16.05.2010 · Tom Kaulitz hat sich im Medikamentenschrank am Viagra vergriffen und findet die Erfahrung „ziemlich hart“. Vielleicht hätte ihm ja Christina Aguilera helfen können: Die trägt laut ihrer Putzfrau nämlich gerne Krankenschwestern-Outfits.
Von Jörg ThomannWir müssen ein Versäumnis eingestehen. Zwar blättern wir Woche für Woche gute sechs Kilo Herzblätter durch, es bleibt trotzdem eine kleine Auswahl. So wird die Arbeit mancher Hefte hier kaum je gewürdigt, weil sie nicht in unserem Abo-Paket stecken. Ein Fehler, wie wir sehen, und zwar im Fall von die aktuelle. Erst jetzt haben wir gemerkt, welch brisante Exklusiv-Storys das Blatt manchmal hat.
Diese Woche etwa schreibt auf der Titelseite, wie die Redaktion verkündet, „kein Geringerer als Günther Jauch“. Und was schreibt er? Dies hier: „Gegendarstellung: Auf der Titelseite von ,die aktuelle' vom 6. Februar 2010 schreiben Sie über mich: ,EXKLUSIV! Besuch in Potsdam. Günther Jauch: Jetzt sprechen die Kinder!' Hierzu stelle ich fest: Ich hatte keinen Besuch von der Zeitschrift ,die aktuelle' in Potsdam. Meine Kinder haben auch nicht mit der Zeitschrift ,die aktuelle' gesprochen.“
Als Meisterin ihres Fachs erweist sich die aktuelle, indem sie daraus die nächste Exklusivgeschichte strickt, einen schmunzelnden Jauch aufs Cover setzt und großbuchstabig schreibt: „Was ist da passiert?“ Keine Geringere als Chefredakteurin Anne Hoffmann gibt in einem zweiseitigen Text die Antwort. „Das haben wir nicht gewollt!“, beteuert sie und verspricht Aufklärung, weil ihr dies „eine Herzensangelegenheit“ sei („Rechtsangelegenheit“ wäre freilich präziser). Jauch also unterstützt ein Kinderprojekt, ein paar der Kinder hat die aktuelle gezeigt und auf dem Titelbild so getan, als seien es . . . ach was, es ist ja viel komplizierter: „Wir haben das Foto gezeigt, damit klar wird, dass es sich nicht um die Kinder von Günther Jauch handelt.“ Alles klar?
„Das ist gründlich schiefgegangen“, schreibt jedenfalls Frau Hoffmann, und zwar „im Überschwang“: Man habe sich „von der Geschichte mitreißen lassen - und in der Leidenschaft den Kopf verloren“. Der ist nun wieder da, weshalb die aktuelle mitteilt: „Alle lieben Jauch - als Profi, als Entertainer und als Mensch. Beim Menschen Jauch wollen wir uns mit diesem Artikel entschuldigen.“
Wenn sich da mal nicht der Profi und der Entertainer beschweren. Gleich daneben findet sich übrigens eine zweite Gegendarstellung Jauchs, der erklärt, kein „Kaufmannssohn“ zu sein. Unter uns Kaufmannstöchtern, liebe Frau Hoffmann: Mit dieser Gegendarstellung, erst recht aber mit Ihrer Entschuldigung haben Sie sich dicht herangearbeitet an unser Herzblatt-Abopaket. Dass Sie gewillt sind, diesen Weg voranzuschreiten, zeigt eine zweite Schlagzeile, gleich neben der über Jauch: „Veronica Ferres - Das ehrliche Interview“. Das ist dann nämlich gar kein aktuelle-Interview, sondern die Zusammenfassung eines Gesprächs, das Ferres mit einem Fernsehsender führte. Weiter so!
Und gleich noch eine Korrektur: Achim Mentzel (63) stammt nicht, wie vom Echo der Frau behauptet und von unserem Leser Dr. Wilhelm Mensing bemerkt, aus Gallingen bei Cottbus, sondern aus Gallinchen, was viel niedlicher klingt. Mentzel taucht abermals im Echo der Frau auf und sagt: „In unserem Alter wird das nichts mehr mit dem Seitensprung. Weder bei mir noch bei meiner Frau würde wohl jemand anbeißen.“ Wir bezweifeln, dass Frau Mentzel mit dem Satz glücklich ist.
Tom Kaulitz „ziemlich hart“
„Vor Girls kaum retten“ dagegen kann sich laut Gala Justin Timberlake, der „wegen seiner supersexy Ausstrahlung ,Trousersnake' genannt“ werde. Wir finden den Spitznamen „Hosenschlange“ so fragwürdig wie den „Babybär“, mit dem - ebenfalls Gala zufolge - der Designer Marc Jacobs (47) von seinem Gatten bedacht wird. Fortan werden wir ihn nur noch mit Kindermode assoziieren.
Timberlake den Titel streitig macht derweil der Tokio-Hotel-Gitarrist Tom Kaulitz (20): Er hat, wie Bild weiß, in Taiwan eine Überdosis Viagra geschluckt, deren Wirkung fast zwei Tage lang anhielt. „Das war kein Spaß mehr, das war“, und dies ist wörtlich zu verstehen, „ziemlich hart“, sagt Sänger Bill, der wenig zwillingsbrüderliches Verständnis zeigt: „Was wirft der sich so'n Scheiß ein! Der ist doch ohnehin dauernd spitz auf Anschlag.“ Romantischer zeigt sich die Schauspielerin Eva Habermann, die ihrem neuen Freund in einer Bar näherkam: „Wir waren beide von diesem Kuss ein bisschen überrascht und wussten nicht, wie es weitergehen sollte.“ Wären wir vor Ort gewesen - wir hätten einen Tipp geben können.
Schmutzige Geheimnisse über Prominente enthüllt in Bunte deren Putzpersonal. Brad Pitt etwa dusche nicht täglich: „Babyfeuchttücher reichen ihm.“ Bei Christina Aguilera wiederum „muss die Putzfrau ständig Krankenschwester-Outfits aus Latex, Strapse und Dessous aufsammeln“. Es gibt undankbarere Tätigkeiten. Und dann ist da noch der Schauspieler Kaspar Capparoni, der einem Kollegen in Frau im Spiegel ein Lob spendet: „Er macht fast alles aus seinem Instinkt heraus. Es gibt sehr wenig am Drehort, was diskutiert werden muss.“ Gemeint ist sein Partner, Kommissar Rex. Das finden wir spannend, weshalb wir uns von der aktuellen kommende Woche diese Schlagzeile wünschen: „EXKLUSIV! Besuch am Set. Kommissar Rex: Jetzt spricht der Hund.“
Society-Experten
Jan Friedrich (Bagurke)
- 16.05.2010, 20:58 Uhr
Die Welt des Boulevards
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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