit jedem Durchgang spricht Makatsch freier. Am Ende schreit sie die Sätze aus sich heraus: „Aber ich? Wo bleibe ich bei dem Ganzen?“

Bühne frei für ein Markenzeichen

Einen Abend später auf einem roten Teppich in Berlin. „Heike, Heike, Heike, Heike, Heike!“ Der Chor der Fotografen versucht, den Blick des Stars in die Kameras zu lenken. Zwischen Männern mit grauen Schläfen und dunklen Anzügen, zwischen Fernsehfunktionären und Großschauspielern, für die sich niemand so recht interessiert, steht Heike Makatsch. Lila Bluse, terrakottarote Lippen, die Beine gekreuzt. „Nicht so ernst!“, ruft ein Fotograf. Die Schauspielerin streicht sich die Haare glatt. „Ich lach mir doch schon ’nen Wolf“, grummelt sie. Und lacht trotzdem ihr Heike-Makatsch-Lachen, Bühne frei für ein Markenzeichen: Erst raffen zwei Fältchen neben den Mundwinkeln die Oberlippe wie einen Vorhang zur Seite, so dass ein geschwungenes Lächeln entsteht. Dann kommen die Zähne, makellos, aber weniger aufdringlich als in der Zahnpastawerbung. Und immer sieht es aus, als leuchte das ganze Gesicht: die übergroßen Augen, die Bäckchen, die gesamte zierliche Person. Unsere Heike, Heike, Heike.

Heike Makatsch ist vergangenen Sommer 40 Jahre alt geworden. Die gebürtige Düsseldorferin hat eine beachtliche Filmographie vorzuweisen, zwei kleine Töchter und ein Leben, von dem sie sagt, sie versuche, nahe bei sich selbst zu bleiben. Und sie gibt Interviews, weil am Mittwoch, gut eine Woche, bevor „Krieg und Frieden“ bei den Ruhrfestspielen Premiere hat, im Fernsehen die Hermann-Hesse-Verfilmung „Die Heimkehr“ läuft. Makatsch bestellt Earl Grey (mit Milch) und frisch gepressten Orangensaft (ohne Flusen) und erfindet zeitgemäße wie massengängige Heimatdefinitionen à la „Ich fühle mich immer da zu Hause, wo die Menschen sind, die mir am meisten bedeuten“. Sie wirkt natürlich, gewinnend, aufgeschlossen. Bittet den Barmann, die Musik leiser zu drehen, damit sie sich besser konzentrieren kann. Zwirbelt sich beiläufig die Haare.

Vorzeige-Girlie, deutsche Hoffnung und Supermami

Ihr Heike-Makatsch-Lachen knipst sie nur selten an. Die ambitionierte Literaturverfilmung zu Hesses 50. Todestag kommt sogar komplett ohne aus. Verhalten und in sich gekehrt gibt die Schauspielerin eine Außenseiterin in einem schwäbischen Dorf Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Das Gefühl der Ausgrenzung, das ihre Figur präge, sei ihr durch die Sonderstellung vertraut, die sie als „öffentlich arbeitende Person“ innehabe, sagt sie: „Das finde ich manchmal ein Stigma.“

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