29.11.2009 · Jakob Augstein hat erklärt, dass nicht Rudolf Augstein, sondern Martin Walser sein Vater sei. Walser hat's bestätigt. Nun scheint alles möglich: Giovanni di Lorenzo, ein Spross Helmut Markworts? Günter Wallraff, doch ein Halbbruder von Günter Grass?
Von Jörg ThomannWas sind wir in dieser Woche doch wieder froh, dass uns kein Schwein kennt. Wir würden für unsere Prominenz ungern einen so hohen Preis zahlen, wie es etwa der norwegische Kronprinz Haakon und seine Mette-Marit tun. Sie haben, wie 7 Tage berichtet, endlich den Mietvertrag für ihr drittes Ferienhaus auf der Insel Dvergsöya unterschrieben, müssen aber auf Anraten ihrer Leibwächter noch 22.000 Quadratmeter Land dazukaufen: „Nur so kann gesichert sein, dass kein Unbefugter zu nah an das Haus herankommt!“ Das könnte uns nie passieren, schon weil wir uns ein Ferienhaus nie leisten könnten und nicht wissen, wo Dvergsöya überhaupt liegt. Dorthin sollte sich vielleicht auch Haakons niederländischer Kollege Willem Alexander orientieren, der sich eine Ferienvilla inmitten eines Naturschutzgebietes in Moçambique bauen ließ, sie nach heftiger Kritik aber nun verkauft. Sauer ist er jetzt auf die Medien, weil deren Kampagne, so zitiert ihn die Neue Welt, „enorm viel Zeit und Energie gekostet“ hätten, „die gerade in diesen Zeiten der Krise für andere Aufgaben dringend gebraucht werden“.
Da geht es ihm so wie Silvio Berlusconi. Der rüstige Italiener hat nun, wie die Neue Welt meldet, für 450 Millionen Euro seine Villa auf Sardinien verscherbelt, weil die Ermittlungen und die veröffentlichten Nacktfotos – also nicht die Partys selbst – den Ort „entweiht“ hätten. Damit hat er gut die Hälfte der von seiner Noch-Ehefrau geforderten Abfindung beisammen: Sie soll 43 Millionen Euro pro Ehejahr verlangen, was beim Hochzeitsjahr 1990 ein hübsches Sümmchen ergibt. Finanziell steht er danach aber wohl immer noch besser da als Caroline von Monaco, die den Nationalfeiertag, wie mehrere Blätter monieren, in einem Mantel beging, den sie schon 1997 trug. Auch nicht mehr auf Rosen gebettet ist Zsa Zsa Gabor, glücklich in neunter Ehe verheiratet mit dem 27 Jahre jüngeren Frederik von Anhalt, der freilich auch schon 65 ist. Beide plagen hohe Steuerschulden, und „Mitleid und Erbarmen“, weiß 7 Tage, „sind für Finanzämter Fremdwörter“. Gut, dass Frederik über eine sichere Einnahmequelle verfügt und jederzeit ein paar reiche Schnösel adoptieren kann.
Ganz der alte Trampel bleibt auch Camilla
Eine originelle Methode, ihren Nachwuchs auf harte Zeiten vorzubereiten, hat laut 7 Tage Sarah Ferguson. Sie schickte ihre Töchter an einem kalten Winterabend ohne Mantel auf den Balkon – mit der Begründung, dass viele Kinder „ständig frieren müssen“. Ein anderes Mal schickte sie sie ohne Abendbrot ins Bett, um an jene Menschen zu erinnern, die Hunger leiden. Auch müssen die Töchter regelmäßig die Nachrichten schauen: „Sie sollen auch die hässlichen Dinge dieser Welt wahrnehmen.“ Als ob man dazu im Hause Ferguson erst den Fernseher einschalten müsste! Ganz der alte Trampel bleibt auch Camilla, die, wie Bunte und Gala zeigen, im Bemühen, ein kleines Mädchen zu küssen, einem kleinen Jungen die herzögliche Kehrseite ins Gesicht rammte. So macht man sich, was man vordergründig aufgebaut hat, hinterrücks wieder kaputt.
Keine Adelige, in Worten der Bunte aber eine „Nähseide-Prinzessin“, ist Nathalie Gütermann, die erzählt: „Ich möchte ihn nicht glorifizieren, aber Markus ist ein gut aussehender, amüsanter, interessanter Mann. Auch ein Charmeur, der bei Frauen ankommt – bei mir ja auch!“ Die Rede ist erstaunlicherweise von ihrem Ex-Gatten, der sie über die Medien wissen ließ, eine Geliebte zu haben, die nun von ihm schwanger ist. Doch Frau Gütermann zeigt Verständnis: „Vielleicht fühlte er sich müde und leer, wollte noch mal glühende Leidenschaft empfinden. ‚Am anderen Ufer ist das Gras grüner‘, denken ja viele in der Lebensmitte.“ Diese tadellose Haltung kaum zum Beispiel nehmen wird sich Angela Wepper, deren Fritz, der alte Hüpfer, mal wieder in grünerem Gras gelandet ist. Nach seinem Seitensprung hin zu einer dreißig Jahre jungen Schauspielerin denkt seine Gattin, wie Bunte raunt, „wohl ernsthaft an Konsequenzen“.
Günter Wallraff, ein Halbbruder von Günter Grass?
Die faszinierendste Enthüllung der Woche aber kommt nicht aus den Herzblättern, sondern aus der Berliner Zeitung: Der Journalist Jakob Augstein hat erklärt, dass nicht Rudolf Augstein, sondern Martin Walser sein Vater sei. Walser hat’s bestätigt, und uns scheint nun alles möglich: Giovanni di Lorenzo, ein Spross Helmut Markworts? Günter Wallraff, doch ein Halbbruder von Günter Grass? Unsere Phantasie befruchtet auch die Schauspielerin Felicitas Woll. Sie sagt über den unbekannten Vater ihrer kleinen Tochter: „Er wollte nie ins Rampenlicht. Taishas Vater könnte quasi auch der frühere Bundeskanzler sein . . .“ Bei Doris Schröder-Köpf müssten da die Alarmglocken schrillen. Aber wollte Schröder wirklich nie ins Rampenlicht?
Zum Schluss noch etwas Besinnliches. Auf die Gala-Frage, was er sich zum Geburtstag wünsche, antwortet Til Schweiger: „Es klingt jetzt zwar vollkommen idiotisch, aber was man mir schenken kann, ist Liebe oder Anerkennung.“ Nun, idiotisch klingt das eigentlich nicht. Wir aber würden ihm dann doch lieber eine Krawatte zukommen lassen.
Die Welt des Boulevards
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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