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Veröffentlicht: 24.05.2015, 13:33 Uhr

Herzblatt-Geschichten Das tollste Lebewesen

Die Klatschpresse im Nachwuchs-Fieber: Wer ist der potenteste unter den deutschen Promis, und wieso hat Angela Merkel auf einmal Kinder? Die Herzblatt-Geschichten bringen Licht in den dunklen Boulevard-Blätter-Wald.

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© AP Süßholzgeraspel im Hause Clooney: „Baby, in Syrien herrscht Krieg“:

Manchmal beneiden wir die Kollegen der Regenbogenpresse ja um ihre Arbeit. Nehmen wir Das goldene Blatt, das jüngst ein Foto in die Finger bekam, auf dem die Moderatorin Karen Webb eine gelbe Hose trägt. Und weil das an sich noch keine irre Story ist, hat die Redaktion Fotos anderer Menschen dazugestellt, die ebenfalls gelb gekleidet sind, und getextet: „Sie strahlen mit dem Frühling um die Wette. Passend zur heiteren Zeit des Jahres haben unsere Promis ihr Sortiment mit Gelbtönen aus dem Kleiderschrank geholt.“

Jörg Thomann Folgen:

Im Nu ist eine Seite gefüllt – obwohl, wie eine Blitzrecherche ergab, Goldie Hawns Foto aus dem Dezember 2013 stammt, Ross Antonys aus dem Januar 2014 und so weiter, die Promis also Gelb auch unpassend zur unheiteren Zeit des Jahres tragen. Gut fürs Goldene Blatt, dass kein Leser so bescheuert ist, das nachzuprüfen. Außer, äh, uns.

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Mehr Arbeit dürfte das Ranking gemacht haben, in dem uns Bunte „Die fruchtbarsten Väter“ präsentiert. Auf Platz 1 steht der Künstler Ernst Fuchs, 85, der 16 Kinder von sieben Frauen hat, gefolgt von Ferdinand Piëch (12/4). Wir verstehen nur nicht, wieso Fritz Karl und Felix Magath (je sechs Kinder von zwei Frauen) auf Rang vier und fünf liegen, Matthias Reim (sechs Kinder von fünf Frauen) aber nur auf Platz sechs. Sollte es für mehr Frauen nicht mehr Punkte geben?

Ernst Fuchs wird 85 © dpa Vergrößern Den Titel macht ihm sobald keiner streitig: Ernst Fuchs wird „Fruchtbarster Vater“ im Ranking der Bunte.

Kinderlos ist bekanntlich unsere Kanzlerin, für die es dennoch Familienzuwachs gibt: „Angela Merkel – Plötzlich ist sie ,Pflegemutter‘“, titelt Woche heute. Erklärt wird die Behauptung mit einer Hamburger Grundschulklasse, die Merkel eine Riesen-Postkarte geschrieben hat, aus der das Blatt folgende Aussagen zitiert: „Sie sind das tollste Lebewesen der Welt“ und „Danke, dass Sie unsere Erde beschützen“.

Schön, dass in Hamburg so mündige, kritische Staatsbürger heranwachsen, wenngleich die Behauptung von Woche heute, die Schüler betrachteten die Kanzlerin quasi als Über- oder eben Pflegemutter, die Perspektive der Kinder nicht adäquat wiederzugeben scheint. Treffender wäre die Schlagzeile gewesen: „Angela Merkel – Sie ist der liebe Gott“. Die Post beantwortet hat sie übrigens noch nicht, aber das ist bei Göttern ja leider die Regel.

Butter und Krieg

Seltene Einblicke in das Dasein eines göttergleichen Paares gewährt uns Bunte dank ihres Gesprächs mit George Clooney, der erklärt, warum er sich für die engagierte Anwältin Amal als Gattin entschieden hat: „Natürlich ist jemand, der sich mit weltpolitischen Konflikten auseinandersetzt, von Syrien bis zum armenischen Genozid, für mich anregend. Wir sprechen beinahe täglich über Krisenherde.“

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So ungefähr können wir uns jetzt ausmalen, wie es morgens bei Clooneys am Frühstückstisch zugeht: „Schatz, es gibt wieder schlimme Nachrichten aus Syrien.“ – „Moment, ich muss erst den Bericht über den armenischen Genozid lesen. Butter?“ Stellen wir uns etwas anstrengend vor, diese Form einer modernen Ehe, die jedoch fraglos ein Quantensprung ist zur traditionellen, wo der einzige Krisenherd einst jener in der eigenen Küche war, wenn Vati der Schweinebraten nicht geschmeckt hat.

Sweden's Crown Princess Victoria, her daughter Princess Estelle and her husband Prince Daniel arrive for a service at the Royal Chapel in Stockholm, Sweden © TT NEWS AGENCY Vergrößern Lineale raus und nachgemessen: Passen da zu viele Blatt Papier zwischen Prinzessin Victoria und ihren Mann Prinz Daniel?

Krisenherde köcheln angeblich auch bei den Royals. „Prinzessin Kate – Ehe vor dem Aus! Dramatische Szenen in ihrem Schloss“, titelt Frau aktuell, und bei den vielen Wörtern ist auf dem Cover kein Platz mehr gewesen für den Hinweis, dass es nicht in Kates eigener, sondern – wiederum angeblich – in der Ehe ihrer Eltern krisele. Womit die Schlagzeile immer noch irgendwie richtiger ist, als wäre es die Ehe des Schwippschwagers ihres Zahnarztes.

Das neue Blatt wiederum sorgt sich: „Victoria & Daniel – Das verheimlichte Ehe-Drama“. Doch die Heimlichtuerei nutzt nichts, denn Das neue Blatt analysiert ein Foto der Schweden: „Kein strahlendes Lächeln, dafür ein deutlicher Spalt zwischen Victoria und Daniel.“ Um bösen Gerüchten vorzubeugen, sollten Paare folglich stets lächelnd und spaltenlos nebeneinander herlaufen, wobei das leider auch wieder unweigerlich zu Reibungen führt.

Rückerstattung mit schöner Stimme

Nicht ganz konfliktfrei verlaufen ist dieses Jahr auch die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“, die angesichts des dort auftretenden Personals künftig vielleicht unter dem Titel „Deutschland sucht den Super-Knacki“ laufen könnte. Der frisch gekürte Sieger Severino Seeger, resümiert Bunte, „soll sich mit Komplizen das Vertrauen alter Damen erschlichen“ und jene um rund 100.000 Euro betrogen haben. Dafür soll sich Seeger den hübschen Namen „Herr Struller“ zugelegt haben und die Damen dann allerdings nicht um die Nutzung ihres Badezimmers, sondern um die ihrer EC-Karte gebeten haben.

Finale Deutschland sucht den Superstar © dpa Vergrößern DSDS-Gewinner Severino Seeger auf Wiedergutmachungstour: Der „Struller“ gibt sein Preisgeld ab.

Deshalb steht er demnächst vor Gericht und hat in Bild angekündigt: „Jede einzelne Person wird jeden Cent von mir wiederbekommen. Gott sei Dank kann ich das jetzt.“ Nämlich dank der 500.000 Euro Siegerprämie. Daher unser Rat an alle älteren Damen: Sollte mal ein dubioser Typ an Ihrer Tür klingeln und Ihr Geld wollen, dann lassen Sie sich von ihm was vorsingen. Hat er eine schöne Stimme, dann steigen wenigstens Ihre Chancen, die Kohle eines Tages wiederzukriegen.

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