22.02.2009 · Die Finanzkrise hat die Society erreicht. Prinz Charles bangt um seine „Duchy Originals“, die in den Regalen verschimmeln, Victoria Beckham wurde zum zweiten Mal mit der selben Handtasche gesehen. Billiger werden da nur noch die Namen des Adels. Doch nichts gegen „Fürstin Nadja“.
Von Peter LückemeierDie internationale Finanzkrise führt jetzt in der Knallpresse zu einer Häufung von Spartipps wie diesem aus Echo der Frau: „Zu trocken gewordenen Käse nicht wegwerfen. Einfach ein bis zwei Stunden in ein Milchbad legen.“ Aber Geldmangel ist nicht mehr allein ein Prekariatsproblem, die Krise hat nun auch die Society erreicht. Prinz Charles hat nach Informationen von Neue Welt die Preise für seine Biolebensmittelmarke „Duchy Originals“ um bis zu 25 Prozent senken lassen, weil die teuren Kekse und Marmeladen laut Bunte „im Regal verfaulen“. Als das schlimmere Krisensymptom aber muss gelten, dass Luxustussi Victoria Beckham nun schon zum zweiten Mal öffentlich mit derselben Handtasche auftrat, was in Bunte auch fotografisch dokumentiert wird.
Wir sind ja, was Gelddinge betrifft, ohnehin der Ansicht, dass es der Persönlichkeitsbildung nützt, nur in einem allmählichen Prozess zu Geld zu gelangen und es sich bereits in Jugendjahren hart zu erarbeiten. So wie die sympathische TV-Moderatorin Barbara Schöneberger es tat, die im stern davon berichtet, dass sie einst für Geld auf einer Farbenmesse in Köln als Kolumbus verkleidet herumgelaufen sei: „Mein Werbespruch: ,Christopher Kolumbus entdeckte Amerika, Remmers entdeckt für Sie neue Arbeitsfelder. Remmers jetzt auch für Kellersanierung.' Heute frag ich mich, wie ich das überlebt hab. Ich war der einsamste Mensch von ganz Köln.“
Nur ganz nebenbei erwähnt: Es gibt nicht nur solche doofen Werbesprüche. Freitags auf unserem Markt erfreut uns immer wieder der Slogan eines Wurststandes: „Kaufmanns Wurst aus Rinderbügen ist eins der größten Essvergnügen.“
Vom Grafen fürstlich abgekanzelt - per SMS
Aber das sei wirklich nur am Rande erwähnt. Denn der Streit zwischen Fürst zu Schaumburg-Lippe (Geldadel) und Graf Schönburg-Glauchau (verarmter Adel) ist doch viel interessanter. Der als Journalist wirkende Graf hatte sich, wie Bunte weiß, recht adelsstolz über nicht standesgemäße Vornamen angeheirateter Bürgerlicher mokiert („Fürstin Ute“ oder „Fürstin Nadja“ klinge halt irgendwie komisch, was ja auch stimmt, Fürstinnen haben „Mechtilde“ oder „Amalie“ zu heißen).
Das hat den Fürsten (dessen Frau „Fürstin Nadja“ heißt) zu einer SMS veranlasst, in der er den Grafen fürstlich abkanzelt und die abzudrucken Bunte nicht zögert: „Wer meint, seine paar Kröten durch permanenten, ja geradezu ostinaten Wortbruch oder schamloses Ausnutzen erheirateter Privilegien verdienen zu müssen, der sollte wenigstens dazu stehen, dass er ein zeilenschindender Schmierlappen ist.“ Gut gegeben, Fürst, aber eine persönliche SMS unters Volk zu bringen, zeugt das von hoher Gesinnung?
Darüber nachzudenken überlassen wir Ihnen, liebe Leser, und wo wir gerade bei Ihnen sind: Vielen lieben Dank für Ihre zahlreichen freundlichen Mails, die wir echt nicht mehr individuell beantworten können, aber wir lesen alle und freuen uns, vor allem über die von Ihnen, B. Huber-Ackermann, H. Nettelroth, H. Beckmann, J. Jaser, O. Wolf und so weiter. Nur Sie, liebe Rosi K. aus 38486 Klötze in Sachsen-Anhalt, möchten wir doch sehr höflich bitten, uns keine Bewerbungsfotos mehr zuzuschicken, in denen Sie sich in verwegenen Posen und unzureichend bekleidet zeigen, vielen Dank.
Joops Meinung über Heidi Klum
Denn wir haben schon eine Redaktionsassistentin, und, nun ja, die Vorstellungen von Schönheit sind doch sehr, hüstel, subjektiv. Sie alle kennen ja wahrscheinlich aus „Der Teufel trägt Prada“ die hinreißende Anne Hathaway, und Sie alle stimmen mit uns gewiss in dem Urteil überein, dass Anne eine ausgesprochen attraktive Frau ist. Sie selbst freilich meint in Bunte: „Wenn ich an einem Spiegel vorbeigehe, sehe ich nur meine Fehler.“ Aber das kennen wir aus dem richtigen Leben auch. Unsere neue Assistentin Beata (24) aus Polen zum Beispiel hat ja wirklich eine Wahnsinnsfigur, aber als wir sie gestern begeistert darauf ansprachen, sagte sie nur: „Normal.“
Wir persönlich finden ja auch Heidi Klum recht ansprechend. Aber Modeschöpfer Wolfgang Joop (83) bleibt in Bunte ostinat bei seiner distanzierten Haltung: „Das kleine Näschen, die eng stehenden Augen, die schmalen Lippen - das ist alles im Grunde zu minimalistisch für ihren doch recht wuchtigen Körper.“ Und als Bunte vorsichtig einwirft, Heidi gelte aber vielen Männern als umwerfend attraktiv, da antwortet Joop (83) mit kalter Bosheit: „Sie ist der Durchschnitt in Perfektion.“
Ach so, hätten wir fast vergessen: Es ist ja Karneval. Was machen wir denn da? Eine Minibüttenrede in Reimform? Lieber nicht? Auch gut. Einen Witz aus der Bild-Zeitung? Gut, wenn's sein muss: Sagt der Lehrer: „Ihr müsst raten, wie alt ich bin.“ Peter meldet sich: „44!“ Der Lehrer fragt erstaunt: „Woher weißt du das?“ Peter: „In meiner Straße wohnt ein Halbidiot, und der ist 22.“
Die Welt des Boulevards
Peter Lückemeier Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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