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Hochzeit in Palo Alto Hi, Mrs. Zuckerberg!

 ·  Der Facebook-Gründer hat seine Firma an die Börse gebracht – und gleich noch geheiratet. Wer ist seine frisch Angetraute? Und warum fand die Hochzeit ausgerechnet jetzt statt?

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© AFP Ausnahmsweise mit Krawatte: Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla bei der Trauung in Palo Alto.

Kaum einer von Amerikas Late-Night-Spöttern ließ sich diese Geschichte entgehen. David Letterman: „Dieser Typ von Facebook, Mark Zuckerberg, hat übers Wochenende geheiratet. Seine Firma geht an die Börse, ist 100 Milliarden Dollar wert; dann heiratet er. - Vielleicht ist er doch nicht so clever, wie wir gedacht haben.“ Jimmy Fallon, mit Blick auf das Kapital, das Facebook mit dem Börsengang einsammelte: „Bei der Zeremonie zählte Zuckerberg die zehn Dinge auf, die er an ihr liebt; sie zählte die 16 Milliarden Dinge auf, die sie an ihm liebt.“ Conan O’Brien, in Anspielung auf den Sturz des Aktienkurses: „Bei der Hochzeit trug Zuckerbergs Frau ein Kleid, das fast 5000 Dollar kostete. Zumindest bis das Kleid auf dem Markt war; jetzt sind es nur noch 2000 Dollar.“

In der ersten Ehewoche gab es aber nicht nur Scherze auf Kosten des Paares; zudem verging kaum ein Tag, der keine neuen Details über das unerwartete „I do“ im Garten des Facebook-Gründers im kalifornischen Palo Alto brachte. Nach neun Jahren Bekanntschaft der Eheleute war aber auch alles so schnell gegangen, dass selbst die sonst omnipräsenten Paparazzi überrascht wurden. Während viele Hollywood-Prominente sich bei der Anprobe des Brautschleiers (Drew Barrymore) oder mit Verlobungsring am Finger (Sienna Miller) von Fotografen ablichten lassen, hatte das Silicon-Valley-Paar auf Warnsignale verzichtet. Braut Priscilla Chan nahm in der Woche vor der Hochzeit an der medizinischen Fakultät der Universität in San Francisco ihre Abschlussurkunde entgegen; Lebensgefährte Zuckerberg feierte gleichzeitig seinen 28. Geburtstag. Einige Tage später läutete er vor der Zentrale des Facebook-Imperiums den Börsengang ein, am Tag darauf, am 19. Mai, folgte das klandestine Jawort - dessen Gäste in dem Glauben kamen, sie sollten Chans Abschluss feiern.

Ein „einfaches Geschöpf“

Nun, da Zuckerberg bei Facebook ein Hochzeitsfoto veröffentlicht und seinen Beziehungsstatus in „verheiratet“ geändert hat, ist auch seine „Cilla“ nicht mehr ganz jene schattenhafte Erscheinung, die sie lange Zeit war. Kennengelernt hatte die 27 Jahre alte Amerikanerin mit chinesischen Wurzeln das Social-Media-Genie vor neun Jahren an der Harvard University, als sie bei einer Party vor der Toilette der jüdischen Studentenverbindung Alpha Epsilon Pi wartete. Wie sie später sich in einem Interview erinnerte, fiel ihr der blondgelockte Informatikstudent damals als abgehobener Nerd ins Auge.

Während Zuckerberg im Jahr 2004 nach dem Start von Facebook im Zimmer seines Studentenwohnheims an die Westküste übersiedelte, schloss Chan ihr Biologiestudium im fast 4500 Kilometer entfernten Harvard ab. Danach unterrichtete sie Viert- und Fünftklässler in Naturwissenschaften. Obwohl die für Ehrgeiz und Zielstrebigkeit bekannte Studentin aus Braintree im Bundesstaat Massachusetts schon 2007 in „Zucks“ Nähe zog, trug er sie auf Facebook erst vier Jahre später als seine offizielle Freundin ein. Wie Freunde des Paars berichten, soll sich Chan vor dem Umzug mit einer Art Beziehungsvertrag revanchiert haben. Unter anderem ließ sie sich von Zuckerberg „ein Treffen zu zweit pro Woche, mindestens 100 Minuten lang, nicht in seiner Wohnung und schon gar nicht bei Facebook“ zusagen.

