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Herzblatt-Geschichten Nicht ohne seine Mutti

20.02.2005 ·  Warum Prinz Charles gegen eine Frau, die Reifen aufzieht und mit dem Flachmann den nassen Labrador abfüllt, jede zarte Wespentaille links liegen läßt. Die neuen Herzblatt-Geschichten vom Wochenende.

Von Peter Lückemeier
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Noch immer rätseln die Menschen, warum Charles Camilla heiratet und nicht irgendeines jener superhübschen jungen Dinger, die sicherlich ziemlich scharf darauf wären, einst mit ihm zusammen aufs Thrönchen zu klettern. Die überzeugendsten Antworten gibt natürlich wieder mal Bunte. Erstens: Camilla kann Reifen wechseln. Zweitens: „Ihr Roastbeef gilt als das zarteste von Mittelengland.“ Drittens: Sie ist „eine wunderbar normale Frau“.

Das behauptet jedenfalls der Bunte-Reporter, der ein wenig angeberisch aus eigener Anschauung berichtet: „Ich habe Camilla erlebt, wie sie Wespen, die um einen frischen Pflaumenkuchen schwirrten, mit der flachen Hand entleibte.“ Gut - Reifen, Roastbeef, Wespenkillen, das sind drei sehr einleuchtende Gründe, die für Camilla sprechen.

Wie ein Blitz ins Gemüt

Aber der vielleicht wichtigste mag doch in der Wertegemeinschaft liegen: Pferde, Outdoor-Sport, Hunde, schweres Essen. Oder wie der britische Journalist Roland White schon 1996 schrieb: „Für Charles und Camilla bestünde der Himmel aus einem eindrucksvollen Renaissance-Saal mit einem klitschnassen Labrador und einem Butler, der ihnen einen Flachmann reicht.“

Wie kommt es überhaupt, fragten wir uns, daß jemand eine Frau sieht, ihm ihr Anblick wie ein Blitz ins Gemüt fährt und dort für immer einen Liebesabdruck hinterläßt? Das kommt von der Kindheit, weiß Das Goldene Blatt, „damals erlebte man irgendwann mit einem nahestehenden Menschen eine außergewöhnlich wohltuende zärtliche Situation“. Die sei dann tief im Unterbewußtsein gespeichert und könne „wie eine Datei im Computer“ viele Jahre später aktiviert werden. Demnach müssen viele Männer in der Kindheit außergewöhnliche Situationen mit Wirsing, Rotkohl und Spargel erlebt haben, denn sie stehen zeitlebens auf junges Gemüse.

Von Mutti herumkommandieren lassen

Übrigens wollen wir noch schnell Neue Revue danken, denn all die Jahre hatten wir nicht verstanden, warum Charles Camilla nicht gleich geheiratet hatte. Aber „sie war keine Jungfrau mehr. Zweimal bat Charles, sie trotzdem heiraten zu dürfen, zweimal sagte seine Mutter, die Queen, eiskalt Nein.“ Nun war er damals ja noch ein junger Mann, aber auch heute, im zarten Alter von 56, muß er sich immer noch von seiner Mutti herumkommandieren lassen. Beispielsweise wollte er laut Bild die Hochzeit mit alten Kumpels wie Ernst August von Hannover an runden Tischen mit Kerzenschein feiern. Nichts da, die strenge Königin schreibt ein Festmahl an langen Tafeln vor und hochoffizielle Gäste.

Und Charles wird dann wohl kochen. Vor Wut. Was uns auf die Frage bringt: „Darf man in einem Restaurant die Teller tauschen?“ Im Prinzip ja, antwortet Neue Welt, aber nur, „wenn es unauffällig und mit gekonnten, sicheren Griffen geschieht. Dabei kleckern und Gläser umwerfen, das wird nicht so gerne gesehen.“

„Hä? Welche Schönheit?“

Was wir nicht so gern gelesen haben, waren aber deine Ausführungen, Schauspieler Sascha Hehn, in Das Goldene Blatt, nach denen du Frauen schonungslos die Wahrheit sagst, „auch wenn die bitter ist und sehr schmerzt“. Das finden wir zu brutal. Schon die Schlagzeile in 7Tage „Die Frau von ,James-Bond'-Darsteller Pierce Brosnan wird immer dicker“ finden wir unhöflich und taktlos.

Und wenn Neue Welt die Sängerin Margitta von der gleichnamigen Sangesgruppe „Margitta und ihre Töchter“ abbildet und daneben schreibt: „Die 7 Geheimnisse ihrer Schönheit“, so würden wir nie fragen: „Hä? Welche Schönheit?“ Auch würden wir gewiß nicht mit den Damen schimpfen, die dem uns gänzlich unbekannten Schlagersänger Leonhard Liebesbriefe schicken, obwohl der in Neue Welt sagt: „Die Frauen wissen doch, daß ich schwul bin.“

Mehr wert als die zarte Wespentaille

Ein kleines bißchen mit dem Zeigefinger drohen würden wir allerdings gern Herrn Roberto Blanco. Mit der Tochter zerstritten, die Gattin im Sanatorium, das uneheliche Kind bei der Geliebten, amüsierte sich der Schlagerbomber „mit neuer Frau in der Karibik“, wie Bild beobachtete: „Jeder konnte sehen, wie gut sie sich verstanden.“ „Lieber Herr Blanco“, würden wir gern sagen, „Sie sind doch jetzt auch schon 67, müssen Sie da immer noch mit jungen Dingern herumpoussieren?“ Wenn er mit Ja antwortete, würden wir ihn mit Michele Placidos Ansicht aus Das Neue Blatt konfrontieren. Er ist erst 57, sagt aber: „Je älter ich werde, desto unwichtiger wird das Körperliche. Gemeinsames Erleben, Gespräche, tiefe Gefühle und Verständnis sind mir heute wichtiger.“

Bravo. Sehr richtig. Ganz unsere Ansicht. Wenn eine Frau Reifen aufzieht, mit dem Flachmann den nassen Labrador abfüllt und mit bloßer Hand den Pflaumenkuchen erschlägt, das ist doch viel mehr wert als die zarteste Taille Mittelhessens. Wir müssen als Kind mal außerordentlich wohltuende Situationen mit Wespen erlebt haben. Anders ist unsere Vorliebe für Wespentaillen nicht denkbar.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20.02.2005, Nr. 7 / Seite 64
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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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