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Hobby Mittelalter : Stein um Stein Geschichte bauen

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Auf der Kutsche werden Steine zur Baustelle gebracht; im Bild der Stand von 2009. Bild: Bertrand Rieger/hemis.fr/laif

Im französischen Burgund wird eine Burg nur mit Techniken und Materialien des Mittelalters errichtet. Unser Autor hat mitgeholfen.

          Wie von der prallen Sonne gebrannt sehen sie aus, die Sandsteinbrocken. Der Klang der Hämmer ist die passende Geräuschkulisse für das, was im Departement Yonne mitten in der Bourgogne langsam, aber stetig wächst. Eine Burg wird gebaut, nicht restauriert, sondern komplett neu errichtet, nach mittelalterlichen Methoden.

          Das Herrenhaus, der Pallas, ist schon fertig, der große Turm fast, von der Mauer schon allerlei. Ich sitze auf einem Sandsteinbrocken und schlage Löcher hinein. Sebastien, der Steinmetz, legt einen faustgroßen Keil in jedes Loch und drückt mir einen langen Hammer in die Hand. Nachdem meine eher ungelenken Versuche viele Neugierige herbeigelockt haben, jagen seine jungen muskulösen Arme die Keile mit Wucht in den Fels hinein, bis er platzt. Es gibt Fotos und Applaus. Danach kommt der nächste Brocken an die Reihe, immer zwischen der Sand- und der Eisenschicht, da bricht der Stein am leichtesten. Sebastien hat auch schon in Deutschland gearbeitet und eine sehr innige Beziehung zum Stein. Für ihn ist es ein ritterlicher Zweikampf mit Millionen von Jahren. Ein Stein bleibt sich treu, egal wie oft er geteilt wird. Ganz „fugenzahm“ wird er nie, allem Schweiß zum Trotz.

          Mir steht am Nachmittag nicht mehr der Sinn nach steinerner Romantik. In der brennenden Sonne tut mir der Unterarm weh, und ich hadere damit, dass ich als Freiwilliger hierher gekommen bin. Dann aber tröste ich mich damit, dass ich es war, der als erster Hand an ein so starkes Stück Erdgeschichte legen durfte, damit es portioniert und passgenau im Mauerwerk verschwinden kann. Jeder Meißelschlag ein kleiner historischer Moment.

          Der Stand des Burgbaus heute

          Der Urknall für das gesamte Burgprojekt war 1995, als im zehn Kilometer entfernten Schloss von St. Fergeau während der Restaurierung Steine aus dem 13. Jahrhundert gefunden wurden. Marylin Martin hörte eher beiläufig davon. Die ehemalige Managerin hatte eigentlich in ihrer Heimatregion ihren Mutterschaftsurlaub verbringen wollen, aber daraus wurde nichts. Die Vision, eine ganze Burg nach mittelalterlichen Methoden neu aufzubauen, war geboren. Nicht das, was irgendwann mal fertig sein würde, sondern der Weg dorthin sollte das Ziel sein. Menschen nicht nur Arbeit zu geben, sondern auch dem ehrenamtlichen Mitanpacken ein Denkmal zu setzen, das war es.

          Mit Hilfe von alten Karten wurde ein verschütteter Steinbruch wieder freigelegt, es gab Eichenwälder, sandigen Boden und sogar eine Tongrube. Öffentliche Förderprogramme, aber auch große Unternehmen halfen bei der Anschubfinanzierung. 1998 wurde der Grundstein gelegt, und bereits nach zwei Jahren trug das Projekt sich selbst.

          Im Schnitt kommen 1200 Besucher täglich. 30 freiwillige Bauhelfer wie ich, „Batisseurs“ genannt, arbeiten im Schnitt mit. Oberhalb der Gürtellinie herrscht Garderobenzwang, ein zeitgenössisches Leinenwams soll es schon sein. Darunter tut es eine Jeans in einem Beige- oder Braunton. Sicherheitsschuhe sind Pflicht.

          Sicherheitsschuhe sind Pflicht: der Autor im Laufrad.

          In 12 Jahren soll die Burg fertig sein. „Was wir damit machen, wissen wir noch nicht“, meint Hein Koenen. Der Holländer ist zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, macht aber auch den Fremdenführer, wenn Not am Mann ist. „Vielleicht ein Museum für Burgenbau, eine Begegnungsstätte, wir machen daraus kein Geheimnis, wir wissen es einfach noch nicht.“

          Den nächsten Tag verbringe ich mit der Herstellung von Bodenfliesen. Faustgrosse Lehmklumpen werden in eine quadratische Form gepresst, die Oberfläche wird mit dem Drahtschneider und Wasser geglättet. Dann wird die Holzrahmung zerlegt, das Teil mit Hilfe einer Folie herausgenommen und ins Trockenregal abgelegt. Nach dem Brennen sind die Fliesen für den Boden des großen Saales im Pallas bestimmt. Die Tätigkeit ist deutlich entspannender.

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