Die Beziehung zu Chan, die sich auf ihrer eigenen Facebook-Seite als „einfaches Geschöpf“ bezeichnet, war offenbar auch für Zuckerbergs Image ein Segen. Spätestens seit Aaron Sorkins Drehbuch zu dem Film „The Social Network“ gilt er als programmierwütiger Unsympath. Nun aber zeigen Fotos auf den Facebook-Seiten des Paares, wie er an Halloween strahlend Bonbons an die Nachbarskinder verteilt oder mit einer roten Schürze über dem üblichen Kapuzenpulli zufrieden in der Küche hantiert. Neben Brettspielen, so hört man, gehören inzwischen auch sonntägliche Kochabende in der Wohnküche des vergleichsweise schlichten Hauses am Edgewood Drive zu seinem Repertoire. Da Chan Vegetarierin ist, soll Zuckerberg dabei auf Fleisch verzichten. Auch sonst hat die angehende Kinderärztin offenbar wohltuend auf Zuckerberg gewirkt; nachdem sie ihm über kranke Kinder berichtet hatte, bat Facebook die Nutzer, sich als Organspender eintragen zu lassen - was innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 000 taten.

Der Versuch, die Braut am Hochzeitstag mit einem selbstentworfenen Ring zu überraschen, hat Zuckerberg dagegen bei einigen neue Minuspunkte eingebracht. Als seine Frau vor einigen Tagen bei einem Mittagessen mit einer Freundin von Paparazzi fotografiert wurde, zog ob des eher kleinen Rubins und Zuckerbergs auf 20 Milliarden Dollar geschätztem Vermögen ein kleiner Sturm der Entrüstung durchs Internet.

Ob Chan sich dennoch gefreut hat, als er ihr den Ring überstreifte, bleibt vorerst ein Geheimnis. Die etwa 100 Hochzeitsgäste gaben bislang nur wenige Details der privaten Zeremonie preis. So soll die Braut nicht an der Seite ihres Vaters, sondern neben ihrem ungarischen Puli mit dem vielversprechenden Namen Beast zum Traualtar geschritten sein. Nach der Zeremonie, bei der „Cilla“ und „Zuck“ einander selbstverfasste Eheversprechen gaben, stärkten sich die Gäste mit mexikanischen und japanischen Gerichten aus den beiden Lieblingsrestaurants der Eheleute. Zum Nachtisch wurde das gleiche Schokogebäck gereicht, das das Paar auch bei der ersten Verabredung am Harvard Square vor neun Jahren gegessen hatte. Nach dem Essen griff Zuckerbergs Freund Billie Joe Armstrong, der Sänger der Band Green Day, zum Mikrofon.

Während das Festessen aus dem „Palo Alto Sol“ nur mit knapp acht Dollar je Gast zu Buche schlug, ließ sich die Braut das Hochzeitskleid einiges kosten. Gleich zweimal flog sie von Kalifornien nach Colorado, um sich dort die spitzenbesetzte Robe „Himmel zwischen den Ästen“ der amerikanischen Designerin Claire Pettibone anpassen zu lassen. Da Chan die Kreation unter einem Pseudonym aussuchte, erkannte Pettibone erst auf dem Facebook-Hochzeitsfoto, dass auch sie einen Beitrag zur „Zuckerberg wedding“ geleistet hatte.

Hochzeit nach Börsengang – nur ein cleverer Schachzug?

Noch bevor am Montag die Leihtische aus dem Zuckerbergschen Garten wieder abgeholt wurden, setzten Spekulationen über die Vermögensverhältnisse des Paares ein. Böse Zungen meinen, hinter der Trauung am Tag nach Facebooks Börsengang stecke ein cleverer Schachzug des Jungmilliardärs. Obwohl Kalifornien zu den wenigen Bundesstaaten mit ehelicher Gütergemeinschaft zählt, müsste Zuckerberg bei einer Scheidung nur das während der Ehe verdiente Vermögen mit Chan teilen. „Nach kalifornischem Gesetz wird aus dem Eigentum eines Partners bei der Heirat kein gemeinsames Eigentum“, erklärt der Scheidungsanwalt Ronald Anteau aus Beverly Hills. Solange Zuckerberg sein Geld nicht auf ein gemeinsames Konto einzahlt, gehöre es auch weiterhin allein ihm. Chan kann dagegen von seinen 60 Millionen Aktienoptionen profitieren, falls es ihrem Ehemann gelingt, sie in den nächsten Jahren zu versilbern.

Amerikanische Juristen vermuten aber, Zuckerberg habe vor der Hochzeit zur Sicherheit einen Ehevertrag aufsetzen lassen. Wie die Scheidungsschlachten von Pay-Pal-Gründer Elon Musk und dem früheren Google-Chef Eric Schmidt zeigen, wird im Silicon Valley nicht selten um zehnstellige Summen gestritten. Schon gleich nach dem Börsengang hatte Immobilienmogul Donald Trump Zuckerberg mit Blick auf dessen damalige Freundin zum „prenuptial“ geraten: „Die beiden heiraten und lassen sich in den nächsten Jahren aus irgendwelchen Gründen scheiden. Danach verklagt sie ihn auf zehn Milliarden Dollar und gewinnt den Jackpot.“ Aber Trump ist nun auch echt außerordentlich trennungserfahren.

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