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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Herzblatt-Geschichten Mao mit fünf Frauen

 ·  Was die Band Tokyo Hotel mit den Rolling Stones gemeinsam hat, was Prinz Harry an Camilla liebt und mit welch einfachen Mitteln Tatjana Gsell ihren Prinzen Ferfried von Hohenzollern verwöhnt: Die aktuellen Herzblatt-Geschichten.

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Wir blätterten gerade in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie und waren unschlüssig, ob wir den Beitrag über „Statusinkonsistenz und Entstrukturierung von Lebenslagen, empirische Untersuchung zweier Individualisierungshypothesen mit Querschnittsdaten aus 28 Ländern“ lesen oder lieber der Frage nachgehen sollten: „Freizeitverhalten als Ausdruck sozialer Ungleichheiten oder Ergebnis individualisierter Lebensführung?“

Da dachten wir: Menschenskind, solche Sozialwissenschaftler haben es gut. Forschen ein bisserl über Themen, die kaum jemanden interessieren, kassieren Staatsknete und genießen ihren monströsen Urlaubsanspruch. Wir dagegen haben seit 17 Jahren keine Gehaltserhöhung bekommen, leiden seit Schröders Auftritt in der Elefantenrunde unter einem postelektiven Trauma, sitzen am Samstag vormittag in unserem ungeheizten, zugigen Büro und sind seit zwei Wochen ohne Redaktionsassistentin.

Sollte also etwas dran sein an der Wiedergeburt, so bitten wir die zuständige Instanz schon heute höflich darum, in einer späteren Existenz entweder als Mao Tse-Tung, Rockmusiker oder Sektenführer Berücksichtigung zu finden, da ist das Leben lustig. So berichtet Bild über den bärtigen Sekten-Guru Rael: „Ein langbeiniges Mädchen im Minirock läßt aufreizend die Hüften kreisen. Gierige Blicke eines Mannes mit weißem, gestutztem Bart verfolgen sie. Dann fragt er: ,Willst du mein Engel werden?' Das Mädchen haucht: ,Ja.'“

„Elegante, gepflegte Hostessen, die beim Servieren helfen“

Ähnlich heiter gestaltet sich der Alltag als Musiker. Die Jungs von der Magdeburger Band „Tokio Hotel“ sind zwar erst 16 bis 18, bekommen aber, wie Bunte nachzählte, kistenweise Fanpost inklusive Tausender von Briefen, in denen Mädchen winseln: „Bitte, bitte, ich möchte mit dir schlafen.“ Oder nehmen Sie die Stones. Stehen zwar unmittelbar vorm Renteneintrittsalter, kriegen aber immer noch beinahe jeden Wunsch erfüllt.

So hat laut Bild der Autor Ben Schott in seinem „Sammelsurium“ einmal zusammengestellt, welche Verpflegungsansprüche Popmusiker in ihre Verträge schreiben lassen. Die Beach Boys beispielsweise verlangten „1 kleines Schälchen weiße Pistazien“, Frank Sinatra wollte immer „24 eisgekühlte Riesengarnelen“, doch die Rolling Stones forderten zum Vernaschen natürlich „elegante, gepflegte Hostessen, die beim Servieren helfen“. Jaja, beim Servieren.

Jetzt die Neuigkeiten aus den Königshäusern. Prinz Harry, Dianas Jüngster, hat sich aus Anlaß seines 21. Geburtstages sehr positiv über seine Stiefmutter Camilla geäußert (“Wir lieben sie sehr und kommen wirklich gut mir ihr klar“), auch mit seinem Bruder William, dem Thronfolger, versteht er sich bestens. Am niederländischen Hofe bringt Prinz Willem-Alexander nach Echo der Frau ein „großes Liebesopfer für seine Maxima“, das offensichtlich darin besteht, seine Gattin nicht zu einem dritten Kinde zu drängen, weil die sich mehr um die 120.000 holländischen Pfadfinder kümmern möchte.

Eiswürfel im Wein

In Norwegen ist nach Darstellung von Das Neue Blatt Mette-Marit zu ihrer Mutter geflohen, weil die Kronprinzessin leider „schwanger, krank und mit den Nerven am Ende“ ist. In Spanien haben die hübsche, zarte Letizia und ihre Schwiegermutter dermaßen Streß, daß sie nach den Beobachtungen von Echo der Frau in den Palastgängen „grußlos“ aneinander vorbeigehen. Und am deutschen Königshof? Da passiert wenig. Nur seine Überheblichkeit Joseph I. hat beleidigt erklärt, er werde nicht mehr zur Verfügung stehen, außer für höchste Ämter.

Ein anderer von Stand, Prinz Ferfried von Hohenzollern (62), zeigt jetzt in Bunte die gemeinsame Wohnung mit viel Gold, Glitzer und Tand, in die er mit Tatjana Gsell (34, sieht aber älter aus) eingezogen ist. Frau Gsell kennt das Leben und weiß, was Männer wollen: „Wenn wir essen gehen, streiche ich ihm das Brot. Ich frage ihn, was er trinken will, und gebe Eiswürfel in seinen Wein. Ich schaue, daß es ihm gutgeht. Das ist meine Art. Das gefällt den Männern.“

„Bescheuert, ey?“

Wohl wahr. Mao Tse-Tung hätte sich aber mit Eiswürfeln und Butterstullen kaum zufriedengegeben. 1966 vergnügte er sich im abgeschirmten Regierungssitz „mit zwei Dutzend blutjungen Mädchen“. Der stern findet das so erregend, daß er darob ins Präsens narrativum fällt: „Dann wählt Mao die fünf hübschesten aus und zieht sich mit ihnen zurück. Mao steht auf Sex mit mehreren Frauen. Die Mädchen empfinden es als Ehre, sich dem ,Großen Vorsitzenden' hinzugeben.“

Mao. Die Stones. Der Sektenführer. Und wir? Wir müssen Neue Welt und Das Neue Blatt lesen („Kronprinzessin Mary - Jetzt muß sie ganz tapfer sein“, „Udo Jürgens verlassen! Jetzt jammert er seiner Frau hinterher“). Neulich aber in der Reinigung hier bei uns in der Frankenallee stand diese umwerfende Kroatin oder jedenfalls Osteuropäerin neben uns. Kellerdunkle Augen, brauner Teint, rassige Nase, umwerfende Figur. Wir schauten sie gierig an und fragten: „Willst du mein Engel sein?“ Sie hauchte: „Bescheuert, ey?“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.09.2005, Nr. 38 / Seite 72
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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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