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Herzblatt-Geschichten Wollten Sie was?

29.01.2006 ·  Iris Berben findet einen Seitensprung nicht so schlimm, Heiner Lauterbach dagegen schon. Was ist mit König Juan Carlos? Hat er wirklich eine Penthouse-Wohnung, in der ihm noch immer die Herzen der Frauen zufliegen? Die Herzblatt-Geschichten.

Von Peter Lückemeier
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So ungern wir es tun, so dringend müssen wir uns jetzt doch einmal mit dem Seitensprung befassen. Denn uns dünkt, daß man sich des Themas nicht nur unter so negativen Vorzeichen annehmen muß wie Heiner Lauterbach, der laut Revue gesagt hat: „Wenn einer mit meiner Frau schläft, dann schlage ich ihm auf die Fresse.“

Nein, direkt neben dem Beitrag „Gesichtshaare richtig entfernen“ finden sich in Frau im Spiegel ausgesprochen ermutigende Worte: „Ein Seitensprung muß kein Symptom für eine ohnehin marode Beziehung sein.“ Auch die Schauspielerin Iris Berben findet in Revue einen Fehltritt nicht so arg: „Weil ich dahinter auch eine Chance sehe: Daß man sich wieder mehr Gedanken macht, ob man selber derjenige ist, der ein Defizit in dem anderen entstehen läßt.“ Woran es lag, daß der Schauspieler Dominic Raacke und seine Frau Kika auseinandergehen, weiß selbst Bunte nicht so genau. Doch auch diese Beziehung war ja einst glücklich, denn Herr Raacke schwärmte früher: „Kika ist eine Sexbombe. Das ist nicht nur Fassade. Das ist Vollmilchschokolade.“

Höre mal, König!

Apropos „Fassade“: Wie steht es eigentlich mit jenem Dauerseitensprung, den man vielleicht auch als Doppelleben bezeichnen könnte? In dieser Angelegenheit müssen wir jetzt mit dir, König Juan Carlos von Spanien, mal ein ernsteres Wörtchen wechseln. Stimmt es, daß dir deine „persönliche Freiheit über alles geht“, wie 7 Tage unterstellt? Trifft es zu, daß du „nach Familienfeiern möglichst schnell das Weite“ suchst? Daß du gar eine eigene Penthouse-Wohnung unterhältst? Daß dir in dieser Wohnung auch heute noch die Herzen der Frauen zufliegen?

Soso, dann denke doch bitte mal daran, daß du immerhin schon 68 bist und 7 Tage über deine Frau schreiben muß: „An ihrem Herzen nagt ein großer Kummer.“ Höre mal, König, wir Männer müssen zu den Frauen lieb sein, wir dürfen ihnen keinen Schmerz bereiten - übrigens auch im eigenen Interesse. Denn es kann ja nicht lustig sein, als Mann im Alter allein dazustehen.

Manche alte Knaben haben auch Glück

Das findet auch Udo Jürgens (71). Er geht zwar bald wieder auf Tournee, sicher werden ihm dann aus vielen weit geöffneten Blusen wieder viele Frauenherzen zufliegen, doch mit dem süßen Leben, das weiß er selbst, kann es nicht ewig so weitergehen: „Manchmal habe ich Beklemmungen, wenn ich über meine Perspektiven nachdenke, die ich als älterer, alleinstehender Herr habe.“

Freilich haben manche alte Knaben ja auch Glück. Jean-Paul Belmondo ist 72, geht nach einem Schlaganfall am Stock, doch seine Ehegefährtin Nathalie (44), eine hübsche Ex-Tänzerin, kümmert sich auf den Fotos in Revue reizend um ihn. Und jetzt fragen wir Sie, Leser: Würde sich auch ein 44 Jahre alter Mann so liebevoll um seine 72 Jahre alte Frau kümmern?

Zickenkriege der Opernwelt

Wir glauben, nein. Wir denken, Frauen sind die besseren Menschen. Aber wir können ja Bibi Johns fragen, die, wie Sie alle wissen, mit ihren 76 Jahren nicht nur klasse aussieht, sondern einen 40 (in Worten: vierzig) Jahre jüngeren Freund hat. Sie sagt in Echo der Frau: „Mein Liebster schenkt mir oft rote Rosen. Oder er legt mir kleine Zettelchen mit Liebesbotschaften auf den Tisch. Und so einen Mann sollte man gut festhalten.“ Richtig.

Zwar nicht festhalten, aber doch heftig loben wollen wir den Sänger Zoran Todorovich. Und zwar, weil er uns in Bunte einen wunderbaren Einblick in die Zickenkriege der Opernwelt vermittelt, anläßlich einer Begegnung von Anna Netrebko mit der echten Qualitätssängerin Edita Gruberova: „Da streckte Anna ihr die Hand entgegen: ,Ich bin Anna Netrebko.' - ,Ja, ja', sagte Edita ziemlich gelangweilt: ,Ist okay, wollten Sie was von mir?' - ,Sie waren phantastisch', sagte die Netrebko. ,Danke sehr', entgegnete Edita Gruberova und verschwand.“

Champagner mit der Schnabeltasse

Wir verschwinden jetzt auch gleich mit Slavka ins Wochenende, müssen aber noch kurz über Einbürgerungen reden. Dauernd sind die Zeitungen ja jetzt voll mit Berichten darüber, wie schwer es ist, eingebürgert zu werden, und welche Fragebögen da ausgefüllt werden müssen oder sollten. Aber bei Sportlern scheint es schnell und leicht zu gehen, wenn man Deutscher werden will.

Das war uns 1996 schon bei den Olympischen Spielen aufgefallen, als unsere Spitzenkräfte Zoltan Lunka und Oktay Urkal hießen, Alfred Ter-Mkrtychan, Arawat Sabejew und Alina Astafei. Jetzt gibt es eine deutsche Eiskunsthoffnung, sie heißt Aljona Sawtschenko und wurde, reiner Zufall, sechs Tage vor der Europameisterschaft eingebürgert.

„Möchtest du eigentlich auch eingebürgert werden?“ fragen wir gerade unsere Redaktionsassistentin Slavka. Sie stammt aus Bulgarien, ist ganz zart, Konfektionsgröße 34, und superlieb. „Au ja“, ruft sie aus der Teeküche hier bei uns im 5. Stock, wo sie uns gerade einen Punsch kocht, „dann würde ich zu Udo Jürgens ziehen und ihm im Alter beistehen und ihm Champagner mit der Schnabeltasse einflößen.“ Sehen Sie, Frauen sind eben wirklich die besseren Menschen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.01.2006, Nr. 4 / Seite 62
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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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