26.04.2004 · Warum die Queen Stepptanzen ablehnt, Männer fremdgehen und ein hergelaufener Fitneßtrainer nicht einfach Kronprinzessin Viktoria von Schweden auf offener Straße küssen darf: die neuen „Herzblatt-Geschichten“.
Von Peter LückemeierSagt mal, liebe Redakteure von 7Tage, wir haben zwar allergrößtes Verständnis für Leute wie euch, die allwöchentlich so ein Knallblatt vollkriegen müssen. Aber in der Story über die Alltagsgewohnheiten der Queen vergangene Woche habt ihr doch ein bißchen arg übertrieben: "Wenn ihr danach ist, legt sie im Salon eine Schallplatte mit Swingmusik auf und steppt dazu!" Nein, davon glauben wir kein Wort, wir waren ja mal zu Gast bei Windsors und haben erlebt, wie Prinz Andrew seine Mutter gnadenlos durchkitzelte, aber daß sie Stepptanz macht, halten wir für ausgeschlossen.
Wir vertrauen da eher ("Prinz Charles geschockt") eurem neuen Bericht: Die Queen ließ Camilla beschatten. Demnach trifft sich die Geliebte des Thronfolgers regelmäßig mit Männern aus der Londoner High-Society: "Mit einem, dessen Name nur der Königin anvertraut wurde, soll die 56jährige sogar eine heftige Liebesaffäre haben." Nun mag Camilla treiben, was sie mag, uns interessiert mehr, ob sich in solchen lang währenden Geliebtenbeziehungen dieselben Abnutzungs- und Gewöhnungsstrukturen ergeben wie in Ehen.
"Warum gehen Männer fremd?"
Womit wir bei der Frage wären: "Warum gehen Männer fremd?" So steht es auf dem Titel von Bunte, und im passenden Artikel findet sich tatsächlich mal ein kluger Satz: "Der Seitensprung ist dem Mann angeboren." So ist es ja wohl, nur fragen wir uns: Wenn die Untreue in die Gene der Männer eingebaut wurde, warum benehmen sie sich dann immer wie Memmen, wenn alles rauskommt? David Beckham zum Beispiel soll bei seinem Geständnis laut Neue Revue "geschluchzt, geweint haben wie ein Baby". Im Grunde unwürdig, wie?
Viel schöner, wenn beide Seiten von vornherein für klare Verhältnisse sorgen, ja? So wußte Prinzessin Haya von Jordanien (29) genau, was auf sie zukommt, als sie jetzt Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum (55) heiratete: Er hat bereits eine Frau und sechzehn Kinder. Auch Jenny Elvers hat ja schon einen Mann, weswegen sie jetzt etwas zungenbrecherisch Jenny Elvers-Elbertzhagen heißt, aber sie will den Gatten, wie sie Frau im Spiegel verrät, nun auch mit dem Segen der Kirche ihr eigen nennen. Aus religiösen Gründen? Nicht wirklich: "Ich find' die Zeremonie so schön, ich könnte jedes Jahr kirchlich heiraten."
Viktoria küßt ihn, die Eltern finden ihn zu wenig gebildet
Um das Thema abzurunden, wollen wir jetzt noch kurz an Kronprinzessin Viktoria von Schweden (26) denken. Sie liebt einen Fitneßtrainer (30), sie küßt ihn auf offener Straße, aber für ihre Eltern existiert er gar nicht. "Seine soziale Kompetenz und Allgemeinbildung sind zu gering", weiß Bunte. Und das ist dann ja doch ein hartes Schicksal, wenn der Mann des Herzens aus Gründen der Staatsräson nicht in Frage kommt, und Viktoria muß eines Tages einen häßlichen oder dicken, aber jedenfalls überhaupt nicht fitten Prinzen heiraten, denkt im Bett jedoch immer noch heimlich an den Fitneßtrainer.
Überhaupt malen sich viele Menschen die Welt bei Hofe etwas zu rosig aus. Sie wissen doch, daß Mette-Marit von Norwegen diesen mißratenen Vater hat. Wurde er damals zur Hochzeit eingeladen? Ja. Aber der Hof hatte Angst, er werde randalieren, und hinter ihm stand, wie Bunte mit nicht geringer Entlarvungsenergie im nachhinein enthüllt, "ein Sicherheitsbeamter mit Elektroschockpistole".
Ob jetzt bei der Taufe der künftigen norwegischen Königin Ingrid Alexandra auch wieder einer heimlich die Knarre im Anschlag hielt, wissen wir nicht. Wir lernen nur aus Echo der Frau, daß die kleine Erdenbürgerin nicht weniger als sechs Paten hat - unter ihnen Viktoria von Schweden und die Kronprinzen Dänemarks und Spaniens. Wächst man mit einem anderen Lebensgefühl auf mit solch königlichen Paten? Und kümmern die sich überhaupt um einen, oder lassen sie zum Geburtstag Briefe schicken, die sie gar nicht selbst geschrieben haben, und schicken Porzellantassen mit ihrem Konterfei? Noch schlimmer wäre allerdings, sie würden die "Uschi Glas Hautnah Face Cream" verschenken, denn davon bekommt man unschöne Pickel.
Berghoffs Unerfüllte Mutterliebe für arme Waisenkinder
Zum Schluß ein Wort des Lobes an zwei wunderbare Frauen. Das erste geht an dich, Dagmar Berghoff, alte Tagesschausprecherin. Du bist wirklich grundgut, weil du in Neue Welt sagst: "Meine unerfüllte Mutterliebe schenke ich heute armen Waisenkindern", uns kamen die Tränen.
Und dann bist du, Aleksandra Bechtel (31), uns total sympathisch! Wir kannten dich bislang nicht, du verdienst dein Geld als Moderatorin der uns gleichfalls unbekannten Sendung "Star Search-Spezial", du hast dir aber ein Gefühl für die Dinge bewahrt, die im Leben wirklich zählen. Über einen potentiellen Liebespartner sagst du in Echo der Frau: "Er muß die Rechtschreibung beherrschen." Ja suhper, libe Aleksandra, dan ruhfuns doch mahl in der Redaksjon in Frankfurdt an, vielaich kompt man sich ja neher.
Die Welt des Boulevards
Peter Lückemeier Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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