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Herzblatt-Geschichten Wie war ich, Schatz?

 ·  „Ich lasse mich nicht mehr zum Deppen machen“, sagt Lothar Matthäus. Das kann er nämlich am besten immer noch selbst. Irritiert hat uns derweil eine „Bild“-Schlagzeile: „Bushido zum Idioten-Test“. Ja, muss das denn extra getestet werden?

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Endlich hat der Jugendwahn im Privatfernsehen ein Ende. Mit seiner alten Neuverpflichtung Thomas Gottschalk (62) an der Seite Dieter Bohlens (58) steht RTL für „Das Supertalent“ nun ein Seniorenjuroren-Duo zur Verfügung, das jene Lebenserfahrung in die Waagschale werfen kann, welche es braucht für die Würdigung von Talenten, die durch Darmwinde Kerzen auspusten. Als Tischdame der Sonnyboys hätten wir uns die Super-Granny Alice Schwarzer (71) gewünscht, doch RTL hat sich mit Michelle Hunziker (35) für die Variante „betreutes Beurteilen“ entschieden.

Schon heute Abend kann, wer sich so lang wach zu halten vermag, bei Vox die neue Dokusoap mit Lothar Matthäus (51) sehen. „Ich bin ein Star, über 30 Jahre des Erfolgs gewachsen“, macht Matthäus in Bunte eine Rechnung auf, bei der er um Jahre danebenliegt, und begründet die Soap so: „Ich lasse mich nicht mehr zum Deppen machen.“ Das kann ein Matthäus nämlich am besten immer noch selbst. Laut Spiegel Online attestiert er in der Sendung seiner jungen Freundin Joanna „dolle Merkmale, wo die Männer auch hinschauen“, und sich selbst, dass er bei Problemen nicht „den Sand in den Kopf“ stecke. Letzteres freilich ist erstens ein womöglich ironisches Selbstzitat - das Original stammt von 1999 - und zweitens schlicht die Wahrheit, denn Sand steckt sich auch ein Matthäus nicht in den Kopf. Obwohl Platz genug ja vorhanden wäre.

Muss das extra getestet werden?

Irritiert hat uns derweil eine Bild-Schlagzeile: „Bushido zum Idioten-Test“. Ja, muss das denn extra getestet werden? Das ist doch offensichtlich! Mit dem Rapper befasst sich auch In beziehungsweise umgekehrt: Auf gewiss gewohnt liebenswerte Weise ließ der Jungverheiratete mitteilen, dass er anders als berichtet nach der Hochzeit nicht ohne Gattin in einem Club feierte, sondern brav „mit ihr nach Hause gefahren und den Rest der Nacht geblieben“ ist. Das könnte natürlich auch heißen, dass er erst früh am Morgen feiern war.

Wieder liiert ist auch Jane Fonda (74), die ihren Neuen in Bunte dafür lobt, dass er „anders ist als meine Ex-Gatten“. Und zwar wie? „Er ist zum Beispiel sehr nett zu mir. Das ist doch schon mal was, oder?“ Das wollen wir meinen! Nett zu ihrem Neuen ist auch Christine Neubauer (seit heute 50, herzlichen Glückwunsch!), von der wir in der Presse nur noch Bilder sehen, die von ihrem Fotografenfreund José stammen. So auch ein sehr lustiges in Bunte: Es zeigt Neubauer auf dem roten Teppich eines Fernsehfestivals in Monaco, hinter ihr ein Pulk von Fotografen - von denen aber keiner sie fotografiert. Alle gucken an ihr vorbei oder aufs Display ihrer Kameras. Gut, dass wenigstens José sie geknipst hat.

Harmonie pur auch bei Tom Cruise. „,Wie war ich, Schatz?‘, fragt der Superstar jeden Abend seine Ehefrau Katie Holmes. Sie stellt die Gegenfrage: ,Und ich?‘ Dieses Ritual offenbarte Tom Cruise dem ‚People‘-Magazin“, berichtet Bunte. Wir wissen, was Sie jetzt denken, doch es ist falsch: „Gefragt wird hier nach den Leistungen als Vater bzw. als Mutter“, erklärt Bunte und zitiert Tom: „Kate und ich sehen uns nur an und wir wissen: Wir hatten einen guten Tag.“

Großes Glück auch in Großbritannien, wie Echo der Frau weiß: „Herzogin Kate & Queen Elizabeth - Ja, wir bekommen ein Baby!“ Nun leistet die moderne Medizin ja Erstaunliches, aber das hat uns doch überrascht. Was wohl William dazu sagt? Überhaupt ist Echo der Frau diese Woche recht monothematisch. Schwanger sind nämlich auch Prinzessin Máxima (Beweis: „das beseelte Baby-Funkeln in den Augen“), die kranke Charlène („denn so manche ,Krankheit‘ entpuppte sich im Nachhinein als Vorbote für ein süßes Geheimnis“) und Boris Beckers Lilly. Schlagendes Indiz: „Ende Juni feiert sie ihren 36. Geburtstag und zählt damit zu den Spätgebärenden - höchste Zeit also, einem zweiten Baby das Leben zu schenken.“ Nach der Logik müssten alle Frauen über 36 um uns herum schwanger sein. Na, das kann ja heiter werden!

„Wie schön! Er hat Freunde gefunden“

Entwarnung geben können wir in Sachen der Frau-aktuell-Titelstory „Trauriges Geständnis! Markus Lanz - Er ist doch noch so jung! Was er über sein schweres Leiden sagt“: Lanz hat nur Rückenprobleme. Ein Kollege wiederum ziert mal wieder das Cover der Aktuellen: „Erwischt! Günther Jauch - Was diese Fotos beweisen“. Die Geschichte dazu ist selbst für Aktuelle-Verhältnisse total gaga. Vor zwei Wochen hatte das Blatt aus der Jauch-Witzelei, es wolle keiner mit ihm befreundet sein, eine tragische Titelstory gemacht. Nun war Jauch bei einer Filmvorführung, wo er Hände schüttelte und lachte und also „gar nicht mehr einsam“ wirkte: „Wie schön! Er hat Freunde gefunden.“ Happy End dank der Aktuellen; toll, was engagierter Journalismus bewirken kann.

Wir aber gehen jetzt schlafen, es ist 23.36 Uhr, die Kinder sind endlich im Bett, Zeit fürs Tom-Cruise-Ritual: „Wwrchschz?“, bringen wir noch heraus. Unsere Frau kann schon nicht mehr antworten. Wir sehen uns nur an und wir wissen: Wenn wir morgen duschen wollen, müssen wir erst mal die Gummibärchen aus dem Abfluss pulen.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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