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Herzblatt-Geschichten Lust auf Katastrophen

 ·  Promis und Politiker bringen Privates auf die Bühne: Sei es ein Ballett-Tänzchen unter Männern oder Joachim Gaucks Traumhochzeit. Nur Hartwig Fischer redet über Pferdefleisch - und schießt sich ins politische Aus.

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© AFP Vergrößern Rihanna! Vorsicht! Tickenden Zeitbomben darf man nicht zu nahe kommen! Das sollte dir die einstweilige Verfügung doch vermittelt haben...

Höchst politisch, diese Herzblatt-Woche: Angela Merkel ziert gleich zwei Cover. „Muss Politik so weh tun? Angela Merkel - Verlassen - Es geschah vor einer Woche - Sie wollen Freunde bleiben“, stammelt Die Aktuelle. Es geht um dieselbe Person, von der die Neue Post berichtet: „Angela Merkel - Betrogen von ihrer besten Freundin“. Um Annette Schavan also. Wobei Die Aktuelle die Sache in einen breiteren politischen Kontext stellt: „Es scheint wie ein Fluch: Karl-Theodor zu Guttenberg, 41, Nicolas Sarkozy, 58, Christian Wulff, 53 - alle verließen die Kanzlerin.“ Sie hat einfach kein Glück mit den Männern, die Merkel, und mit den Frauen, siehe Schavan, auch nicht. „Alle ließen sie im Regen stehen“, schreibt Die Aktuelle über ein Foto, auf dem die Kanzlerin im Regen - nein, nicht steht, sondern sitzt, in einem Auto. Ganz so dramatisch scheint die Lage doch noch nicht zu sein.

Erfreulicheres vermeldet Das Neue über unseren Bundespräsidenten: „Damit alles seine Ordnung hat - Joachim Gauck - Traum-Hochzeit im Sommer - Exklusiv! Was seine Freunde und die Standesbeamtin dazu sagen“. Na toll, Herr Staatsoberhaupt, haben wir zuerst gedacht, hatten wir bei uns doch gerade erst ein Riesen-Interview mit Gaucks Partnerin Daniela Schadt gedruckt, die sagte, so wie’s sei, dürfe es ruhig bleiben - und nun machen sie die Heirat in Das Neue publik? Tja, die Spürhunde dort haben sich in Gaucks Heimatort Wustrow umgehört: „Alle stehen für die Hochzeit bereit.“

So die Blumenverkäuferin, die sagt: „Ich mache den Brautstrauß.“ Die Standesbeamtin indes sagt nichts direkt zu Gauck, sondern „schwärmt von den vielen Brautleuten“ in Wustrow. Sei’s drum, alle anderen stehen bereit, und jetzt wird uns klar, warum uns Frau Schadt nichts verraten hatte: Sie ist so ahnungslos wie ihr Partner, denn die Wustrower planen die Hochzeit als Überraschungsfeier. Sie sollten nur bedenken, dass Gauck noch mit einer anderen verheiratet ist, aber sicher treibt Das Neue noch einen bereitstehenden Scheidungsrichter auf.

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© AFP Vergrößern „Christina Schadt und Joachim Gauck haben geheiratet! Selbst die Queen war zu Gast!“ - so und nicht anders erfindet man Schlagzeilen, werte Kollegen und Kolleginnen von „Das Neue“!

Solchen knallharten Politjournalismus beherrschen wir leider nicht. Wir kämen auch nie, wie die Bunte, auf die Idee, Natascha Kampusch danach zu fragen, was sie - „nach alldem, was Ihnen widerfahren ist“ - von der „Sexismus-Debatte in Deutschland“ hält. Vielleicht könnte man die Frage auch Rihanna stellen, die ja wieder mit „Prügel-Ex“©Herzblätter Chris Brown zusammen ist, über den Intouch schreibt, er gelte „in der Branche als tickende Zeitbombe, die jederzeit wieder explodieren könnte“. Wir sind kein Pyrotechniker, aber so viel wissen wir schon: Eine Zeitbombe explodiert gerade nicht jederzeit, sondern nur zu einem bestimmten Moment. Hoffen wir, dass Rihanna dann nicht in Chris Browns Nähe ist.

Weit weg von seiner Ex-Frau war Stefan Mross: „O nein! Wo war Stefan, als sie ihn brauchte? Stefanie Hertel - Familien-Tragödie - Es geht um ihre geliebte Tochter...“, krakeelt Frau aktuell auf ihrem Cover. Und so sieht die Tragödie aus: „In der Nähe ihres Wohnorts ist einer der umstrittenen Tetrafunkmasten geplant.“ Von dem mancher glaubt, seine Strahlung sei gefährlich. Und als Stefanie die Veranstaltung einer Bürgerinitiative moderierte, fehlte Stefan. Dabei hätte er im Tetra-, äh, im Doppelpack mit Stefanie den blöden Mast einfach umsingen können. In China übrigens, Frau aktuell, fällt demnächst ein Sack Reis um: Familie Hertel sollte sich in Acht nehmen.

Kollege Bryan Adams hat derweil seine Tochter „Lula Rosylea“ getauft; Rosylea bedeutet laut Bunte „Eine Tasse Tee“. Sollte sie mal Brüder bekommen, heißen die bestimmt Assam und Earl Grey. Apropos Namen: „Es ist immer ernst für mich, wenn meine Mama mich beim Vornamen nennt“, zitiert Das goldene Blatt Markus Lanz. Und verschweigt, wie Mama Lanz ihren Sohn denn üblicherweise anredet: Mäuschen? Doofkopf? Lanz?

Karsten Speck, einst auch Moderator, beklagt im Echo der Frau, dass unsere Gesellschaft heute „mit der Wahrhaftigkeit und mit mangelndem Unrechtsbewusstsein lockerer umgeht, beziehungsweise dass Ehrlichkeit nicht mehr so gefragt ist“. Er wird wissen, wovon er redet, er saß ja wegen Betrugs im Knast. Platt waren wir, als wir auf dem In-Cover lasen: „Heidi Klum - Sprachenwunder & Musikgenie“. Es hat sich aber alles aufgelöst: Heidi ist die Alte geblieben, nur ihre Models sollen dieses Jahr schlau sein. Kluges sagt in Bunte auch Françoise Gilot: „Ich war zwar erst 21, aber ich war nicht dumm. Ich wusste, dass unsere Beziehung in einer Katastrophe enden würde. Aber diese Katastrophe wollte ich nicht missen.“ Nein, Frau Gilot war nicht mit Lothar Matthäus zusammen, sondern mit Picasso.

Zurück zur Politik: Zum neuen Ruhm gratulieren wir Hartwig Fischer (CDU). Er wollte möglicherweise mit Pferdefleisch versetzte Lebensmittel an Bedürftige verteilen lassen - und kommt nun groß raus bei Bild, die ihn auf Seite 1 „Pferde-Lasagne“ essen lässt. Gut, mit der großen Politikkarriere wird es wohl nichts mehr werden, Herr Fischer - aber fürs Dschungelcamp sind Sie ein Top-Kandidat.

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