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Herzblatt-Geschichten Toller Jahrgang

16.07.2006 ·  Auch Väter brauchen Vorbilder. Prince Charles zum Beispiel. Wäre er wie der Vater von Rudi Carrell, könnte er die Eskapaden seiner Söhne viel gelassener sehen. Das steht zumindest in den neuen Herzblatt-Geschichten.

Von Peter Lückemeier
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Sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, größere Kinder haben, so behandeln Sie Ihre Brut bitte gut. Vor allem die Väter dürfen sich dabei getrost Vorbilder suchen. Wie den Vater des jetzt leider verstorbenen Rudi Carrell. Sein Papa, schreibt Bild, war auch ein Künstler und betrog praktisch an jedem Ort, in dem er auftrat, seine Frau. „Als wir auf Tournee waren“, wird Rudi zitiert, „kam er einmal morgens singend in die Hotelhalle, sah mich, drückte mir einen Zettel in die Hand und flüsterte in mein Ohr: ,Ich hatte diese Nacht eine 1936er Nymphomanin, toller Jahrgang - hier hast du die Telefonnummer.'“

Wäre doch auch nur Charles so locker, dann bräuchte er sich keine Sorgen mehr zu machen um seinen Harry (21). Der treibt es nach Darstellung von Das Neue Blatt recht wild, die schon 41 Jahre alte Cathy Davies zum Beispiel behauptet lüstern: „Ich habe Harrys Gesicht abgeschleckt, bis es ganz wund war.“

Und die „Erotik-Masseuse“ Maya (21) berichtet: „Wenn Harry im ,Bijou' ist, benimmt er sich wie ein Kind im Süßigkeitenladen - er nascht an allen Frauen.“ Und wie reagiert Charles? Freut er sich mit dem Sohnemann, wie Rudi Carells Vater es getan hätte? Von wegen. Das Palastpersonal flüsterte ins Ohr von Das Neue Blatt: „Er ist am Ende seiner Kräfte. Er kann einfach nicht mehr.“

Untreue Väter

Hoffentlich zeigt Roberto Blanco sich da etwas robuster, denn seine dicke Tochter Patricia hat ihm in Das Neue Blatt einen sehr offenen Brief geschrieben, der zwar mit „Hallo, Papi!“ beginnt, aber mit „Patricia Blanco“ unterschrieben ist. Wir persönlich wären ja nie auf die Idee gekommen, einen Brief an unseren Vater mit vollem Namen zu unterzeichnen, aber daran zeigt sich das Ausmaß der Zerrüttung in der Familie des Gute-Laune-Bombers. Konkret beanstandet die Stimmungskanonentochter: „Du bist zu feige, deine Fehler einzugestehen.“ Und im nebenstehenden Interview greint sie überdies: „Die vielen Frauen - so etwas tut ein guter Vater und Ehemann doch nicht.“

Auch Rudi Carrell war kein treuer Gatte, aber in der vorab in Bild teilweise abgedruckten Biographie über ihn bekommen die Schilderungen seiner Eskapaden einen heiteren Unterton: „Als ich Mitte der sechziger Jahre Holland verlassen habe, stand ich mit einem Kollegen vor der Holland-Karte, und ich habe zu ihm gesagt: ,Wenn ich bei jedem Ort, in dem ich eine Frau hatte, ein kleines Fähnchen reinstecken würde, dann könnte ich auch gleich eine holländische Fahne über die ganze Karte hängen.'“

Mechanische Beschreibungen

Boah, Männer, wir wissen, was jetzt in Ihnen vor sich geht. Im Geiste stehen Sie vor der Deutschland-Karte und sehen Ihre Fähnchen nur in Blasberg, Ehrenzipfel, Niedergeilbach, Tuntenhausen, Poppeln, Titisee-Neustadt, Hodenhagen und Geilenkirchen. Dieses große Land und nur acht Fähnchen - Sie sind deprimiert. Wir verstehen Sie. Aber Sie tragen natürlich auch selber Schuld. Sie hätten ja auch ein berühmter Rennfahrer werden können wie der Niki Lauda (57).

Der hat bestimmt viele Fähnchen in der österreichischen Landkarte stecken - und eine Freundin (27), die ihn so liebt, daß sie ihm ihre Niere gespendet hat, Wahnsinn. Aber dennoch bleibt es sonderbar, wie gleichsam mechanisch Männer doch selbst über solche geglückten Partnerschaften reden. Lauda in Bunte: „Ein Schuß genau ins Richtige.“ Im selben Blatt äußert sich auch der schon dreimal verheiratete Sepp Blatter leicht beamtenmäßig über seine Freundin Ilona: „Erst heute morgen habe ich ihr gesagt, daß noch nie eine Frau einen so hohen Stellenwert in meinem Leben hatte wie sie.“

Neue Fähnchen in der Karte

Einen hohen Stellenwert schien im Leben Helmut Kohls (76) ja seine neue Gefährtin Maike Richter (42) einzunehmen, wir freuten uns darob nicht wenig und gönnten dem Altkanzler von Herzen sein Glück. Nun aber hat Revue das Paar beim WM-Finale auf der Ehrentribüne beobachtet: „Doch wo war das sanfte Glühen, das beide verband? Wo dieses stille Verstehen? Plötzlich scheint es, als müsse Maike um seine Aufmerksamkeit buhlen. Wenn sie mit ihm redet, guckt er wie auf eine Fremde.“

Das klingt ja furchtbar. Zumal Vertraute Kohls sagen: „Ja, die Beziehung hat sich abgekühlt.“ Aber hoffen wir mal, daß die Geschichte nicht stimmt. Schließlich hatte in Das Neue Blatt ja auch eine Verwandte behauptet, Franz Beckenbauers Verhältnis zu seiner Heidi stimme nicht mehr: „Seit einem halben Jahr ist klar, daß zwischen Franz und Heidi nichts mehr läuft.“ Und bald darauf haben die beiden geheiratet.

So. Wir gehen in Urlaub. Nicht in Dauerurlaub wie Klinsmann, nur drei Wochen. Aber wir freuen uns sehr und sind so gut gelaunt, daß wir Sie, liebe Leserinnen, um einen Gefallen bitten möchten. Wenn Ihr Mann sich jetzt abends öfter in sein Arbeitszimmer zurückzieht und immerzu neue Fähnchen in die Deutschland-Karte steckt, dann denken Sie sich dabei: Der will doch nur spielen. Wie? Ob wir allein in Urlaub fahren? Nee, mit einer 1986er Assistentin. Toller Jahrgang.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.07.2006
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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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