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Herzblatt-Geschichten Kiffen mit Papa

 ·  Jan nennt Marc einen Lügner, der wiederum Jan als Heuchler bezichtigt, was Jo auf den Plan ruft, der sich wünscht, dass sich alle wieder vertragen. Willkommen nicht bei „Verbotene Liebe“, sondern bei der „Tagesschau“.

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© dpa Vergrößern Du bist blöd! Nein, du bist blöd! Marc Bator mit seinem neuen Arbeitgeber

Guten Abend, meine Damen und Herren von der „Tagesschau“, sagt mal, was ist denn bei euch los? Stets haben wir gedacht, bei euch geht es sittsam und betulich zu, tatsächlich aber herrscht bei euch ein Umgangston wie unter irischen Bankern.

Erst klagte der zu Sat.1 gewechselte Ex-Sprecher Marc Bator, man habe ihm beim letzten Auftritt persönliche Abschiedsworte verwehrt, worauf ihm Chefsprecher Jan Hofer in Closer vorwarf, das sei eine „Lüge“ und Bator selbst schuld daran, dass er „keinen vernünftigen Satz rausgebracht hat“, was Bator in Bild mit den Worten konterte, Hofer sei „nicht nur ein Lügner, sondern ein Heuchler“ und trete „fies nach“ - vielleicht, um so „von seinen eigenen beruflichen Niederlagen abzulenken“. Ex-Chefsprecher Jo Brauner forderte prompt in Auf einen Blick, beide „sollten sich vertragen“, während sich Karl-Heinz Köpcke bislang nur deshalb nicht zu Wort gemeldet hat, weil er noch damit beschäftigt ist, sich im Grab herumzudrehen.

Fies wiederum gibt sich Noch-Sprecher Jens Riewa, der bei Facebook die fiktive Bild-Schlagzeile postete: „,Tagesschau‘-Sprecher Marc Bator gesteht: Für ’ne Bild-Schlagzeile würde ich alles tun!!!“ Wofür Riewa endlich mal wieder eine, leider kleine, Bild-Schlagzeile bekommt. Jetzt warten wir nur noch darauf, dass Susan Stahnke schimpft, bei der „Tagesschau“ gehe es schlimmer zu als in Hollywood, und dass Eva Herman erklärt, früher sei eben alles viel besser gewesen. Und natürlich auf weitere Enthüllungen aus Hamburg: Schmeißen sich die Sprecher hinter den Kulissen womöglich schlimme Wörter an den Kopf wie „Sesselpupser“ oder „MDR-Talkshow-Moderator“? Dreht jeder dem anderen den Sessel immer ganz nach unten, und schieben sie einander heimlich Meldungen aus Dnipropetrowsk in den Stapel? Wir melden uns wieder in einer Woche.

„Ich muss schon wieder mit Daddy kiffen“

Am Ball bleibt auch die Bild-Zeitung bei ihrer Berichterstattung über die Kinder von Andre Agassi und Steffi Graf. „Kinder, seid ihr groß geworden!“, schreibt sie am Montag neben zwei Fotos, die angeblich Jaz Elle (9) und Jaden Gil (11) zeigen. Um sich am Dienstag dafür zu entschuldigen: Man habe „fälschlicherweise Bilder einer Foto-Agentur abgedruckt, auf denen nicht die Kinder von Graf und Agassi zu sehen sind“. Am Donnerstag nun präsentiert Bunte dieselben falschen Fotos mit denselben falschen Kindern („Sind die groß geworden!“) und stellt beim Mädchen gar „eine frappierende Ähnlichkeit mit der Mutter fest“. Ist es also doch Steffis - womöglich uneheliche - Tochter? Wir halten uns da ganz raus und bestätigen nur, dass die Kinder auf den Fotos wirklich sehr groß wirken, wir würden sagen: größer als neun und elf Jahre. Wobei die angebliche kleine Schwester noch mal deutlich größer ist als der Junge.

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© dpa Vergrößern Papa, der böse Junge hat mir die Schaufel weggenommen! Noch-Sprecher Jan Hofer

Dank ihrer Familie niemals einsam ist Moderatorin Inka Bause, weiß Das goldene Blatt: „In ihrer schönen Berliner Wohnung warten nämlich stets ihre Tochter Anneli (16) und Hund Bruno auf sie.“ Klingt prima, aber: Eine Sechzehnjährige, die permanent zu Hause hockt? Normal scheint uns das nicht. Und auch der Hund sollte ab und zu mal raus. Andererseits sind heutzutage nicht wenige Eltern viel wilder als ihr Nachwuchs. Robbie Williams etwa hat laut Bild angekündigt, wie er Töchterchen Teddy (neun Monate) vor Drogen schützen will: „Ich werde dafür sorgen, dass sie nur bestes Zeug kauft, und es zusammen mit ihr nehmen.“ Da stellen wir uns vor, wie das Mädchen in fünfzehn Jahren einer Freundin sein Leid klagt: „Du, ich kann leider nicht mit dir in die Bücherei gehen. Ich muss schon wieder mit Daddy kiffen.“

Ach, Aktuelle!

Mutter wird, der Aktuellen zufolge, auch Caroline von Monacos Tochter Charlotte, wobei neben den üblichen Indizien („ihr verträumter Blick, das entrückte Lächeln“) eine ganz besondere Informantin auftaucht: „Eine junge Frau namens Karen: ,Ich bin am Ende des dritten Monats schwanger und mein Bauch ist genauso groß wie ihrer.‘“ Das ist toll recherchiert, Aktuelle, aber wir können dagegenhalten - mit einem Entlastungszeugen: „Ein nicht mehr ganz so junger Mann namens Heinz: ,Mein Bauch ist sogar noch größer, und schwanger bin ich garantiert nicht.‘“

Noch einmal Vater geworden, dank einer jungen Geliebten, war Fritz Wepper, der nun wieder brav mit seiner Gattin zusammenwohnt und dennoch immer wieder auf dem Aktuelle-Cover landet. Diesmal lesen wir: „Fritz Wepper - Auch das noch - Posse um ,spezielles‘ Spielzeug“. „Speziell“, da soll der Leser jetzt an Utensilien aus der Erwachsenenabteilung denken, gemeint aber sind tatsächlich „Rassel, Quietsche-Entchen, Teddybär“, wie sie angeblich in Weppers Wohnung herumlagen, als Indiz dafür, dass die Ex-Geliebte mit ihrem Töchterchen da war.

Ach, Aktuelle! Du bist schon eine „spezielle“ Zeitschrift. Und sicher mit schuld daran, dass uns verdorbene Gedanken selbst bei so einer unschuldigen Schlagzeile kommen wie dieser hier aus der Frau im Spiegel: „Angela Merkel - So verwöhnte sie Präsident Obama“.

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