http://www.faz.net/-gum-85f34

Hotpants-Verbot an Schulen : Das Ende der Beinfreiheit

Im Wesentlichen bedeckt: Hotpants mögen nicht besonders elegant sein, doch in der Hitze tragen sie sich angenehm. Bild: Franziska Gilli

Die Hitzewelle stellt viele von uns vor die Frage, wie wenig Kleidung noch gesellschaftlich akzeptabel ist. Und sie treibt einen Klassiker der dummen Ideen wieder an die Oberfläche: das Verbot knapper Kleidung an Schulen.

          Eine Werkrealschule in Baden-Württemberg hat ihren Schülerinnen Hotpants und bauchfreie Oberteile verboten. Ihren Schülern auch, um ganz genau zu sein, der bei Twitter aufgetauchte und unter #hotpantsverbot heftig diskutierte Brief richtet sich nämlich an alle – aber da männliche Teenager diese Art Kleidung selten präferieren, dürfte klar sein, wer gemeint ist.

          Das Ansinnen der Schule ist nicht neu. Nach bereits andernorts bewährter Praxis erhalten die falsch gekleideten Mädchen auch in Baden-Württemberg ein überdimensioniertes T-Shirt, das sie den Rest des Tages tragen müssen. Ob das zum Symbol der Schande wird oder nicht doch eher zum Ehrenabzeichen, werden die Verantwortlichen bald herausfinden.

          Abgestumpft oder leicht abzulenken?

          Fatal an dem Elternbrief ist allerdings, dass von „sehr aufreizender Kleidung“ der Mädchen gesprochen wird. Die Werkrealschule führt bis maximal zur zehnten Klasse, hier ist also die Rede von Mädchen im Alter zwischen zehn und 16 Jahren. Kindern pauschal vorzuwerfen, sie zögen sich absichtlich verrucht an, ist ekelhafter, als unpassende Hotpants es jemals sein könnten.

          Die Frage ist auch: Wer könnte all die jugendlichen Bäuche und Beine als aufreizend empfinden? Die Schule würde das sicher niemals ihren Lehrern unterstellen. Es geht also um die Jungs, die nicht durch nackte Haut von der Schule abgelenkt werden sollen. Das ist gleich auf mehreren Ebenen lächerlich: Erstens pflegen Jungs Moden wie die auf Oberschenkel hängende Jeans, die den Blick auf die Unterwäsche freigeben. Man mag sich den Ärger gar nicht ausmalen, den ein Mädchen für diesen Look bekäme. Zweitens wirft man den Teenagern doch ständig vor, sie seien bereits durch Porno-Konsum grauenhaft abgestumpft. Diese angeblich so krassen Kerle sollen sich durch ein paar Mädchenbeine ablenken lassen? Absurd. Und drittens gehört zu Schule bekanntlich nicht nur der Unterrichtsstoff. Es ist der Ort, an dem Jugendliche sich ausprobieren können. Dazu gehört es auch, mal unpassend gekleidet zu sein – und dasselbe bei anderen zu akzeptieren, ohne es gleich als sexuell offensiv wahrzunehmen. Dass nackte Beine keine Einladung sind, nicht mal zum Starren, können Männer gar nicht früh genug lernen.

          Weitere Themen

          Prostitution über soziale Medien Video-Seite öffnen

          Teilzeit-Freundin in Hongkong : Prostitution über soziale Medien

          Die Zahl der jungen Frauen, die in Hongkong Sex gegen Geld anbieten, wächst. In Kontakt mit ihren Freiern kommen die so genannten "Teilzeit-Freundinnen" häufig über soziale Medien. Dass dies ein gefährliches Ende nehmen kann, begreifen die Teenager häufig nicht.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.