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Veröffentlicht: 08.02.2015, 13:33 Uhr

Herzblatt-Geschichten Haben sie Nasen?

Wie bunt ist das Leben der „Bunte“-Chefin? Offenbar noch buntiger als „Bunte“ selbst. Geschichten vom Inneren eines Sahneeises, von Zehen-Amputationen und Chupacabras.

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Auf diese Homestory haben wir lange warten müssen: Patricia Riekel hat uns ihre Gemächer geöffnet. Praktisch nie gibt die Bunte-Chefredakteurin Interviews, die Kollegin Dagmar von Taube von der Welt am Sonntag aber durfte sie nun sogar an ihrem „Seelenplatz“ am Starnberger See besuchen. Ihr denkwürdiges Porträt verhilft uns zu einer verblüffenden Einsicht: Das Leben der Bunte-Chefin ist tatsächlich noch buntiger als die Bunte selbst. „Nana Mouskouri singt aus versteckten Boxen. Am hellichten Tag ist bereits ein Kerzenzimmer entflammt: Wunderbare Düfte verzaubern die Atmosphäre“, lesen wir. Über Zauberkräfte scheint auch die Hausherrin zu verfügen: „Ich kenne die Sprache der Wolken und kann in ihnen lesen.“ Womit dann auch die Quelle mancher eher wolkig anmutender Bunte-Stories enthüllt wäre.

Jörg Thomann Folgen:

In ihrem Editorial nimmt sich Riekel diese Woche Stéphanie von Monaco vor, die fünfzig wird und deren Gesicht „die Spuren einer leidenschaftlichen Vergangenheit“ trage: „Jede Falte eine Erfahrung, ohne die sie nicht die wäre, die sie heute ist.“ Schreibt sich vermutlich leichten Herzens als Chefredakteurin, die, obgleich noch ein paar Jährchen älter als Stéphanie, ihrer Leserschaft vom kleinen Bild neben dem Editorial völlig faltenfrei entgegenstrahlt. Über Stéphanies Jugendjahre schreibt Bunte ein wenig bissig, sie „fühlte sich als Sängerin“, was es eingedenk ihres legendären Gepiepses („Irresistible“) jedoch treffend umschreibt. Heute betreibt die Prinzessin „eine Auffangstation für Elefanten“, was gewiss keine leichte Aufgabe ist: Es braucht schon starke Arme, um diese schweren Tiere zu fangen.

"VDZ-Publishers' Night 2013" © dpa Vergrößern Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel zeigte der Welt am Sonntag ihr Heim samt Krabbeltieren.

Drei Engel für den Patrick, äh Christian

Eine noch größere Last zu stemmen haben Katja Suding, Lencke Steiner und Nicola Beer: Die drei Damen sollen die FDP wiederbeleben, und Gala schenkt ihnen die Gelegenheit, sich als Filmstars zu fühlen. Auf einer Fotoserie posieren sie à la „Drei Engel für Charlie“, der in diesem Fall Christian heißt, was die doch eher politikferne Gala freilich gern mal vergisst: Neben dem Inhaltsverzeichnis kündigt sie „Drei Engel für Patrick“ an. Für Patrick Lindner also, den Schlagersänger, dessen „kloane Tür zum Paradies“ für die FDP momentan vielleicht ein realistischeres Ziel wäre als die Fünf-Prozent-Hürde.

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Das Paradies aber liegt, wie wir dank der Welt am Sonntag wissen, am Starnberger See, im Haus Patricia Riekels mit „gut gelaunter Kunst in salopper Hängung“ und dem geliebten „Grün von Farrow & Ball an den Wänden ihres Wintergartens – ,Ich liebe diesen Farbton, wie unter Wasser oder im Inneren eines Sahneeises!‘ Und wie ihre Augen.“ Diese Augen, die im Innersten der Wolken lesen können und im Innersten vom Sahneeis.

Actor Johnny Depp poses during a photo session ahead of a news conference for his movie "Mortdecai" in Tokyo © Reuters Vergrößern Kampfszenen gibts bei Johnny Depp nicht nur vor der Kamera.

Ein toller Autor für die bunten Blätter wäre übrigens auch Johnny Depp, der sein Fernbleiben von einer Filmpremiere laut Bunte gerade so erklärte: „Ich wurde gestern morgen von einem sehr seltenen Tier angegriffen. Ich habe stundenlang mit ihm gekämpft. Ich habe es dann aus dem 23.Stock geworfen.“ Depps Kampf mit dem Tier – Intouch zufolge war es das Fabelwesen Chupacabra – klingt auch nicht unglaubwürdiger als eine Story, wie sie uns Neue Post verkauft: „Lebensgefahr! Plötzlich musste alles ganz schnell gehen – Kate & William – Flucht aus dem Urlaubsparadies“. „Die Angreifer kamen aus der Dämmerung“, lesen wir. „Dann aus dem Nichts war er plötzlich da: ein riesiger Schwarm Mücken.“ Üblicherweise reicht der Yellow Press ja schon eine davon, um daraus einen Elefanten zu machen. Stéphanie von Monaco, bitte auffangen!

Hat Fritz Wepper noch alle Zehen?

Klar, dass sich Bunte-Chefin Riekel auch hier auskennt: „Überhaupt: Kennen Sie meine Insektensammlung?“, fragt sie die Welt am Sonntag. Und fügt, „im Flüsterton“, hinzu: „Niemand weiß, wie sie atmen. Wir sehen die faszinierend schillernden, aufgepinnten Panzer und diese herrlichen Flügel, aber wir wissen beinahe nichts von ihnen – haben sie überhaupt Nasen?“ Ja, haben sie? Leserbriefe bitte an die Bunte, nicht an uns.

Fritz Wepper © dpa Vergrößern Fritz Wepper muss nicht unters Messer.

Welches Körperteil aber fehlt Fritz Wepper? „Amputations-Drama! Er hatte noch Glück...“, meldet Die Aktuelle auf ihrem Cover. Weppers „Schock-Diagnose“ nämlich lautete: „Gravierende Schief- und Fehlstellungen der Zehen. Das kann bis hin zur Amputation führen.“ Führte es bei Wepper aber nicht. Was Die Aktuelle nicht von ihrer gravierend schief- und fehlgestellten Schlagzeile abhält.

Eine kosmetische Korrektur nötig hätte auch diese Schlagzeile der Neuen Welt: „Angela Merkel – Jetzt spricht ihr Ex-Mann“. Neue Welt nämlich hat Ulrich Merkel beim Verspeisen einer Wurst beobachtet, aber leider nichts zu hören bekommen. Alle Zitate des Textes stammen aus einem Focus-Interview von 2004. Richtig also hätte es heißen müssen: „Angela Merkel – Vor elf Jahren sprach ihr Ex-Mann.“

Angeblich auch schon wieder getrennt, tönt Freizeitspaß, sind Amal und George Clooney. Anzeichen habe es bereits bei der GoldenGlobes-Gala gegeben, als Frau Clooney“ den Abend über „eine spöttische Mine (sic!) zur Schau“ trug. Dumm für George, dass er die nicht gleich entschärft hat – mit seinem entwaffnenden Lächeln.

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