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Herzblatt-Geschichten Mit und ohne Frühstück

24.05.2010 ·  Boris Becker kann im Alter endlich das, was alle anderen schon immer konnten: über Boris Becker lachen. Sein Sohn kann sich demnächst gar einen goldenen Schnuller leisten - Flugmeilen sei Dank.

Von Jörg Thomann
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Manchmal öffnen uns Leute die Augen, vor denen wir sie stets verschlossen haben. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Schunkelshow-Moderatorin Carmen Nebel uns zu einer neuen Sicht der Weltlage verhelfen würde? „Krise bedeutet ursprünglich ‚Meinung‘ und ‚Beurteilung‘, später kamen andere Deutungen hinzu“, erklärt sie in ihrer Frau-im-Spiegel-Kolumne und rät: „Vielleicht sollten wir etwas sorgsamer mit dem Wort ‚Krise‘ umgehen.“ Und wirklich: Wenn wir nicht ständig „Krise“ schreiben, sondern öfter auch mal die ursprünglichen Bedeutungen, wirkt alles viel harmloser. „Finanzmeinung“ oder „Ehebeurteilung“ klingen sogar hübsch.

Mehrere Stunden verdächtig ruhig gewesen ist es um Boris Becker, jetzt aber drängt er zurück in die Öffentlichkeit. Und wie damals in der Weltrangliste hat er wieder den Spitzenplatz erobert: Drei Einträge im Bunte-Register, das hat außer ihm nur Iris Berben geschafft. Auf seine „alten Tage“, sagt er der Bunten, kapiere er, „wie wichtig Selbstironie ist. Ich kann viel besser über mich lachen als früher.“ Wir konnten das ja schon immer, lachen über Boris Becker. Dem kleinen Amadeus übrigens soll noch ein fünftes Kind folgen, verspricht der alte Kämpfer: „Nächstes Jahr werden wir wieder angreifen.“ Dann mal schön das Feldbett herrichten, einen Schlachtplan erstellen und hoffen, dass sich der Kollateralschaden in Grenzen hält.

Amadeus übrigens war, wie Frau im Spiegel meldet, mit seinen drei Monaten „schon in Abu Dhabi, Florida, St. Moritz und kürzlich in Portofino“ und dürfte sich von den Flugmeilen längst einen goldenen Schnuller leisten können. Doch ist das eine Entschädigung für die „Große Krise vor dem 1. Hochzeitstag“, in der laut Goldenem Blatt seine Eltern stecken? Statt dem Kinde widmet sich Becker nämlich „lieber doch dem Poker-Spiel“, lesen wir. Doch es ist noch schlimmer: „Ehe-Aus! Er turtelt mit einer anderen“, berichtet Echo der Frau. Der dazugehörige Artikel kann, wie sollen wir es ausdrücken, die Spannungskurve nicht ganz halten.

Dafür enthält er unsere Lieblings-Gänsefüßchen der Woche: „Auch wenn es sich bei diesen Bildern ‚nur‘ um Szenen aus einem Werbespot für einen Uhrenhersteller handelt, müssen Lilly Becker tausend kleine Nadelstiche getroffen haben, als sie ihren Boris in den Armen einer anderen Frau gesehen hat“, schreibt das Blatt. Was heißt hier eigentlich „nur“? Liebes Echo der Frau: Deine Schlagzeile ist mal wieder „nur“ kompletter Blödsinn. Aber das ist „nur“ unsere ganz private Meinung. Mithalten kann da diese Woche nur die Titelstory des Goldenen Blatts über Hansi Hinterseer: „Jetzt enthüllt! Neues Liebesglück mit 56 Jahren“. Und das genau ist die Enthüllung: „Die Gefühle zu seiner Ehefrau Romana (44), mit der er immerhin schon seit 24 Jahren verheiratet ist, werden nämlich von Tag zu Tag intensiver.“

Der süße Fratz und der tote Opa

Ein Kind weniger als Boris Becker, nämlich drei, hat der Torwart Jens Lehmann, der der Bunten erklärt: „Wir haben sie ständig um uns herum und lehren sie, normal und bescheiden zu bleiben.“ Wir wollen ja nicht die Super-Nanny spielen, aber: „Mad Jens“ Lehmann als Normalitäts- und Bescheidenheitslehrer, das scheint uns eine ähnlich überzeugende Besetzung zu sein wie ein Grieche als Controller. Nachwuchs gibt es auch bei Moderatorin Anna Heesch, wie wir im Echo der Frau lesen: „Seinen Namen hat der süße Fratz (sieben Monate) übrigens von seinem verstorbenen Opa.“ Wir haben uns da kurz erschreckt, weil wir dachten, der Knabe hieße wirklich Fratz; man weiß ja, was für Einfälle Prominente manchmal haben. Er heißt aber Kurt-Frederic. Was freilich so viel besser auch nicht ist.

Und noch was, Echo der Frau: Deine „größten Geheimnisse von A bis Z“ über den Sänger Tom Astor hast du dir sehr abenteuerlich zurechtbuchstabiert. V wie Vase, weil er seiner Frau manchmal Blumen schenkt? Y wie Yoga, was er überhaupt nicht macht? R wie Rührei, obwohl er am liebsten Spiegelei isst? Und was bitte soll B wie „Bruzeln“ heißen? Meinst du vielleicht Brezeln? Astor selbst nennt Countrymusik einen „Meilenstein in meinem Leben“, Johnny Cash einen „Knackpunkt in meinem Leben“ und seine Gattin „einen Glücksfall in meinem Leben“. Da wollen auch wir ein Geheimnis offenbaren: A wie Astor war bislang eine Randnotiz in unserem Leben.

Nicht jugendfreie Rap-Version der „Biene Maja“

Das aber haut uns um: Der sanfte Karel Gott war ein Frauenverschlinger. „Partnerinnen habe ich danach, wo ich mich gerade befinde“, hat der schlimme Finger aus Prag laut Bild gesagt und seine Damen in die Kategorien „mit und ohne Frühstück“ eingeteilt – je nachdem, wie lange sie bleiben durften. Jetzt erklärt sich auch sein Duett mit Bushido: Ein Gangsta traf den anderen. Gut möglich, dass demnächst eine unveröffentlichte, nicht jugendfreie Rap-Version der „Biene Maja“ auftaucht.

Nun noch ein Satz in eigener Sache: Sehr aufmerksam von Ihnen, Dr. Sabrina Schwetzing, uns auch am Samstag per Mail über „Amerikanische Abnehmprodukte“ zu informieren. Ihre Betreffzeile aber, „j.thomann@faz.de zu dick“, hat uns doch ein wenig verletzt.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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