Immer wieder erlebt man, dass selbst geschätzte Zeitgenossen mit den Jahren wunderlich werden. Zum Beispiel die von uns in Kindertagen umschwärmte Sängerin Nena. Um sie müssen wir uns laut Bild echte Sorgen machen, befindet sie sich doch „in den Fängen einer Psycho-Sekte“. Deren Mitglieder beten nicht nur in unterirdischen Tempeln, sie glauben überdies, wie Bild berichtet, „an Nackt-Zeitreisen“. Dieses Hobby wirft einige Fragen auf. Zwar erspart man sich so lästige Kontrollen an den Zeitgrenzen, doch sollte man bedenken, welche Irritationen man als nackter Zeitreisender am Zielort auslösen könnte. Eher unbedenklich erscheinen uns einzig San Francisco 1967 oder das Paradies, wo freilich das Auftauchen einer dritten Person die Spannungen zwischen den Ureinwohnern noch verschärfen könnte. Ein von Bild befragter Experte hält die Sektenjünger jedenfalls für „gefährliche Spinner“: Sie lebten „in einer Fantasiewelt, die nichts mit der Realität zu tun hat“. Widmen wir uns also lieber dem wahren Leben: Schauen wir in die Herzblätter.
Zum Beispiel ins Neue Blatt, dessen Astrologin Andrea Panhans-Schneider eine Frage der Leserin Annika F. beantwortet. Frau F. (Krebs) ist ratlos, weil ihre Schwester (Steinbock) über sie lästert. „Krebse neigen von Haus aus dazu, sich in ihr Schneckenhaus zurückzuziehen“, erklärt die Astrologin. Gewiss, Frau Panhans-Schneider, und Steinböcke stecken gern den Kopf in den Sand: Gut, dass Sie Astrologin geworden sind und nicht Biologin. Schon überzeugender finden wir diesen Deko-Tipp des Neuen Blatts: „Neue, originelle Küchenlampe gefällig? Nehmen Sie doch mal eine viereckige Käsereibe und bohren Sie den Griff an. Dann können Sie eine Fassung für die Glühbirne durchfädeln.“ Das haben wir sogleich gemacht und sind sehr zufrieden. Nur beim Käseraspeln verbrennen wir uns jetzt manchmal die Finger.
Kein Kind von Traurigkeit
Als Ratgeber versucht sich auch der Literaturkritiker Hellmuth Karasek (75), der Bunte seine „ganz persönliche Verführungsmasche“ verrät: „Früher habe ich bevorzugt aus dem Buch ,Der kleine Prinz' vorgelesen, um eine romantische Situation herzustellen. Später habe ich behauptet, ich könne aus der Hand lesen. ,Oh', habe ich gesagt, ,Sie haben aber einen großen Venusberg, das verrät große Sinnlichkeit.'“ Karaseks neues Buch trägt den Untertitel „Was Männer von Frauen wollen“ und umfasst 272 Seiten. Typisch Professor, kann man da nur sagen: braucht Hunderte Seiten, wo anderen Männern ein Wort genügte. Wer Karaseks Methode kopieren möchte, sollte sich übrigens vorsehen: Handleser sprechen vom Venusberg, nicht vom -hügel. Und wenn Sie der Dame ankündigen, Sie holten nun Ihren „kleinen Prinzen“ raus, riskieren Sie ein Missverständnis.
Wobei es heute ja oft die Frauen sind, die wesentlich offensiver auftreten. Etwa beim Techtelmechtel zwischen dem Komiker Russell Brand und der Sängerin Katy Perry: „Er schickte ihr ein Liebesgedicht, sie ihm ein Foto von ihren Brüsten“, informiert Bunte. Kein Kind von Traurigkeit war auch die große Lilo Pulver (79), wie ihre Schwester Corinne der Neuen Welt erzählt: Die Studenten, die einst bei der Schauspielerin in Untermiete wohnten, hätten stets „vor ihr die Flucht ergriffen“, weil sie „ihnen auflauerte und ihnen an den Hals sprang, um sie schnell zu küssen“. Manche Frauen wünschen sich von einem Mann indes nach wie vor Führung. Pulvers Kollegin Doris Kunstmann (64) etwa berichtet der Neuen Welt, wie ihr Wagen sich einmal zu überschlagen drohte, wobei sie wie wild versucht habe gegenzulenken. „Da hörte ich wie aus einer anderen Welt eine autoritäre Männerstimme, die mir befahl: ,Nimm die Hände vom Steuer!' Ich habe wie in Trance gehorcht, und das Auto kam zum Stehen.“ Wer mag das gewesen sein: wirklich, wie Frau Kunstmann meint, ihr Schutzengel? Oder doch nur das Navi?
„Schwiegermutter“ dreigeteilt
Während wir noch grübeln, öffnet sich die Tür. Nena kommt herein. Sie ist jung und hübsch wie anno 1982 und hat nichts an. „Willst du mit mir auf Zeitreise gehen?“, fragt sie, „du musst dir nur noch schnell was ausziehen.“ Eine autoritäre Männerstimme reißt uns aus unseren Träumen: Der Ressortleiter meint, wir sollten jetzt schleunigst zum Ende kommen. Blicken wir also noch in die Gala. Dort entdecken wir abermals Nena, die heute 49 ist und demnächst Großmutter wird. Danach befragt, wie sich das unschöne Wort „Oma“ für sie anfühle, sagt sie: „Ich habe mir das Wort aufgeteilt, nämlich in ,Ommm' und ,Ah'. Das ,Ommm' gibt mir wie beim Meditieren die Ruhe und Gelassenheit. Das ,Ah' steht für meine Freude.“ Wir haben das gleich mit einem anderen beängstigenden Begriff ausprobiert und „Schwiegermutter“ dreigeteilt: Bei „Schwieg“ denken wir an Stille, bei „Erm“ an einen falsch geschriebenen fränkischen Hausflur. Zu „Utter“ fiel uns nur das englische „to utter a sigh“ ein: einen Seufzer ausstoßen. Wir haben das Gefühl, die Methode funktioniert nicht immer.
Astrologie
(fritzhirsch)
- 14.10.2009, 16:16 Uhr
Wirklich hübsch!
J. H. (JohannesLeonhard)
- 14.10.2009, 16:45 Uhr
Gut amüsiert
Stefan Bönsch (Stefan358)
- 14.10.2009, 16:47 Uhr