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Hugh Laurie im Gespräch „Ich habe mit House meinen Frieden gemacht“

 ·  Als messianischer Wunderheiler Dr. Gregory House ist Hugh Laurie weltbekannt und einer der bestbezahlten Seriendarsteller. Der britische Schauspieler über die schwierigen Jahre in Amerika und sein Leben als Dauer-Misanthrop.

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Mister Laurie, wann haben Sie das letzte Mal Dr. Gregory House verflucht?

Das ist schon länger her. Wir waren auf halbem Wege, so vor drei, vier Jahren, als mich das Ganze überwältigte. Die Serie lief und lief und lief, und ich dachte, ich werde verrückt. Danach habe ich aber meinen Frieden mit House gemacht. Ich mag diese Figur, noch nach so vielen Jahren, ich liebe ihn sogar. Und ich bin sehr glücklich, dass ich „House“ machen kann.

Was musste Hugh Laurie für die Hauptrolle in der amerikanischen Fernsehserie House aufgeben?

Ich bin ein furchtbarer Koch, auf diesem Gebiet habe ich mich nicht weiterentwickelt...

... Dr. House wiederum ist, wie sich in einer Episode herausstellt, ein großartiger Koch ...

... das stimmt. Aber für House wurde ja auch gekocht, ich musste mich nur hinstellen und konnte sagen, schaut alle her, was ich Tolles gezaubert habe. Doch zurück zu Ihrer Frage: Ich bin auch immer noch ein furchtbarer Tänzer.

Mussten Sie Ihr Familienleben hier in London für „House“ in Los Angeles opfern?

Bis zu einem gewissen Grad ja. Aber jeder, der arbeitet, muss einen Teil seines häuslichen Lebens aufgeben. Das ist einfach eine Notwendigkeit, auch wenn es in meinem Fall vermutlich extremer war als in den meisten anderen Fällen, vielleicht vergleichbar mit einem Mann, der zur See fährt. Doch ich bin ja immer wieder in London, und meine Familie besucht mich in den Staaten. Meine Kinder wollten nämlich in Amerika nicht zur Schule gehen, was ich verstehe.

Sie leben in Los Angeles im Hotel?

Nein, nicht mehr. Anfangs lebte ich in einem Hotel, sogar ziemlich lange, weil ich nicht glaubte, dass die Serie mehrere Staffeln überdauern würde. Schließlich kaufte ich ein Haus - ein kleines Haus.

Wie ist das, wenn man seit acht Jahren neun Monate im Jahr ein Misanthrop sein muss?

Lacht. Es scheint tatsächlich eine Art Dauerzustand meines Lebens geworden zu sein. Noch aber bin ich nicht House geworden. Der Misanthrop bewohnt nur einen Teil von mir. Der andere größere Teil denkt außerhalb dieser Figur sehr technisch über das nach, was ich gerade mache und wie ich es umsetze. Ich verliere mich also nicht völlig in dieser Figur. Dass ich mich losgelöst von der Figur beim Spielen betrachte, ist wohl ein wenig verrückt, aber es ist zumindest eine andere Form des Verrücktseins.

Sie sind in Oxford geboren, in Eton zur Schule gegangen, haben in Cambridge studiert und dort als Ruderer am Oxford and Cambridge Boat Race teilgenommen. Aus deutscher Sicht klingt das, als wären Sie „very british“.

Ich denke schon, dass ich sehr britisch bin, wenn auch nicht allein wegen Eton oder Cambridge.

House ist Amerikaner und muss wie ein Amerikaner sprechen. Wie ist das für einen Briten?

Das ist manchmal ziemlich schwierig, weil ich im Vorhinein nie weiß, welcher Tag, welche Szene, welches Wort leicht oder schwer für mich ist. Da springt mich was an und befällt meinen Kopf, und ich bin nicht in der Lage, einen Satz richtig auszusprechen oder eine Szene so präzise zu spielen, wie es gefordert wird. Warum das so ist, kann ich nicht erklären: Habe ich zu wenig geschlafen oder zu viel? Ist es, weil ich eine Banane gegessen habe, oder ist es, weil ich keine Banane gegessen habe? Wahrscheinlich ist es wie bei einem Tennisspieler, der an manchen Tagen den Ball perfekt trifft und an anderen nicht. Ein chemischer Prozess im Kopf versagt offenbar.

