26.07.2009 · Für die Männerwelt gibt es zahlreiche Ratschläge: Sich mit Mädchen einen Kopfhörer teilen, um den ersten Kuss herauszufordern oder nur schöne Frauen heiraten, damit man sie wieder los wird. Frauen kann man wohl generell nur raten länger zu schlafen, damit sie nicht immer „sooo müde“ sind.
Von Peter LückemeierHeute wollen wir wieder einmal kraftvoll unserem pädagogischen Auftrag gerecht werden und mit vollen Händen Lebenshilfe austeilen. Die erste gilt dir, junger unbekannter Mann, der du jetzt schon die ganze Zeit hinter dieser süßen Maus her bist. Essen bei Kerzenschein, ein bewegender Opernabend, der romantische Besuch des Films „Jetzt wird’s schmutzig, Teil 17“ – alles ganz nett, aber irgendwie hast du es nie geschafft, sie zu küssen.
Deshalb hier unser Tipp, den wir uns in Neue Welt beim beliebten Musikantenstadl-Moderator Andy Borg abgeschaut haben. Der war auch einmal so jung wie du und hatte so einen altmodischen Kopfhörer mit zwei großen Klappen: „Wir haben uns also zu zweit den Kopfhörer geteilt, saßen sehr eng beieinander, hörten dieses Lied, und dann ist es passiert, und wir haben uns zum ersten Mal geküsst.“ Super, oder? Wir finden, dieser Rat kann es locker mit der Qualität der Macho-Empfehlung Rod Stewarts aufnehmen, die der Sänger in Das Goldene Blatt an alle Männer richtet: „Man soll nur schöne Frauen heiraten. Sonst hat man keine Aussicht, sie wieder loszuwerden.“
Umgang mit Frauen ist schwierig
Solltest du, junger Mann, nachdem die Sache mit dem Kopfhörer gut hingehauen hat, aber zufällig eine Reise nach Südkorea unternehmen, so höre auf den stern. Bekanntlich ist es ja unheimlich schwierig, eine junge Südkoreanerin ins Bett zu kriegen. Der stern aber weiß: „Falls koreanische Mädchen überhaupt einmal ja sagen, tun sie es indirekt.“ Sollte die Südkoreanerin einmal äußern: „Ich bin so müde“, dann ist das eine „für koreanische Ohren höchst eindeutige Aufforderung“. Ob dies für Nordkoreanerinnen ebenfalls zutrifft, wissen wir nicht. Wir würden dich, junger Mann, in jedem Falle warnen wollen, sonst auf der Welt weibliche Müdigkeitsbekundungen mit erotischen Attacken zu beantworten.
Ja, der Umgang mit Frauen ist schon recht schwierig, das geben wir zu. Häufig bringt es auch nichts, unverstellt seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Jedenfalls reagieren Frauen wie Maja von Hohenzollern (37) darauf eher ablehnend, wie sie in Echo der Frau ausruft: „Furchtbar ist auch jemand, der einen gnadenlos anhimmelt.“ Nun scheint die Dame allerdings auf herkömmliche Gesten auch wenig Wert zu legen, denn sie meint: „Mich muss auch niemand am Flughafen mit roten Rosen empfangen. Davon abgesehen, dass meine Lieblingsblumen weiße Lilien sind, finde ich so eine Nummer abgedroschen.“
Genug mit Ratschlägen
Wenn Sie aber jetzt fragen, wo ist denn der Rat für die Damen, so geizen wir auch damit nicht. Den jüngeren unter ihnen sei empfohlen, sich nicht unbedingt auf die Verlässlichkeit ihrer Geschlechtsgenossinnen einzustellen. Das gilt nicht zuletzt in Modefragen, wie Scarlett Johansson (24) in Bunte verrät: Vor der Premiere ihres neuen Films hat sie ihre drei Kolleginnen angerufen „und gecheckt, ob sie kurz oder lang tragen. Damals hieß es noch, wir gehen elegant. Am Ende war ich dann wieder die Einzige, die lang trug.“
Jetzt aber genug mit Ratschlägen. Leider müssen wir die Kollegen von Bild tadeln. Manchmal verschlafen sie die besten Geschichten. So erfahren wir in einem Porträt des Auto-Narren Ferdinand Piëch zwar, dass er „zwölf Kinder von vier Frauen“ hat, aber das ahnten wir schon. Viel interessanter die Stelle mit den Kartoffeln: „Hasst Kartoffeln und schiebt sie gern anderen vom Teller: ,Ungesund!‘“ Also darüber hätten wir gern mehr erfahren. Vor allem: Wie reagieren die Menschen, denen er die Kartoffeln vom Teller schubst? Finden sie das nicht grob ungehörig oder doch mindestens irgendwie verhaltensgestört? Wir jedenfalls würden uns das verbitten, denn wir mögen Kartoffeln und werden demnächst noch mehr davon essen, weil wir uns Frau Madeleine Schickedanz (93) zum Vorbild nehmen, die von 600 Euro im Monat lebt und wahrscheinlich auch nur Kleider aus dem Quelle-Katalog trägt. Im übrigen aber würden wir uns gern von Herrn Piëch eine kleine Bluttransfusion erbitten, denn nach den Recherchen von Bunte besteht bei ihm dieser besondere Saft aus einer „Mischung aus Benzin und Testosteron“. Hmm, lecker.
Schlecht gelüftet
Mit dem Männlichkeitshormon scheint auch der attraktive Brad Pitt gut ausgestattet zu sein, aber sein Oberstübchen ist wohl extrem schlecht gelüftet, jedenfalls faselt er in Bild: „Ich bin vielleicht zu 20 Prozent Atheist (nicht gläubig) und zu 80 Prozent Agnostiker (nicht wissend).“
Wir aber sind zu 100 Prozent kaputt. Wie erschlagen. Fix und fertig. Muskelkater, bis der Arzt kommt. Das mag an unserer neuen Redaktionsassistentin liegen. Sie ist super höflich und liebenswürdig, kichert dauernd, wobei sie sich die Hand vor den Mund hält, hat ganz süße O-Beine und ein niedliches Lächeln. Heißt Eun-Young. Kommt aus Südkorea. Das Einzige, was an ihr ein wenig irritiert, ist der Umstand, dass sie fortwährend stöhnt: „Ich bin sooo müde.“
Die Welt des Boulevards
Peter Lückemeier Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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