11.01.2009 · Während die dänische Königin sich gerne in Pelze wirft, zeigt Lorielle London im Dschungelcamp die Krallen: Nico Schwanz interessiert sie nicht. Hat er ihr zu wenig Fell? Pamela Anderson quälen andere Sorgen: Ihr Busen ist ihr immer einen Schritt voraus. Die neuen Herzblatt-Geschichten.
Von Peter LückemeierEhe wir aufs Fernsehen zu sprechen kommen, müssen wir Bunte loben. Das Blatt zeigt in seiner jüngsten Ausgabe die dänische Königin und die beiden dortigen Prinzessinnen, die allesamt Pelz tragen. Und nun stellen Sie sich vor, welch intelligentes Scherzchen sich die Redaktion auf der Wortspielbank gesichert hat: „Bei Pelz haben sie ein dickes Fell.“ Nein, das ist gar zu drollig, liebe Bunte, da möchte man ja fast zurückscherzen: Bei Farbfotos malt Bunte nicht schwarzweiß.
Ja, haha, das war jetzt furchtbar lustig, jetzt wird's aber ernst: Im Doof-TV gibt es nämlich wieder das Dschungelcamp, in dem diesmal auch ein männliches Model mit dem hübschen Namen Nico Schwanz und eine Transe namens Lorielle London mitwirken. Zu unserer großen Beruhigung aber hat Lorielle dem stern schon gesteckt, dass sie an Schwanz kein Interesse hat: „Er ist gar nicht mein Typ, viel zu geleckt, und ich will doch auch nicht Schwanz heißen. Wenn ich den heirate, heiße ich Lorielle Schwanz. Hallo?“
„Du blöder Parasit, du blöder“
Ja, das fängt ja schon prima an, vor allem die Formulierung, dass Herr Schwanz „zu geleckt“ wirke, kann durchaus an ältere Dschungelcampauflagen anknüpfen, als etwa „Porno-Produzentin“ Dolly Buster und „Gift-Natter“ Désirée Nick sich liebenswürdige Dialoge lieferten. „Pornostar werden kann doch jeder“, sagte Frau Nick damals nicht ohne anklagenden Unterton. Frau Buster aber gab zurück: „Und was machst du, du blöder Parasit, du blöder? Lebst vom Lästern, das ist doch abstoßend.“
Und wenig später setzte sie nach: „Du bist eine Oma, die einen Scheiß redet durchweg. Und das mit dieser Stimme - das kotzt mich an.“ Sehen Sie, liebe Leser, schon anhand dieser wenigen Passagen merken Sie, dass Reich-Ranicki irrte, als er das deutsche Fernsehprogramm kritisierte.
Aber auch wir müssen ein bisschen schimpfen, und zwar mit dir, Bunte. Wie pessimistisch du Lothar Matthäus' vierte Ehe behandelst und schon in der Überschrift fragst: „Wie lang geht's diesmal gut?“ - das finden wir nicht richtig. Klar, der Altersabstand zu seiner neuen Gattin Liliana beträgt 27 Jahre, aber ist das ein Argument?
Die Abenteuer der Kanzlerin
In deinem eigenen Blatt, Bunte, beschreibst du doch ein paar Seiten weiter hinten, welch segensreichen Einfluss die 27 Jahre jüngere Kirsten auf den Sänger Abi Ofarim (71) nahm. Als sie ihn kennenlernte, hatte er zwanzig Kilo Übergewicht und eine Million Euro Schulden. Und heute ist er fit, bringt eine neue Platte heraus und sagt sogar kluge Sachen: „Sex ist ein Kaputtmacher, wenn die Liebe fehlt.“
Und seit wann soll Gleichaltrigkeit ein Garant sein für das Fortbestehen einer Beziehung? Das sieht man doch schon an Charles (60) und Camilla (61), denn wie Neue Welt exklusiv aus der britischen Hauptstadt erfuhr, ist deren Ehe aufs höchste gefährdet: „Neue Welt erfuhr exklusiv aus London, dass Camillas Liebe zum Luxus der Dolchstoß für ihre Partnerschaft sein könnte. Die Herzogin plündert ungeniert die Hofschatulle.“
Ja, da ist es doch wohltuend, von Ehen zu lesen, die wunderbar funktionieren und dabei noch vom Kitzel des Abenteuers umgeben sind. Wie die Ehe von unserer Bundeskanzlerin, die sich nach den Angaben von Das Neue Blatt mit ihrem Gatten gelegentlich in ihr schmuckloses Ferienhaus in der Uckermark zum Abenteuerurlaub zurückzieht und dort Gäste empfängt wie Horst Köhler: „Der Bundespräsident und seine Frau Eva Luise (61) gehören zu dem ausgewählten Kreis der Merkel-Gäste. Gemeinsam machten sie Wanderungen durch die Uckermark, gemeinsam ging man sogar in einem versteckten Waldsee baden. ,Ein Abenteuer', verrät Horst Köhler.“
Lieber keine Maden essen
Da wären wir auch mal gern dabei. Wie wir aber genauso gern einmal die sehr profilierte Pamela Anderson kennenlernen würden, denn sie scheint auf selbstkritische Weise intelligent zu sein, jedenfalls wirft sie in Das Goldene Blatt einen realistischen Blick auf ihren Werdegang: „Mein Busen hatte eine fabelhafte Karriere - ich bin einfach immer nur mitgetrottet.“
Schon etwas unentschiedener gibt sich in Neue Welt der Schauspieler Mathieu Carrière: „Ich weiß ja selbst nicht, ob ich gut oder böse bin, gewalttätig oder zärtlich, homosexuell oder heterosexuell, Mann oder Frau. Wie soll dann meine Partnerin wissen, wer oder was ich bin, und mich verstehen?“ Da hat er recht, da stimmen wir ihm voll zu.
Wie wir auch ganz und gar einverstanden sind mit der Haltung von Frau Gundis Zámbo, die ebenfalls beim Dschungelcamp mitmacht, aber schon jetzt in Bunte auf die Frage „Wovor hätten Sie den größten Ekel?“mannhaft erklärt: „Ein lebendes Tier essen zu müssen. Eine Made oder so etwas.“
Eine unangenehme Vorstellung. Wunderschön dagegen der Titel des abgeschlossenen Liebesromans in Neue Welt. Ihn werden wir uns zu Herzen und zum Vorbild nehmen und ihn auf Herrn Schwanz, Frl. Transe, auf Camilla und Liliana anwenden: „Ich küss' dir deine Tränen weg.“
für die Zukurzgekommenen
Alexis Schweitzer (alexisschweitzer)
- 12.01.2009, 08:48 Uhr
@ H. Schweitzer
Marvin Parsons (mapar)
- 12.01.2009, 12:55 Uhr
Die Welt des Boulevards
Peter Lückemeier Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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