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Hotline für besorgte Bürger : Warum ein Kurde mit einem AfD-Politiker befreundet ist

Im Pohlheimer Istanbul Kebaphaus der Familie Can sitzen der Student Ali Can (links) und AfD-Funktionär Bernd Leidich an einem Tisch und unterhalten sich. Bild: Maria Klenner

Ali Can redet gerne mit Menschen, die Vorurteile haben. Zum Beispiel mit einem Gießener AfD-Kreisbeigeordneten. Die beiden riskieren viel, indem sie den Kontakt zum anderen suchen.

          Geschenke von Bernd Leidich sind mit Vorsicht zu genießen, das sagt er selbst. Als der Gießener AfD-Kreisbeigeordnete an einem Donnerstagmittag in das Istanbul-Kebábhaus in Pohlheim kommt, trägt er ein Knäuel aus Küchenrollenpapier in der Hand. Nach dem Auseinanderfriemeln kommen Chilischoten der Sorte Carolina Reaper zum Vorschein, eine der schärfsten Sorten der Welt. Leidich hat sie im Garten gezüchtet und will sie seinem Freund Mehmet Can schenken, dem Besitzer des Dönerladens. Can ist vor 22 Jahren als kurdisch-alevitischer Asylbewerber aus der türkischen Provinz Kahramanmaras nach Deutschland gekommen. Er sagt immer Bernd, und Leidich sagt Mehmet, also sagt Bernd: „Schau mal, Mehmet, was ich mitgebracht habe. Aber pass auf, dass du dir nicht in die Augen fasst, wenn du die geschnitten hast. Das ist ganz gefährlich.“ Er betont die Gefahr mehrmals.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Can bedankt sich in gebrochenem Deutsch für das Geschenk und zeigt Leidich seine eigenen Chilischoten, einen prallen Sack aus dem Großmarkt. Leidichs Sorge um den Freund und das kleine Geschenk aus seinem Garten haben etwas Goldiges, auch weil es um einen früheren Flüchtling und einen AfD-Mann geht. Als Leidich merkt, dass er belauscht wird, muss er lachen und ruft: „Der Rechtspopulist bei der Chili-Diskussion!“

          Die Chilis sind ein passendes Geschenk. Sie sind höllisch scharf, aber gerade das hat etwas Verlockendes. Das Internet ist voll mit Videos, in denen gestandene Männer weinen, weil sie freiwillig Schoten der Sorte Carolina Reaper gegessen haben. Wenn Bernd seinen Freund Mehmet besucht, lachen sie miteinander und hauen sich auf die Schulter, aber es gibt auch diese spürbare Spannung zwischen beiden. Es gibt den Schmerz, den der Kontakt auslösen könnte, wenn in Klischees gedacht wird, in denen Can ein „Asylschmarotzer“ sein könnte und Leidich ein „Nazi“. Manche Leute reden so.

          „Ich kann mit dem Herz und dem Kopf denken“

          Jeder Mensch hat ein Herz, einen Bauch und einen Kopf, und wenn es um Asylbewerber geht, sind diese Körperteile bei Leidich nicht immer einer Meinung. „Ich kann mit dem Herz denken und gleichzeitig auch mit dem Kopf“, sagt er, „das eine ergänzt das andere.“ Sein Herz zum Beispiel, das mag die Familie Can sehr gerne. Sein Kopf hingegen glaubt, dass muslimische Asylbewerber ohne Schulbildung nicht gut sind für Deutschland. Und der Bauch, dem schmeckt der Lahmacun von Can einfach gut. Mit Tomaten und Zwiebeln, aber ohne Sauce – „wie immer“.

          Auf einen Stuhl gegenüber von Leidich setzt sich Ali Can, der Sohn des Imbissbesitzers. Beide kennen sich gut. Sie telefonieren miteinander, sie chatten auch. Manchmal fragt Leidich im Chat: „Ali, was denkst du da?“ An anderen Tagen sitzt Leidich im Dönerimbiss und erklärt Vater Can die Flüchtlingskrise. Nach dem Motto: Der Laden hat 15 Sitzplätze – was, wenn jetzt ein Reisebus mit 50 Menschen kommt. „Soll er die reinlassen? Es geht nicht!“ Leidich nennt Ali Can scherzhaft: „Meinen kleinen Asylantenfreund.“ Ali Can hat keinen Spitznamen für Leidich, er sagt einfach Bernd.

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