03.05.2004 · Geht es Ihnen auch so? Ist es Ihnen allmählich peinlich, Deutscher zu sein? Die Maut. Die Wussows. Jetzt noch diese 1:5-Schande der Nationalelf gegen ein Land, das noch nicht mal in die EU darf. Und dann unser Außenminister. Neue Herzblatt-Geschichten.
Von Peter LückemeierGeht es Ihnen auch so? Ist es Ihnen allmählich peinlich, Deutscher zu sein? Die Maut. Die Wussows. Jetzt noch diese 1:5-Schande der Nationalelf gegen ein Land, das noch nicht mal in die EU darf. Und dann unser Außenminister. Machte er rank und schlank in seinem Westenanzug nicht jahrelang die allerbeste Figur? Hatte er sich nicht mit eiserner Disziplin von 112 auf 77 Kilo hinuntergejoggt, gar ein Buch darüber verfaßt? Und heute reist er durch die Welt und zeigt überall seinen veritablen deutschen Schmerbauch: Das ist doch ein Sinnbild für ein Land, das sich nicht mehr im Griff hat.
Und dann dieser Sittenverfall, der schon bei den Kleinen beginnt. RosinaN. muß beispielsweise sorgenvoll an die Kummerseite von Das Neue Blatt schreiben, bereits ihr vierjähriger Enkelsohn zeige klare Dekadenzerscheinungen: "Lachend zog er die Hose herunter und zeigte sich uns nackt." Wo soll das enden bei dem Jungen? Eines Tages wird er eine Existenz führen wie Roberto Blanco, der außereheliche Kontakte pflegt und ins Echo der Frau grölt: "Man lebt nur einmal, und die paar Jahre, die man hat, sind so kurz. Da soll man jede Minute genießen."
Ein Gebet bei zwei entzündeten Kerzen
Aber schau mal, Roberto, alte Stimmungskanone, ist diese schnelle Sinnenbefriedigung denn wirklich Genuß? Birgt die nackte Fleischeslust wahre Erfüllung? Was wirkliche Liebe vermag, das kannst du mal in Bunte nachlesen, wo Mabel, die frisch angetraute Gemahlin des niederländischen Prinzen Johann Friso, über ihren Gatten sagt: "Ich merkte, daß ich Friso liebte, weil ich spürte, ich kann nicht mehr glücklich sein, wenn er nicht glücklich ist." Oder, Roberto, nimm dir ein Beispiel am Flitterwöchner-Paar Klausjürgen Wussow und Witwe Scholz, die von 7Tage nach Lanzarote begleitet wurden: "Als Sabine Scholz bei einem Abstecher in der Kirche von Puerto del Carmen zwei Kerzen entzündete, wußte Klausjürgen Wussow genau, wofür seine vierte Frau betet. Innig hofft sie, daß er nicht eines Tages an Demenz erkranken möge."
Das hoffen wir auch, wollen uns aber rasch dem britischen Hofe zuwenden. Dort verhinderten nach Darstellung von Neue Welt die Anwälte der Queen, daß eine Skizze, auf der Elisabeth einen Grabstein für ihren Hund Susan hingekritzelt hatte, für 2000 Euro versteigert wurde. Jetzt denkt man doch, die Queen sei dauernd mit Staatspapieren und dem Abschreiten von preisgekrönten Milchkühen beschäftigt, aber was macht sie? Grabsteine für Hunde entwerfen. Nach unserer Auffassung sollte sie ihre Zeit lieber darauf verwenden, Prinz Williams neue Freundin Kate mit den dicken Beinen liebevoll und warmherzig in der Familie willkommen zu heißen, aber das arme Ding mußte sich nach Darstellung von Echo der Frau auf den Tee in Schloß Windsor regelrecht vorbereiten, vor allem auf die Themen "Pferdezucht" und "Corgis".
Wahrscheinlich hat Willie sie vorher abgefragt: Was ist der Unterschied zwischen Pembroke und Cardigan Corgis? Was kriegen die Hündchen zum Tee? Richtige Antwort: Rosinenbrötchen mit Sahne und Erdbeermarmelade. Übrigens hielt Kate sich "an die königlichen Benimmregeln und sprach nie, ohne gefragt worden zu sein". Wir stellen uns das sehr anstrengend vor. Bitte machen Sie das jetzt auch mal, liebe Leserinnen, und sprechen Sie nur, wenn Ihr Mann sie etwas fragt. Aber da können Sie auch gleich ins Trappistenkloster gehen.
Warum „Blümchen“ keinen Mann findet
Wir dagegen schweigen nicht, sondern werden nicht müde, Sie Normalos daran zu erinnern, wie schwer es die Promis haben. Jeder denkt doch, Steffi Graf hat es gut: netter Mann, zwei Kinder, Erfolg, Geld. Aber in Wahrheit, weiß Echo der Frau, wirkt sie "mißmutiger und mürrischer als je zuvor. So, als würde sie etwas zutiefst beunruhigen." Der Grund liegt auf der Hand: "Steffi befürchtet, daß ihr Mann sie betrügen könnte." Ach, da hat sie es aber immer noch besser als die Sängerin Jasmin ("Blümchen") Wagner, die zwar recht nett aussieht, aber keinen Mann findet und in Bunte klagt: "Viele Frauen haben kein Problem damit, an der Seite eines bekannten Mannes zu stehen und auf Partys für die Fotografen zu posieren. Aber welcher halbwegs coole Typ macht so was mit?"
Vielleicht, Jasmin Wagner, versuchst du es mal mit Patrick McDonald, der den gängigen Rollen mißtraut. Im stern verrät "New Yorks männliche Style-Ikone", dessen Sommergarderobe allein dreißig Anzüge umfaßt, daß er für Kosmetik täglich schon etwa zwei Stunden einplant. Auch ist er der Ansicht, "Make-up sollte nicht nur für Frauen eine Möglichkeit sein, ihre Persönlichkeit auszudrücken". Das überzeugte uns. Da wir gerade die Einladung zum Tee bei Corgis and Beth erhalten hatten, legten wir Wimperntusche, Lip Gloss und eine getönte Tagescreme auf. "Wie finden Sie das?" fragten wir die Queen. Doch ein Hofbediensteter herrschte uns an, wir sollten nicht sprechen, ohne gefragt zu werden. Da waren wir beleidigt und stahlen einem Corgi sein Rosinenbrötchen mit Sahne.
Die Welt des Boulevards
Peter Lückemeier Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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