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Herzblatt-Geschichten Mehr Regulierung

13.11.2011 ·  Zwischen Demi Moore und Ashton Kutcher kriselt es weiter, dafür gibt es aus Frankreich schöne Bilder: Das Präsidentenbaby lässt uns die Schuldenkrise vergessen.

Von Anke Schipp
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© dapd Es gibt sie doch noch, die wahre Liebe: Carla Bruni und Nicolas Sarkozy haben eine Tochter bekommen

Finden Sie nicht auch, dass Angela Merkel aussieht wie ein Muffin? Sie halten das für despektierlich? Glaubt man an die These von Nora Ephron, ist es eher ein Kompliment. Die Regisseurin von „Harry & Sally“ und „Schlaflos in Seattle“ teilt nämlich Frauen jenseits der 40 nicht wie üblich in Ziege (dürr) oder Kuh (dick) ein, sondern in Pferd, Vogel und Muffin. „Jane Fonda ist eindeutig ein Pferd, Meg Ryan ist ein Vogel, und Sally Field hat wirklich Glück, sie besitzt ein Muffin-Gesicht“, diagnostizierte Ephron in Brigitte Woman. Der Muffin-Typ sei deshalb der beste, „weil sich runde Gesichter gut liften lassen, am zweitbesten Pferdegesichter, aber Vogelgesichter, so wie ich eins habe, sehen nach einer Straffung leider wie Totenmasken aus“.

Angela Merkel wäre demzufolge ein echter Facelifting-Typ und könnte sich beruhigt unters Messer legen, wenn sie nicht gerade andere Probleme hätte und genau wüsste, dass sie damit die Beziehung zur FDP auch nicht mehr retten könnte. Demi Moore dagegen schätzen wir auf den Typ Vogel, sie hat also schlechte Chancen für ein Facelifting, allerdings großen Bedarf. „Der Liebeskummer lässt sie altern“, diagnostizierte bunte.de schonungslos. Ihre Ehe mit Ashton Kutcher erinnert ein bisschen an Griechenland: kaum noch zu retten.

Die Gesetze des Marktes

Überhaupt schade, dass Ratingagenturen nicht auch Beziehungen bewerten. Uns würde zum Beispiel mal interessieren, welche Bonität Moody’s vor zwei Jahren für die gerade gescheiterte Ehe von Barbara Becker mit Arne Quinze ausgesprochen hätte. Zwar säuselte der Designer zur Hochzeit: „Unsere Liebe ist für immer“, aber die nackten Zahlen hätten schon damals zur Herabstufung führen müssen. Die Schmuck- und Teppichdesignerin lebte mit ihren Kindern in Miami, der belgische Künstler mit seinen wiederum in Brüssel. Dazwischen liegen 7453 Kilometer und 11 Flugstunden. Ähnlich berechenbar wäre die Ehe von Otto Waalkes und Eva Hassmann gewesen, wenn man mit der unbarmherzigen Sachlichkeit von Ratingagenten an die Sache herangegangen wäre: Sie flog dauernd nach Los Angeles, er blieb der norddeutschen Tiefebene treu (9067 Kilometer, 13 Flugstunden). Hinzu kommen 25 Jahre Altersunterschied. Das Ergebnis: highly speculative.

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© dapd Sieht so ein Muffin aus? Bundeskanzlerin Merkel am Donnerstag in Berlin

Dabei führte der Komiker in den Augen vieler Männer eine Traumehe: keine Regulierungen, keine Reglementierungen, keine Eifersucht, niemand, der den anderen ausbremste, wenn er auf dem freien Markt unterwegs war. „Ich habe mich nie unfrei gefühlt!“, betonte Waalkes gegenüber der Bild. „Die Ehe ist kein Gefängnis. Ich war zumindest immer Freigänger.“ Aber warum sind dann die „Schöne und der Lustige“ (Bunte) gescheitert? Vielleicht an einem Zuviel an Freiheit? Fehlte es an Regulierung? Neuerdings sieht man Eva Hassmann in Berlin in „der Clique um Til Schweiger“, wie die B.Z. beobachtet haben will. Ein Produzent und Schweiger-Kumpel soll besonders oft an ihrer Seite gesichtet worden sein. Wurde der alternde Komiker also kalt ersetzt? Wir bedauern das zutiefst, aber so sind sie nun mal, die Gesetze des Marktes.

Die Zeit steht still

Das Bestürzende aber ist, dass auch Beziehungen, die von der Klatschpresse mit Triple A bedacht wurden, die für die Ewigkeit gemacht zu sein schienen, in denen alle Fakten stimmten, plötzlich so wenig Bestand haben wie das griechische Steuersystem. Über die Trennung von Stefanie Hertel und Stefan Mross kommen wir bis heute nicht hinweg. 17 Jahre voller Liebe und Harmonie, in denen Lieder wie „So a Stückerl heile Welt“ entstanden sind. Deshalb tat unser Herz in dieser Woche einen kleinen Hüpfer, als wir auf dem Titel des Goldenes Blattes lasen: „Hurra! Das Glück ist zurück“. Wir stellten uns vor, wie die beiden versöhnt vorm Kaminfeuer saßen, zärtlich busselten und gemeinsam Stefans Lied „Mir halten z’samm“ sangen. Aber auf Seite 10 mussten wir dann enttäuscht lesen, dass es nur der „aufmunternde Applaus“ war, den Mross bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Trennung glücklich macht. „Die Fans nehmen es dem einstigen Traumpaar der Volksmusik scheinbar nicht übel, dass es sich getrennt hat.“ Wir schon.

Und suchend blicken wir uns in der Eurozone um, ob es in Krisenzeiten denn nicht doch noch die große Liebe gibt. Auf Seite 14 der Bunten haben wir sie gefunden: Carla Bruni und Nicolas Sarkozy, wie sie eingehakt ihr Baby in der Sonne spazieren führen. In dieser Szene steht die Zeit still, sie macht uns Hoffnung und lässt die Rettungsschirme, Staatsschulden und Sparpakete mit einem Mal vergessen. Wir hoffen inständig, dass die Euro-Krise dieses Glück nicht zerstört. Nicht, weil wir Angst hätten, Sarkozy könnte angesichts der dramatischen Entwicklungen keine Zeit mehr für seine kleine Familie haben. Eher denken wir an die Muffin-These und dass „Angela L’Euro Star“, wie sie jetzt genannt wird, sich doch noch unters Messer legt und beim nächsten Krisengipfel das Herz des französischen Präsidenten auf ungute Weise höherschlagen lässt.

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Jahrgang 1966, Redakteurin im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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