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Herzblatt-Geschichten Schüttel dein Haar für mich

Pikante Enthüllungen allerorten: Freddy Quinn entsorgt seinen Hausmüll, Angela Merkel hat nach einer Wanderung verwuscheltes Haar und Veronica Ferres dreht immer noch Filme.

© dapd Vergrößern Hat Joachim Sauer seine Gattin unbeaufsichtigt gelassen? Die Kanzlerin soll nach einer Wanderung mit Reinhold Messner (Foto) verwuschelte Haare gehabt haben

Das Enthüllungsfoto der Woche erreicht uns aus dem Tessin. Ein kräftiger Kerl mit Hamsterbacken, Sonnenbrille und Bundeswehr-Tarnkäppi hält einen Plastikbeutel in der Hand. Der Bursche wirft einen Blick über die Schulter, als wähnte er ein Dutzend Zielfahnder auf seiner Spur. Erster Verdacht: Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel bereitet eine Ladung Mortadella für die zollfreie Einfuhr nach Deutschland vor. Irrtum - der Mann ist Freddy Quinn, 80, Schmonzettenkapitän a.D. („Junge, komm bald wieder“), vor Anker gegangen am Ufer des Lago Maggiore und zum Zeitpunkt der Aufnahme mit der Entsorgung seines Hausmülls befasst.

Sascha Zoske Folgen:    

Trotz der Behelligung in einem solch intimen Moment hat der alte Seebär auf seine Enttarnung gar nicht grummelig reagiert, sondern sogar ein Autogramm gegeben. Das hat die Redaktion von die aktuelle in eine Art Ehrfurchts-Schockstarre versetzt, weshalb die Überschrift über den Artikel nur mäßig fetzig geriet: „Ungewöhnliche Begegnung mit einer Legende“. Die Bild-Zeitung kann’s besser: „Junge, da bist du ja wieder!“

Horror in der heilen Bergdoktorenwelt

Das würden viele Fans auch gerne dem als „Tatort“-Kommissar ausgeschiedenen Mehmet Kurtulus zurufen, doch die Chancen für ein Comeback dürften nicht größer geworden sein, seit dem Fernseh-Ermittlern im realen Leben vorgeworfen wird, es mit dem Gesetz nicht so genau zu nehmen. Laut Frau im Spiegel haben Zöllner am Frankfurter Flughafen im Kurtulus-Gepäck einen amerikanischen Laptop gefunden, der ihnen wie frisch gekauft vorkam - was sein Besitzer bestreitet.

dpa-Bild des Jahres 2011 - 3. Platz Porträts Was uns interessiert: Wo hat Ex-„Tatort“-Kommissar Mehmet Kurtulus nur das Brusthaar-Toupet her? © dpa Bilderstrecke 

Mehr als der Stammbaum seiner Hardware würde uns interessieren, wo er das tolle Brusthaartoupet erstanden hat, mit dem ihn der Fotograf abgelichtet hat. Wir vermuten, es war der gleiche hippe Laden, in dem sich der Sohn von Uschi Glas die Accessoires für seine Internet-auftritte besorgt. „Schock-Fotos! Hört denn der Albtraum nie auf?“, jammert die aktuelle und zeigt dazu Fotos von Ben Tewaags jüngsten Schandtaten. Auf Facebook hat der böse Bub ein Foto gepostet, das ihn mit einem liebevoll aufgeschminkten Schnitt durch die Kehle zeigt. Dazu die Psychoanalyse des Sachverständigen: „Ben Tewaag leidet an einer Profilneurose“, er müsse unbedingt auffallen, egal ob positiv oder negativ.

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Wie gut, dass „Bergdoktor“ Hans Sigl von diesem Leiden verschont geblieben ist. Aber auch der nette TV-Heiler hat seine sinistren Seiten, wie das Goldene Blatt aufdeckt. Unter dem Titel „Seine dunkle Vergangenheit“ erfahren wir Erschütterndes: Als junger Bursch hat der Hans in Österreich Privatradio gemacht, ohne Lizenz. „Wir haben damals quasi noch schwarz über den Brenner gestrahlt.“ Welcher Horror wird als Nächstes in die heile Bergdoktorenwelt einbrechen? Vielleicht die Nachricht, dass Herr Sigl seinen Nachnamen ein bisschen geändert hat, weil er einen peinlichen Halbbruder hat, der seit Jahrzehnten die Welt mit seiner Schlagermusik foltert?

„Ich war nur das Instrument seiner Vision“

Schaudernd wenden wir uns ab von den deutschen Sündenpfuhlen und blicken auf das katholische Königshaus von Spanien, den letzten Hort sittlicher Reinheit. Aber sofort raubt uns Echo der Frau auch diese Illusion: „Kronprinzessin Letizia: Pikante Enthüllungen! Kann sie jetzt noch Königin werden?“ Wie die Ermittlungen ergaben, hat Letizia 1998 in einem Erotik-Streifen mitgespielt und war dort in einem „transparenten Engelskostüm“ zu sehen. Das ist fast so blasphemisch wie die Vorstellung, ein russischer Regisseur würde einen Film über Katharina die Große drehen und die Titelrolle an die Frontfrau von „Pussy Riot“ vergeben.

Dann also doch wieder zurück nach Deutschland, zu der Frau, die nun wirklich niemand mit Schweinkram in Verbindung bringt. Oder? Es gibt uns doch zu denken, was wir im Neuen Blatt lesen müssen: Angela Merkel war mit Reinhold Messner in Südtirol unterwegs. „Beim Wandern trug sie ein rustikales rotkariertes Hemd. Die Frisur war wunderbar verwuschelt.“ Herrn Messners Frisur ist ja auch immer wunderbar verwuschelt. Hat Joachim Sauer seine Gattin im Urlaub mal ein paar Stunden unbeaufsichtigt gelassen? Eine Szene erscheint vor unseren Augen: Merkel und Messner allein auf einem Gipfel, er kniet vor ihr und jodelt: „Baby, schüttel dein Haar für mich!“

Sollte es so gewesen sein und vermasselt die Kanzlerin deshalb die Euro-Rettung, kann sie sich mit den Worten von Veronica Ferres herausreden. Die sagte laut Bunte über einen Filmdreh mit Regisseur David Dietl, dem Sohn ihres Exlebensgefährten Helmut: „Ich war nur das Instrument seiner Vision.“ Wie die Actrice weiter darlegt, schätzt sie die luziden Gaben von David und anderen jungen Filmemachern: „Ihre Visionen halten mich jung und offen für neue Sichtweisen.“ Dann könnte Frau Ferres auch einsehen, dass es manchen freuen würde, wenn es mal fünf Jahre lang keinen neuen Ferres-Film gäbe. Aber die Chance, dass sich diese Vision erfüllt, ist höchstens so groß wie die, dass der nächste Kanzler Dirk Niebel heißt.

Quelle: F.A.S.

 
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