01.05.2011 · Weil die „Hochzeit des Jahrtausends“ erst nächste Woche mit Sonderausgaben bedacht wird, stehen noch andere Beziehungen im Fokus: Stephanie zu Guttenberg ist glücklich getrennt, Jörg Pilawas Traum-Ehe bedroht - zumindest auf den Herzblatt-Titeln.
Von Jörg ThomannFür den Redaktionsschluss der Fachpresse kam die „Hochzeit des Jahrtausends“ (Bild) deutlich zu spät, dafür erwarten uns kommende Woche sicher hundertseitige Sonderausgaben. Allgemein heißt es ja, dass William und Kate die Sache ordentlich hinter sich gebracht haben. Einen Fehler zumindest, den kurz zuvor bei ihrer Vermählung die Skiläuferin Maria Riesch beging, haben sie vermieden: Sie haben Stephanie zu Guttenberg nicht eingeladen. Die zeigen gleich mehrere Blätter als Cover-Girl, was so wirkt, als habe „die schöne Baronin“ (Frau im Spiegel) ein Event gegeben, zu dem auch Frau Riesch samt Gatten geladen war. Stephanies Märchenprinz war nicht anwesend, was nicht weiter schlimm war, sagt sie selbst doch: „Ich bin stark für zwei.“ Und so „scherzte und strahlte sie, als hätte es nie eine Plagiatsaffäre gegeben“, hat Frau im Spiegel beobachtet.
Die Gegendarstellung liefert die Neue Welt: „Sie ist blass und macht einen erschöpften Eindruck. Schmal ist sie geworden, um den Mund zeichnen sich Sorgenfalten ab. (. . .) Die zweifache Mutter hat ihr Lächeln, ihre fröhliche Ausstrahlung ein Stück weit verloren.“ Auf dem Cover der Aktuellen wiederum hat sie ihr Lächeln, sogar ein großes Stück weit, wiedergefunden: „Glücklich getrennt! Ihr neues Leben – Was keiner wissen sollte“. Die Genesis dieser Schlagzeile sei hier entschlüsselt: Frau zu Guttenberg hat ihre öffentlichen Auftritte zuletzt, weil ihr Gatte ja durch die Korrespondenz mit Universitäten und Anwälten ausgelastet ist, allein absolviert; man „könnte sagen“, findet daher Die Aktuelle, „glücklich getrennt von Karl-Theodor“. Nach wie vor nur rätseln wir, auch nach Lektüre des Artikels, was hier „keiner wissen sollte“. Dass Die Aktuelle mit Leidenschaft ihre Leser veräppelt? Aber das weiß doch jeder.
Horst Seehofer zur Vetternwirtschaft überredet
Nicht schlecht ist auch die Titelstory von Frau aktuell. Jörg Pilawa hat mal gesagt, dass er weniger arbeiten wolle, wird nun jedoch mit „Wetten, dass . . ?“ in Verbindung gebracht. Fertig ist die Schlagzeile: „Jörg Pilawa – Kann sie ihm den Ausrutscher verzeihen? Auch eine Traum-Ehe hält nicht alles aus . . .“ Ebenfalls neue Aufgaben liegen vor Kai Pflaume: Er, schreibt Das Neue Blatt, präsentiert bald „seine erste Samstagabend-Show in der ARD: ,Klein gegen Groß‘. Acht Kinder spielen gegen prominente Gegner, darunter Simone Thomalla (46) und Turner Fabian Hambüchen (23).“ Offen bleibt, ob Hambüchen mit seinen 1,63 Metern schon bei „Groß“ mitspielen darf.
Die Sängerin Claudia Jung, die jetzt für die Freien Wähler im Bayerischen Landtag sitzt, hat dort auch Horst Seehofer getroffen und fand das, wie sie in Bunte ausplaudert, „total süß“. Als seine „teuerste Abgeordnete“ habe Seehofer sie begrüßt, weil er jedes Mal 99 Cent zahle, wenn er sich ein Lied von ihr herunterlade. „Ich habe ihm dann gesagt, unter Kollegen ginge so was auch einfacher, ich würde ihm eine CD schenken“, erzählt Jung, was wir nun wieder gar nicht schön finden: Da zeigt sich ein Politiker mal rechtschaffen, nicht auf seinen Vorteil bedacht und dazu noch technisch begabt, und schon wird er zur Vetternwirtschaft überredet.
„Wollen Sie Ihrem Vater beim Sex zusehen?“
Unerfreulich auch die Tendenz von Schauspielern, ihren Filmpartner nach den ohnehin heiklen Liebesszenen noch bloßer zu stellen. Reese Witherspoon hat mit der Kritik am beim Dreh erkälteten Robert Pattinson vorgelegt („grün, ansteckend, widerlich“), nun watscht Russell Brand in Bunte Jennifer Garner ab: „Sie küsst wie ein Boxhandschuh“ – was wir nur dann durchgehen lassen können, wenn es bedeutet, dass man hinterher ganz benommen ist. Wie es mit dem Talent seines Vaters Jeremy Irons auf diesem Gebiet aussieht, will sein Sohn Max, der ebenfalls Schauspieler ist, gar nicht wissen: „Wollen Sie Ihrem Vater beim Sex zusehen? Bloß nicht!“, sagt er in Gala. „‚Verhängnis‘ habe ich deshalb bis heute nicht gesehen . . .“
Inspirierend fanden wir diese Woche das vom Gedächtnistrainer Markus Hofmann im Echo der Frau empfohlene Gehirntraining, mit dem man sich unter anderem den Einkaufszettel sparen kann: „Dafür muss man sich zehn markante ‚Briefkästen‘, also wichtige Orte, merken. Beispielsweise am eigenen Körper: Zehen, Knie, Oberschenkel, Gesäß, Bauch, Brust, Schultern, Hals, Gesicht und Haare. Um sich die Punkte besser zu merken, sollte man die Körperstellen immer berühren und gleichzeitig den Begriff, den man sich einprägen kann, laut sagen. ‚Ich fasse mir jetzt an die Zehen und merke mir die Kartoffeln, weil sie im Boden wachsen‘, erläutert der Gedächtnistrainer. Die Knie sollen ihn an die Sahne erinnern, da Sahne geschlagen wird, ähnlich wie Knie zittern können.“ Gern hätten wir gewusst, was Hofmann etwa zum Gesäß eingefallen wäre, doch weitere Assoziationsvorschläge liefert er nicht.
Wir haben seine Methode trotzdem mal ausprobiert, und es hat prima geklappt: Vom Wackelpudding (Bauch) bis zu den Äpfeln (Schultern, hängen auch manchmal runter) haben wir an alles gedacht. Komisch geguckt haben die anderen Kunden nur, als wir, bevor wir die Brötchen in die Tüte packten, unsere Zunge anfassten – die ist ja auch manchmal belegt.
Die Welt des Boulevards
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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