Ihr Liebesleben ist Allgemeingut. Wer wüsste nicht von Marilyn Monroes Liaisons mit John F. Kennedy und seinem Bruder Robert? Diese Affären, davon geht die Nachwelt aus, führten letztlich auch zu ihrem viel zu frühen Tod. Wer genau das damals gerade 36 Jahre alte amerikanische Sexsymbol ums Leben brachte, bleibt dabei Ansichtssache. In Frage kommen vor allem die Kennedys selbst oder (in ihrem Auftrag?) FBI oder CIA sowie Frank Sinatras wahres „Rat Pack“.
Als Marilyn Monroe am 5. August 1962 leblos in ihrem Bett gefunden wurde, war von Mord keine Rede. Gerichtsmediziner Thomas Noguchi erkannte auf eine Barbiturat-Vergiftung und schrieb in ihren Totenschein „wahrscheinlich Suizid“. Wie die Frau, der er einen gesunden Körper bescheinigte, das Barbiturat Nembutal und in tödlicher Kombination dazu das Schlafmittel Chloralhydrat eingenommen hatte – das konnte der Arzt nicht klären.
Liaisons mit den Kennedys
Es dauerte gut zehn Jahre, bis die ersten Berichte über einen angeblich bewusst herbeigeführten Tod von Marilyn Monroe auf den Markt kamen. Besonders Norman Mailers Marilyn-Biographie befeuerte die These, der amerikanische Justizminister Robert F. Kennedy habe FBI und CIA beauftragt, die ihm unliebsam gewordene Gespielin umzubringen. Kennedy, katholisch, verheiratet und Vater von bereits sieben Kindern, wollte sich demnach nicht von seiner Frau Ethel trennen. Monroes Drohung, die Affäre publik zu machen, sei damit auch „politisch gefährlich“ gewesen – für den amerikanischen Präsidenten und seinen für die Justiz zuständigen jüngeren Bruder gleichermaßen. Einziger Ausweg: sie mundtot zu machen. Doch warum sollte man die berühmteste Kennedy-Mätresse töten, um eine Affäre zu vertuschen, wenn es doch viele andere gab, die sicher ebenfalls „politisch gefährlich“ waren?
Auch 50 Jahre nach Marilyn Monroes Tod ist wenig bis gar nichts bewiesen. Nicht einmal die Affären mit den Kennedys lassen sich eindeutig belegen. Zwar gibt es Augenzeugen, die von heimlichen Treffen der Schauspielerin und Robert F. Kennedys im Strandhaus von Peter Lawford, dem britischen Schauspieler und Schwager der Kennedy-Brüder, in Malibu berichten können. Und es gibt natürlich auch das berühmte Geburtstagsständchen von Marilyn Monroe für den Präsidenten im Mai 1962: „Happy Birthday, Mr. President“. Aber handfeste Beweise? Nein.
Peter Lawford, seit den frühen Fünfzigern mit Monroe befreundet und seit 1954 mit Patricia Kennedy verheiratet, hatte Marilyn den Brüdern vorgestellt. Lawford gehörte auch zum „Rat Pack“ um Frank Sinatra, der beste Kontakte zur Mafia und zu Marilyn hatte. Ihrer Affäre entstammte ein weißer Pudel, den die Blondine „Maf“ (kurz für Mafia) nannte. Sie wusste offensichtlich um Sinatras geschäftliche Beziehungen in seinem Spielkasino bei Lake Tahoe. Ob sie so viel wusste, dass es einen Mord erklären würde, lässt sich ebenfalls nicht beweisen. Diese Verschwörungstheorie erscheint noch unwahrscheinlicher als ein Mordauftrag der Kennedys.
Drogen und Alkohol
Marilyn Monroe führte ein sexuell sehr freizügiges Leben. Ihren Ehemann Arthur Miller betrog sie unter anderen mit Yves Montand. Dabei hatte sie sich von ihrer Heirat mit dem berühmten Schriftsteller so viel erhofft. Kinder zum Beispiel. Doch zwei Fehlgeburten stürzten sie in Depressionen. Schon vor 1962 war Marilyn Monroe eine gebrochene Frau, medikamenten- und alkoholabhängig. Sie haderte mit sich und ihrem schauspielerischen Können, erschien auch darum oft verspätet oder gar nicht an Filmsets.
Die große Anerkennung blieb ihr meist versagt. Dabei war das angeblich blonde Dummchen geradezu süchtig nach Bildung. Einerseits verschlang sie klassische Werke von Dostojewskij über Freud und Flaubert bis Whitman, andererseits konnte sie sich aber eine Zeile wie „Wo ist dieser Bourbon?“ nicht merken. Ihre Filmpartner brachte das zur Weißglut, weil Szenen Dutzende Male wiederholt werden mussten – besonders bei ihrem letzten Film.
Ausgerechnet das Ständchen für Kennedy im Madison Square Garden sorgte für große Verärgerung. Denn angeblich war sie krank und im Bett in Los Angeles. Da ihre vermeintliche Disziplinlosigkeit anhielt, wurde sie im Juni 1962 von ihrem Filmstudio Twentieth Century-Fox gefeuert, die Dreharbeiten zu „Something’s Got to Give“ ausgesetzt. Für sie war das eine Katastrophe. Noch im März hatte sie den Golden Globe als beliebteste Schauspielerin entgegengenommen. Nun schien sie als Schauspielerin am Ende.
Medikamente verwechselt?
Sie zog sich in ihr Haus in Brentwood in Los Angeles zurück. Einzige regelmäßige Besucher waren vor allem zwei Ärzte, Ralph Greenson und Hyman Engelberg, die sie mit Medikamenten versorgten. Wie die späte Marlene Dietrich fristete sie ihre letzten Tage im Bett und am Telefon. Noch im Tod hielt sie den Hörer in der Hand. Auch in der Nacht auf den 5. August telefonierte sie ausschweifend, dabei wurde ihre Aussprache immer undeutlicher, was aber keinen ihrer Gesprächspartner Schlimmes ahnen ließ, da das nicht ungewöhnlich war. Irgendwann in der Nacht starb sie – alleine und wohl aus Versehen.
Sie könnte ihre Pillen und Medikamente durcheinandergebracht haben. Sie könnte im Dämmerzustand nicht mitbekommen haben, dass ihr Psychiater Greenson abends vorbeigeschaut und ihr ein Klistier mit Chloralhydrat gegen ihre Schlafstörungen verabreicht hatte. Ob sie dann zusätzlich zum Barbiturat griff, was ihr Engelberg verschrieben hatte, oder ob Engelberg ihr schon im Laufe des Tages das Nembutal eingeflößt hatte, was mit Greensons abendlichem Schlafmittel zu einem tödlichen Cocktail wurde, wird sich nie mehr klären lassen. Doch scheint ein unbeabsichtigter Medikamenten-Missbrauch die einleuchtendste Erklärung zu sein.
Ihr früher Tod machte Marilyn Monroe unsterblich. Ihm verdankt sie auch die Anerkennung, die ihr zu Lebzeiten als Schauspielerin versagt blieb. Legte sie es vielleicht darauf an? Plante sie etwa deshalb ihren Suizid? Wohl kaum, auch wenn Anhänger dieser absurden Theorie in einem harmlosen Schriftzug im Eingang ihres Hauses in Brentwood einen symbolträchtigen Fingerzeig sehen wollen. „Cursum Perficio“ steht dort: Hier endet meine Reise.
Die Fakten
Frank Luetkebohmert (Kimble2001)
- 05.08.2012, 06:06 Uhr