Ihr Vater, Ran Laurie, war auch Ruderer, und er gewann sogar Gold bei Olympischen Spielen. Andererseits war er Arzt. Wollte er, dass Sie Medizin studieren?

Wir haben darüber gesprochen. Er selbst war aber nicht einmal sicher, ob er Arzt werden sollte, was er auch erst mit 43 oder 44 Jahren wurde. Er war zuvor längere Zeit in Afrika gewesen, und als er heimkehrte, hatte er schon drei Kinder zu versorgen, ich war damals noch nicht einmal auf der Welt. Und so überlegte er sich, was er machen könnte, und er wurde Arzt. Später nahm er mich ins Royal London Hospital in Whitechapel mit. Dort hatte ich auch ein Bewerbungsgespräch, aber am Ende war ich zu faul für den Beruf meines Vaters.

Als House üben Sie ihn jetzt allerdings sehr erfolgreich aus.

Ja, und das sogar schon länger, als ich für ein ganzes Medizinstudium benötigt hätte. Eigentlich hätte ich dafür ein Diplom verdient, oder?

Unbedingt! Sie aber haben dann Archäologie studiert. Was wollten Sie damit werden?

Ich hatte nicht im Ansatz eine Idee, nur die vage Vorstellung, dass ich irgendwann als Komiker auf einer Bühne landen könnte. Als ich 18, 19 war, hatte ich jedoch außer Monty Python keine Vorbilder. Kurz danach, gerade mal zwei, drei Jahre später, gab es in England plötzlich ganz viele junge Komiker, was einer ganzen Generation talentierter Künstler Türen öffnete, die sich seitdem leider schon wieder ein wenig geschlossen haben. Ich hatte das Glück, zu jener Zeit im richtigen Alter zu sein.

Sie haben mit Rowan Atkinson im Comedy-Klassiker „Blackadder“ gespielt und mit Stephen Fry für die BBC die Sketch-Serie „A Bit of Fry & Laurie“ geschrieben und gedreht. Es scheint ein weiter Weg von britischer Comedy zu amerikanischer Arztserie zu sein - oder ist House ein Komödiant?

Ich finde die Serie sehr lustig, und auch House ist eine komische Figur. Er kann sehr sarkastisch sein, sehr beißend. Gerade wie er Sarkasmus einsetzt, um Zwistigkeiten zu zerlegen und aufs Absurde zu reduzieren, ist mit Techniken von Komikern vergleichbar, die etwas so in die Länge ziehen oder übertreiben, bis es ins Absurde kippt. Für House ist das eine Art intellektueller Ausgleichssport.

Müssen Sie sich exakt ans Drehbuch halten?

Ich halte mich weitgehend an das, was vorgegeben ist, auch weil ich das Glück hatte, früh verstanden zu haben, worum es dem Schöpfer und Autor der Serie, David Shore, bei „House“ geht.

Shore hat House nach Sherlock Holmes geformt.

Die Ähnlichkeiten sind tatsächlich offensichtlich, und nicht nur, weil beide unter einem sie quälenden rastlosen Geist leiden. Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle studierte Medizin bei dem Chirurgen Joseph Bell in Edinburgh, der ihm als Vorlage für seinen Meisterdetektiv diente. Bell beobachtete seine Patienten sehr genau und verblüffte sie, weil er an der Art, wie sie gekleidet waren, wie sie einen Gegenstand hielten oder sich bewegten, nicht nur sagen konnte, welchen Beruf sie hatten. Er stellte auch erste und richtige Diagnosen, bevor seine Patienten überhaupt ihre Sorgen und Nöte schildern konnten.

Das klingt nach House. Was hat Sie für die Serie eingenommen?

