Home
http://www.faz.net/-gun-71us6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Im Gespräch: Cro „Ich wurde pädagogisch wertvoll erzogen“

Er ist das neue Gesicht hipper deutscher Musik - soweit man das von einem sagen kann, der eine Panda-Maske trägt. Im Gespräch mit der F.A.S. spricht der schwäbischen Rapper Cro über Anonymität, Hotel Mama und die Liebe.

© Marcus Kaufhold Vergrößern Cro der Bär: Fotografieren lässt sich der Rapper ausschließlich mit seiner putzigen Panda-Maske. Im Internet kursiert trotzdem ein Foto, das Cro unverhüllt zeigt - als genauso putziges Kerlchen

Du bist viel zu spät zu unserem Interview gekommen - sind das schon erste Starallüren?

Oh, ich war völlig raus heute. So was gab’s echt noch nie, und das tut mir leid. Ich bin erst um sechs ins Bett, weil ich die ganze Nacht Musik gemacht habe. Um elf bin ich dann aufgestanden, die Sonne hat geschienen, alles war schön, und ich habe weiter Musik gemacht. Als es dann Zeit gewesen wäre, wollte ich einfach nicht aufhören.

Für die Musik, die du machst, hast du einen eigenen Namen erfunden.

Ja, „Raop“, also Rap und Pop. Ich mache leichte Musik, die gut ins Ohr geht, mit ’nem kleinen Pop und ’nem großen Rap. Die meisten meiner Lieder klingen sommerlich. Im Sommer funktionieren sie, weil die entsprechenden Bilder da sind, und im Winter funktionieren sie, weil man sich an die Sommerbilder erinnert.

Selbstmarketing, Kleinlabel, Riesenerfolg: Bist du der fleischgewordene Albtraum der Plattenfirmen?

Ja, denke ich schon. Am Anfang haben die uns mehrfach nach Berlin eingeflogen und in immer bessere Restaurants eingeladen. Es wurden ständig höhere Summen geboten, damit ich bei denen unterschreibe. Wir haben aber schließlich abgelehnt, weil wir zuversichtlich waren, es auch alleine zu schaffen.

Für unser Gespräch hast du sie ja abgelegt, aber warum trägst du eigentlich diese Pandabären-Maske?

Das war bloß ein spontaner Einfall. Ein Kumpel und ich haben damals eine Eisbär- und eine Panda-Maske bestellt. Ich habe dann, ohne zu überlegen, den Panda genommen. Wäre es anders gelaufen, könnte ich jetzt auch der rappende Eisbär-Idiot sein. Mittlerweile hat die Maske aber den Vorteil, dass sie meine Anonymität wahrt, und das schätze ich. Wir haben auch immer mehrere identische Masken parat, falls mal eine kaputtgehen sollte.

© dapd, Chimperator CD der Woche: Cro „Raop“

Was soll denn das umgedrehte Kreuz auf der Maske?

Das ist völlig sinnlos und hat überhaupt keine Bedeutung. Anfangs war die Maske so leer, dann lag da ein dicker Stift herum, und mittlerweile gehört das Kreuz eben dazu.

Der Wunsch nach Anonymität ist nachempfindbar, aber wieso willst du dein Alter nicht preisgeben?

Ich finde das Alter generell nicht so wichtig. Bin ich jetzt zwanzig oder einundzwanzig? Ist doch egal.

Wie hast du es geschafft, in so kurzer Zeit so gute Chartpositionen zu belegen?

Wenn ich das wüsste, würde ich sofort Manager werden, mir irgendjemanden schnappen und das dann nochmal machen. Bei mir waren es jedenfalls viele Zufälle, die alle glücklich ineinanderliefen und perfekt gepasst haben. Ich finde meinen Erfolg nicht logisch, sondern total verrückt.

Du machst deine eigene Musik, zeichnest und gestaltest Klamotten. Steckt dahinter ein Mitteilungsdrang?

Es ist eher die Lust an diesen Dingen. Früher waren das nur meine Hobbys. Wobei es jetzt wieder ähnlich ist: Derzeit ist mein Beruf eigentlich, auf Tour zu gehen, und Musikmachen ist wieder das Hobby.

Deine Songs entstehen angeblich in rasantem Tempo. Ohne raptypisches Geflunker - was ist dein Rekord im Schnellproduzieren?

Für „Easy“ habe ich den Beat in einer halben Stunde gebaut. Am Text saß ich dann etwas ausführlicher, vielleicht eine halbe Nacht. Als es hell wurde, war der Song im Kasten. Manchmal dauert es länger, aber die Lieder sind oft nicht gut, weil es dann zu verkopft wird. Bei mir sind die spontanen und schnellen Aufnahmen die besten.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Juergen Teller im Gespräch Paar schöne Stunden waren das

Juergen Teller hat Joan Didion für Céline fotografiert und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei ihrer Heimkehr nach dem WM-Sieg. Im Interview erzählt er, welche Erfahrung aufregender war und wer die Bilder von ihm selbst in seinem neuen Buch schoss. Mehr Von Johanna Adorján

02.03.2015, 22:59 Uhr | Feuilleton
Kuschelangriff Kleine Pandas überrumpeln Tierpfleger

Ein Jahr sind sie alt, die beiden kleinen Pandas im Zoo Chendu in China. Der Pfleger würde diesen beiden Bärenjungen gerne eine Nährlösung verabreichen. Aber die haben anderes im Sinn: Spielen. Mit vereinten Kräften schaffen sie es, den Pfleger zu überrumpeln. Mehr

03.11.2014, 10:56 Uhr | Gesellschaft
Ausstellung von Björk im MoMA Hängen Popsongs an den Wänden?

Das Museum of Modern Art zeigt das Werk der isländischen Sängerin Björk. Was ist das aber: das Werk eines Popstars? Und was tut man damit im Museum? Wir haben Björk mal angerufen. Mehr Von Boris Pofalla

24.02.2015, 19:31 Uhr | Feuilleton
Chinesen hin und weg Panda-Drillinge öffnen erstmals die Augen

Die Panda-Drillinge in China haben nach gut sieben Wochen erstmals ihre Augen geöffnet. Der Chimelong Safari Park in Kanton veröffentlichte Aufnahmen, auf denen die drei kleinen Bären quiekend und krabbelnd zu erleben sind. Mehr

22.09.2014, 11:56 Uhr | Gesellschaft
Shantel über Griechenland Die junge Generation bleibt auf der Strecke

Wenn wir Griechenland ausblenden, graben wir unserer Identität das Wasser ab, sagt der Frankfurter Musiker Shantel. Für sein neues Album, das im Mai erscheinen soll, ist er in die Heimat seines Großvaters gereist. Ein Gespräch. Mehr Von Julia Voss

22.02.2015, 11:16 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.08.2012, 16:16 Uhr

Eurovision Song Contest Guy Sebastian darf für Australien singen

Der Sänger Guy Sebastian vertritt Australien beim ESC, Gerard Depardieu berichtet in seiner Autobiographie erstaunlich offen von seiner Kindheit, und Julianne Moore erinnert sich gerne an ihre Jahre in Deutschland – der Smalltalk. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden