Home
http://www.faz.net/-guo-6keu4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Herzblatt-Geschichten Lord Perfect und seine Lady

22.08.2010 ·  Naomi Campbell weiß ihr Image aufzubessern. Dem Ruf des Diamantenhändlers Fawaz Gruosi folgte sie nicht ohne den „Blood Diamonds“-Helden Leonardo DiCaprio. Doch zwei bleiben unerreicht: die glamourösen Guttenbergs. Die neuen Herzblatt-Geschichten.

Von Jörg Thomann
Kolumne Bilder (7) Lesermeinungen (0)

Eine von Bunte an alle Männer ausgesprochene Warnung möchten wir hiermit weitergeben: Passen Sie auf mit Einkaufswagen. „Frauen beurteilen Männer ganz stark nach dem, was im Korb liegt“, raunt Bunte. „Also Vorsicht!“ Wir haben uns das gleich zu Herzen genommen und beim letzten Einkauf zu den sechs Goldbrand-Flaschen, der Fußpilz-Salbe, der Schweinehirn-Großpackung, den Diddl-Maus-Grußkarten und dem Herzblatt-Stapel noch eine Tüte Bio-Pistazien gelegt. Es hat gewirkt: Die Kassiererin hat uns fast angelächelt und nicht einmal unsere Treuepunkte vergessen.

Wie man sein Image verbessert, das weiß auch Naomi Campbell, von der wir seit ihrem Auftritt in Den Haag wissen, dass es für sie zum Alltag gehört, mitten in der Nacht von Unbekannten mit Geschenken bedacht zu werden - etwa mit Steinchen, bei denen es sich um Diamanten eines afrikanischen Diktators gehandelt haben könnte. Nun hat Campbell, wie Gala berichtet, Urlaub auf Sardinien gemacht, auf Einladung von Fawaz Gruosi, einem Multimillionär und - Diamantenhändler. Das mag unter PR-Gesichtspunkten riskant wirken, genial aber ist es, wie Naomi die Sache mit Hilfe eines Mitreisenden entschärft: Mit dabei nämlich ist Leonardo DiCaprio. Jener DiCaprio also, der den tapferen Helden spielte in „Blood Diamonds“, dem Drama über das fiese Diamantengeschäft. Naomi gemeinsam mit Leo auf einer solchen Reise - das ist ein so raffinierter Schachzug, als würde Jörg Kachelmann in seinen Urlaub Alice Schwarzer mitnehmen.

Mit Walpenisleder bezogene Hocker

Passend zur „Lionheart“, mit der DiCaprio und Campbell nun umherschippern, stellt Bunte die „Jacht-Society“ vor. Eine Milliardärswitwe mit dem sprechenden Namen Denise Rich hat auf ihre „Lady Joy“ geladen, die zwar mit keinem Raketenabwehrsystem aufwarten kann wie das Boot von Roman Abramowitsch, dafür aber mit anderem Schnickschnack. Doch sorglos ist es nicht, das Bordleben: Der Unterhalt einer Crew koste „Hunderttausende“, und „nie dürfen mehr als zwölf Gäste auf der Jacht sein, sonst gilt sie als Charterschiff, unterliegt strenge(re)n Auflagen, und es werden hohe Steuern fällig. Der Horror . . .“. Auf der Miet-Jacht „Christina O.“ hat sich derweil die Schauspielerin Kate Hudson vergnügt und durfte dabei auf „mit Walpenisleder bezogenen Barhockern“ sitzen. Ob man davon schwanger werden kann?

Echo der Frau stellt uns indessen Vanessa Neigert, 18, vor. Die „süße Sängerin“ (Echo der Frau) zeigt uns ihre Wohnung in Nördlingen, wo „die sympathische Künstlerin“ (Echo der Frau) über ihren Putzfimmel spricht. Und dann überrascht „die kesse Sängerin“ (Echo der Frau) mit einer zweiten Leidenschaft: Die „liebenswürdige Musikerin“ (Echo der Frau) verfügt über 700 Paar Schuhe. „Ich habe sehr viele Kleider, da bin ich ganz froh, dass ich eine große Auswahl an Schuhen habe“, sagt sie, die, wenn sie in diesem Rhythmus weitermacht, bis zu ihrem 80. Geburtstag 3120 Paar Schuhe angesammelt haben dürfte; dann dürfte es bei der „überkandidelten Singdrossel“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) ziemlich eng werden.

„Lord Perfect und seine Lady“

Sage übrigens keiner, die Herzblätter täten nichts für die Volksbildung. Im Echo der Frau bekundet Rätselgewinner Max Preßel aus Maroldsweisach Freude „über das Buch ,Biographie über Helmut Kohl'“. Ein gleichnamiges Buch ist zwar gar nicht im Handel, weshalb wir annehmen, dass Herr Preßel den Gewinn gleich beiseitegelegt hat, aber löblich ist es doch, dass es nicht nur Fleurop-Gutscheine zu gewinnen gibt. Noch wertvoller wäre fraglos das Buch „Biographie über Guttenberg“, der es mitsamt Gattin schon wieder auf den Titel der Frau im Spiegel geschafft hat. „Unser schönstes Liebespaar!“, jauchzt sie über „Lord Perfect und seine Lady“, die unsere „glanzvollsten Botschafter in aller Welt“ seien: „In Politik und Society gibt es niemand, der faszinierender und glamouröser ist.“ Sollte die Frau-im-Spiegel-Chefredakteurin schon einen Geheimvertrag als Sprecherin einer Regierung Guttenberg in der Tasche haben?

In Ungnade gefallen ist Camilla. „Der Beweis! Jetzt rächt sich die ganze Königsfamilie an ihr“, triumphiert 7 Tage. Prinzessin Anne nämlich, dies der Beweis, wollte ihren Sechzigsten an sich mit der ganzen Familie feiern, tat es dann aber nur mit ein paar Freunden. „,Eine geradezu brillante Idee, um zu verhindern, den Abend mit Camilla zu verbringen', amüsiert man sich in Adelskreisen“, weiß 7 Tage. Vermutlich wird die Königsfamilie nun auch noch Weihnachtfest, Ostern und die Hochzeit von Prinz William absagen, um Camilla so richtig eins auszuwischen.

Und dann lesen wir im Echo der Frau: „In Reit im Winkl wurde Maria Hellwig (90) mit einem nach ihr benannten Weg und einer Holzbank geehrt.“ Das scheint uns eine arg pofelige Auszeichnung für jahrzehntelanges Jodeln. Hätte es keine Straße sein können, und hätte man nicht noch einen Holztisch hinzustellen können? Hellwigweg, das kann ja gar keiner aussprechen. Möglich jedoch, dass es einfach nicht anders ging, weil es in Reit im Winkl gar keine Straßen gibt.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Jüngste Beiträge