Ich hatte nie zuvor etwas so Tiefgründiges gelesen, mit einer so facettenreichen Hauptfigur. Und das Ganze ist in einer so wenig mitfühlenden Weise geschrieben, dass es sich sehr von anderen Serien unterscheidet, die ja alles versuchen, damit sie gemocht werden.

Wie?

Indem sie dem unglaublich gut aussehenden Hauptdarsteller noch einen Welpen an die Seite stellen. Lacht. House hingegen ist ein Charakter, der das genaue Gegenteil ist, der nicht sympathisch sein will. Gerade weil er nicht gemocht werden will, mochte ich ihn so.

House ist eine Art Wunderheiler. Könnten Patienten durch ihn ihre Ärzte mit anderen Augen sehen?

Das glaube ich nicht. Auch wenn er Wunderkräfte zu haben scheint, so sind House doch mehr Patienten gestorben als zum Beispiel Inspektor Columbo Mörder entkamen. Columbo hat jeden einzelnen Mörder gefangen, und auch bei „Law & Order“ oder „CSI“ kommt keiner ungestraft davon - soweit ich weiß. Uns hingegen starben einige unter den Händen weg.

Es gibt das Gerücht, dass „House“nun nach der achten Staffel endet.

Ich kann dazu nichts sagen, auch weil es nicht allein von mir abhängt. Allerdings scheint es so zu sein, dass die Lebenserwartung für erfolgreiche Serien in etwa acht Jahre beträgt. Das scheint sich seit den Zeiten von Lucille Ball nicht geändert zu haben.

Sie haben gerade zwei Kinofilme gedreht und Ihr Debüt-Album „Let Them Talk“ mit Blues-Songs vorgelegt. Suchen Sie schon nach neuen Herausforderungen?

Mein Anliegen ist, was auch immer wir machen, müssen wir gut machen. Und das gilt auch für den Fall, dass „House“ noch in diesem Jahr zu einem Ende kommt. Mir ist wichtig, dass wir hoch erhobenen Hauptes und stolz auf die Serie zurückblicken können.

Sie wissen nicht, wie die Staffel endet?

Nein, und ich bin nicht einmal sicher, ob die Drehbuchautoren es schon wissen.

L'Oréal hat Sie gerade zum Gesicht einer Männerpflegeserie gekürt ...

... was sehr schmeichelhaft ist.

Das heißt, Sie haben mit so einem Angebot nicht gerechnet?

Nein, nein, nein. Wer könnte damit rechnen? Nun gut, es gibt bestimmt einige, die mit so etwas rechnen. Lacht. Ich jedenfalls nicht. So wie ich es verstehe, wollte L'Oréal ein wenig von der Glamourwelt und den eher konventionellen Schönheitsidealen weg und suchte nach Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Regionen mit unterschiedlichen Karrieren. So kamen sie wohl auf mich. Ich glaube, sie sind ein bisschen verrückt, aber ich hoffe, sie sind nicht zu verrückt.

Wen, glauben Sie, werden die Menschen in der L'Oréal-Kampagne erkennen? Hugh Laurie oder Dr. Gregory House?

Präsentiert wird Hugh Laurie, aber an vielen Orten dieser Welt kennt man mich nur als Dr. House. Das ist unvermeidbar, und ich würde es nicht ändern wollen. Auch das ist ja schmeichelhaft und für mich ein großes Kompliment.

Dr. House

Hugh Laurie, Jahrgang 1959, kam wie so viele seiner berühmten britischen Kollegen - unter ihnen John Cleese, Stephen Fry, Emma Thompson - während des Studiums in Cambridge im Universitäts-Theaterclub „Footlights“ zur Schauspielerei. Der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern gibt seit 2004 den meist unfreundlichen Arzt, Dr. Gregory House. Die nach ihm benannte und von Kritikern hochgelobte Fernsehserie zählt zu den meistgesehenen überhaupt auf der Welt und hat Laurie mit geschätzten 400.000 Dollar pro Folge zu einem der höchstbezahlten Seriendarsteller gemacht.

Die Fragen stellte Peter-Philipp Schmitt.

Quelle: F.A.S.
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