Home
http://www.faz.net/-gum-75648
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Hotelier Rocco Forte Sir Service

Rocco Forte verzichtet in seinen Hotels auf Schnörkel – im Leben und in der Erziehung seiner Kinder auch. Wirklicher Luxus bemesse sich nicht aus dem Interieur eines Hotels, sagt er.

© Brown’s Hotel Über zu viel Dekor kann man sich nicht beklagen: Der „English Tea Room“ im Brown’s, London.

Ob er schon mal in der Jugendherberge war? Sir Rocco Forte wiederholt die Frage ein wenig ungläubig. Man hätte ihn vermutlich auch fragen können, ob er gerne häkelt. „Well“, sagt er dann, fasst sich mit der rechten Hand ans Kinn, überlegt, lächelt verhalten. „Well, ein schäbiges Hotel in Paris, als ich Student war, das war wohl das Nächste, das an eine Jugendherberge heranreichte.“ Und schon gerät er ins Plaudern über damals, als er mit seinem Fechtteam aus Oxford in Paris war, in diesem kleinen Zimmer unterkam und auch noch mit einem Kommilitonen das Doppelbett teilen musste. Unbedingt habe er ein eigenes Zimmer haben wollen, aber die Concierge habe nichts anderes frei gehabt, nur noch ein Zimmer, das allerdings, nun ja, Paris eben, auch noch anderweitig genutzt wurde.

Karin Truscheit Folgen:

Das wird Sir Rocco Forte nicht oft im Leben passiert sein. Wenn man sich allein an diesem trüben Herbsttag in seinem Hotelzimmer umschaut, wird einem schier schwindelig vor lauter Behaglichkeit. Sofas in Sandtönen mit ein wenig orange in den Samtkissen, cremige und erdige Nuancen in Bildern, Vasen, Skulpturen, Teppichen, überall kleine butterweiche Fauteuils, in denen man den Tag vertändeln könnte. Nur an dem schwarz lackierten Flügel bleibt das Auge hängen. Das liegt aber nur an der Farbe, denn in den üppigen 100 Quadratmetern der Präsidentensuite wirkt das wuchtige Instrument wie ein Beistelltisch.

„Iron Man“ läuft er nicht mehr, aber jeden Tag 10 Kilometer

„Vierzig Quadratmeter ist heutzutage Minimum für ein Zimmer der gehobenen Klasse“, sagt Rocco Forte. Luxus definiere sich in Hotels immer mehr über die Größe der Zimmer. Vor allem, so sagt er, wollten die Leute große Bäder. Daher sei es mitunter schwierig, ehrwürdige Hotels gemäß diesen Ansprüchen zu renovieren. Was Sir Rocco Forte außerdem unter Luxus versteht, kann man im Münchner „The Charles Hotel“ sehen. Das Fünf-Sterne-Haus gehört, wie die meisten seiner zwölf weiteren Luxushotels, zu den „leading hotels of the world“: kein byzantinisches Dekor, kaum Glitzer, wenig Gold, dafür feine Stoffe, Hölzer und Naturstein, alles in Farben, die nicht nervös machen. Und da seine Hotels nicht umsonst „Rocco Forte Hotels“ heißen, passen sie auch zu seinem persönlichen Stil: maßgeschneiderter dunkler Anzug, gut sitzendes zartblaues Hemd. Den Maßanzug brauchte der Triathlet nicht. Mit 67 bestreitet er zwar keine Weltmeisterschaften mehr (noch 2005 wurde er beim „Iron Man“ in Klagenfurt zweiter seiner Altersgruppe), aber jeden Tag läuft er noch gut und gerne zehn Kilometer.

Rocco Forte hält auf sich, und das mit einer Grandezza, die er nicht zuletzt von seinem italienischen Vater mitbekommen hat. Zwar verraten Akzent und leicht monotoner Erzählstil die britische upper class, die lässig geöffnete Manschette des rechten Hemdsärmels zeigt jedoch einen unverkrampften Umgang mit Reichtum und Stand, den Menschen haben, die sich in den höheren Lagen zwar sicher bewegen, aber eben noch nicht seit Generationen. So erzählt er vom geplanten Fasanenschießen an Weihnachten mit Freunden auf seinem Landsitz ebenso unbekümmert, wie er lachend von der schweren Entscheidung berichtet, in seiner Familie das richtige Sonnenziel für den Weihnachtsurlaub nach den Fasanen zu finden: „We are still debating!“ Er sähe sich am liebsten in Costa Rica bei Freunden.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hotelportale im Vergleich Zimmer zum besten Preis

Hotelportale wie HRS und Booking.com werben mit angeblichen Bestpreisen. Viel sind diese Garantien nicht wert. Die günstigsten Hotelpreise findet man oft anderswo. Mehr Von Thorin Wäschle

22.07.2015, 12:59 Uhr | Finanzen
Heldenhaft Iron Man-Fan baut sich eigene Rüstung

Wu You-ting aus Taiwan ist ein riesiger Fan von Iron Man. Nun hat der Tanzlehrer aus der Stadt Tainan sein Idol nachgebaut. In der Rüstung sorgt Wu You-ting auf den Straßen seiner Heimatstadt häufig für Aufsehen. Mehr

20.05.2015, 15:12 Uhr | Gesellschaft
Baden-Baden Zwei Schlossruinen sind eine zu viel

Vor 13 Jahren verkaufte das Haus Baden seinen alten Stammsitz an eine kuweitische Familie. Seither verrottet die Anlage in der Altstadt von Baden-Baden – und niemand will etwas daran ändern. Mehr Von Rüdiger Soldt, Baden-Baden

27.07.2015, 12:33 Uhr | Gesellschaft
Irak Anschläge auf Luxushotels in Bagdad

Bei Bombenanschlägen vor zwei Luxushotels in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am späten Donnerstagabend mindestens zehn Menschen getötet und 30 weitere verletzt worden. Zwei Autobomben detonierten auf den Parkplätzen der schwer gesicherten Fünf-Sterne-Hotels Babylon und Meridian. Mehr

29.05.2015, 09:34 Uhr | Politik
Schottland Der Lord lebt im Anbau und steht selbst am Herd

Eigentlich sollte man solche Orte geheim halten, damit man Kamin, Wanne und Antikmobiliar mit niemandem teilen muss: Auf der schottischen Isle of Skye steht ein Herrenhaus wie aus einem viktorianischen Gesellschaftsroman. Mehr Von Astrid Ludwig

22.07.2015, 18:29 Uhr | Reise

Veröffentlicht: 18.12.2012, 11:31 Uhr

Lynn Anderson gestorben Sie versprach uns keinen Rosengarten

Country-Sängerin Lynn Anderson ist tot, Popsänger Sasha heiratet seine Freundin und Ashlee Simpson wird zum zweiten Mal Mutter – der Smalltalk. Mehr 18



Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden