22.01.2006 · Was haben starke Frauen und junge Frankfurter gemeinsam? Sie können manchmal brutal sein. Warum sich der japanische Kaiser trotzdem eine Geliebte suchen sollte und man die Band „Tokio Hotel“ nicht schmähen sollte, erklären die neuen Herzblatt-Geschichten.
Von Peter LückemeierDaß Frauen manchmal wirklich seltsam sind, das wird aus der Lektüre der neuen Bunte mal wieder überdeutlich. Das britische Model Liz Hurley zum Beispiel „nimmt Kochbücher mit ins Bett und betrachtet die Bilder, bis sie einschläft“.
Außerdem sind viele Frauen rachsüchtig. So ist Sienna Miller noch immer extrem sauer auf das Kindermädchen, mit dem ihr Freund Jude Law sie betrog, und zischt in Bunte: „Sie sollte besser in Angst leben. Ich hoffe, wir begegnen uns nicht in einer dunklen Seitenstraße.“
Unter 20 Zentimeter geht gar nichts
Solche Äußerungen kennt man sonst eher von jungen Frankfurtern mit tief ins Gesicht gezogener Docker Cap und kräftigem Migrationshintergrund, die Angst haben, daß man ihnen ihre auch im Winter bauchfreie Lip-gloss-Freundin ausspannt (“ey, was kukssu meine Frau, willssu Kranknhaus?“), aber das sind natürlich auch so unfaire Klischees.
Eisschnelläuferin Anni Friesinger (29) hat wohl nicht unrecht, wenn sie in Bunte sagt: „Meine Erfahrung ist, daß Männer starke Frauen wollen, dann aber Probleme mit ihnen haben.“ Kann gut sein, aber starke Frauen müssen ja auch nicht gleich so brutal sein wie die Bestsellerautorin Gaby Hauptmann, die in Das Goldene Blatt verkündet: „Alle Männer brauchen mal einen auf den Deckel.“
Doch die Dame scheint insgesamt und auf jeden Phall recht anspruchsvoll zu sein, denn eine Kontaktanzeige für sich selbst würde sie so formulieren: „Suche weltoffenen, humorvollen, ritterlichen, charmanten, ansehnlichen - unter 20 Zentimeter geht gar nichts (lacht laut) - Mann.“
Eine Geliebte für den Kaiser
Übrigens sind heute offenkundig auch die ganz jungen Mädchen schon ziemlich energisch. Da gibt es ja jetzt diese unglaublich erfolgreiche Boys-Band „Tokio Hotel“, die alle Mädels zum Kreischen bringt - „Tausende Mädchen“, hat der stern gezählt, „am Rande der Besinnungslosigkeit in jeder Stadt.“Und jetzt bitten wir die Sensibleren unter unseren Lesern, mal drei, vier Zeilen zu überspringen, danke schön, denn Linda (14) sagt apodiktisch: „Wer die kacke findet, ist selber kacke.“
Und Caro (15) ergänzt süß: „kacken-scheiß-kacke.“ Also, wir würden unseren Töchtern in gesetzten Worten untersagen, sich so derb auszudrücken. Andererseits darf man ja auch nicht überstreng reagieren, denn der chinesische Wunderpianist Lang Lang (23) sagt in Bunte auf die Frage: „Wie war die Beziehung zu Ihrem Vater?“ sehr ernst: „Er folgte der chinesischen Tradition, daß ein Vater eben wie ein Vater sein muß. Das heißt, daß er nie lacht und immerfort sehr ernst ist.“
Ja, in Asien gehen die Uhren noch anders. Wie man ja auch aus Prinz Tomohitos Äußerungen ersieht. Prinz Tomohito ist ein Cousin von Kaiser Akihito und hat sich zu Wortito gemeldet, weil er der Ansicht ist, Kronprinz Naruhito soll sich eine Geliebte nehmen, damit er statt des vorhandenen Töchterchens (4) einen Sohn bekommt. Eine interessante Forderung. Und die Genealogen von Das Neue Blatt wissen: „Tatsächlich hatten frühere Kaiser ein Heer von Hofdamen, die ihnen zu Diensten waren, wenn die Kaiserin keinen Sohn gebar“ - das Konkubinat sei erst 1924 abgeschafft worden.
Frauenmäßige Nebenbeschäftigung
Interessant, was? Ja, hier lernen Sie etwas. Zum Beispiel gibt es ja auch wissenschaftlich nachweisbare Unterschiede im männlichen und weiblichen Verhalten. Zum Beispiel: Was machen Männer und was macht Angela Merkel als erstes im Hotel?
Über Frau Merkel weiß der stern jedenfalls immerhin, was sie früher machte: „Früher, so hat sie einmal in einer Bar in New York erzählt, früher lief sie in neuen Hotelzimmern immer zuerst ins Bad und probierte aus, ob der Föhn auch funktionierte.“ Männer dagegen schauen in 98,3 Prozent aller Fälle zuerst nach, ob in der Minibar auch genug Bier ist, und überprüfen zweitens, ob im Bezahlfernsehen ein Erotikfilm läuft. Woher wir das wissen? Verraten wir nicht.
Wir wollen dagegen aber gern den Dialog zwischen Jutta Speidel und Fritz Wepper in Bunte widergeben. Wie Sie alle wissen, ist Wepper frauenmäßig so mancher nichtgenehmigten Nebenbeschäftigung nachgegangen, doch von Bunte darauf angesprochen, sagt er: „Also, das ist nur ein Ruf, an dem nicht viel dran ist.“
Gloupies gefallen mil gut
Da aber interveniert Jutta Speidel: „Also, den Satz glaubt dir jetzt keiner, Fritz. Der ist echt daneben.“ Richtig. Und als Zeugin dürfen wir Frau Wepper aus dem Jahr 1998 zitieren: „Ich kenne meinen Mann, der war auf einem Richtfest und hat vielleicht etwas zuviel getrunken. Dann küßt er jede Klofrau.“
Auch nicht schön, aber die beiden haben wieder zueinandergefunden, Herr Wepper darf ein wenig hölzern, aber doch überzeugend sagen: „Wir befinden uns heute wieder in einer zufriedenen, ausgeglichenen ehelichen Gemeinschaft.“
Ja, man muß sich nicht bei jeder kleinen Irritation gleich trennen und sollte ansonsten das Leben genießen wie China-Klavielspielel Lang Lang (23). Auf die Flage: „Was halten Sie von Gloupies?“ sagt er heiter: „Oh, die gefallen mil sehl gut.“
Die Welt des Boulevards
Peter Lückemeier Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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