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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Herzblatt-Geschichten Es war wirklich Liebe

 ·  Mario Balotelli posiert wie ein stolzer Zuchtbulle. Jogis Jungs zeigen schon beim Singen keinen Mumm. Christine Neubauer nähert sich ihrem Sohn an. Und bei Katie Holmes und Tom Cruise hat es sich ausgekuschelt.

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© dapd Ausgekuschelt: Katie Holmes und Tom Cruise haben sich getrennt

Heute geht die Fußball-EM nun offiziell zu Ende, nachdem sie für die deutschen Fans längst vorbei ist. Typisch übrigens für die Medien ist es, erst immerzu von „Jogis Jungs“ zu faseln und jetzt, wie Bild es tut, den Spielern vorzuwerfen, dass sie keine Männer seien. Bild kennt noch einen Grund, warum die „deutschen Memmen“ gegen Italien versagten: Sie zeigten beim Singen der Nationalhymne „keinen Mumm“. Hat es sich also gerächt, dass das Team vorm Turnier nicht den einst obligatorischen Song mit Udo Jürgens aufnahm. Wir fordern den DFB daher auf, den Trainerstab um einen Gesangscoach zu erweitern, die Elf beim Aufwärmen auch die Stimmbänder dehnen zu lassen und ein Freundschaftsspiel mit den Fischerchören zu arrangieren, inklusive verschärftem Höhentraining.

Die Italiener hingegen waren echte Kerle, allen voran natürlich Balotelli. Hat uns beeindruckt, wie er sich nach seinem Tor das Trikot herunterriss und posierte wie ein stolzer Zuchtbulle; wir überlegen ernsthaft, ob wir das hier im Büro nicht auch mal probieren sollen, wenn eine Pointe ins Ziel getroffen hat, und uns so für die Position des Aggressive Leader der Redaktion zu empfehlen. Dagegen sprechen gewisse ästhetische Gründe, aber auch, dass Balotelli für die Entblößung die Gelbe Karte sah. Wir sind allerdings nicht vorbelastet.

Ausgekuschelt

Eher ein sanfter Typ scheint Andrew Garfield, 28, zu sein. Der neue Spider-Man-Darsteller teilt In mit: „Ich glaube ganz fest daran, dass es hilft, jemanden, der böse ist, einfach in den Arm zu nehmen.“ Das klingt nach einem Paradigmenwechsel bei den Spider-Man-Filmen, die wir uns sicher nicht mehr anschauen, wenn Konflikte dort künftig ausgekuschelt werden.

Ausgekuschelt haben auch Tom Cruise und Katie Holmes. Nach fünf Jahren hat Katie die Scheidung eingereicht, was Bild-Autor und Cruise-Kumpel Norbert Körzdörfer kaum fassen kann: „Es war Liebe“, schreibt er, und dann für alle, die ihm immer noch nicht glauben: „Es war wirklich Liebe.“ Für Cruise ist es die dritte Scheidung nach den Trennungen von Mimi Rogers und Nicole Kidman. Sämtliche Cruise-Gattinnen übrigens waren, hat ein amerikanischer Sender recherchiert, bei ihrem Ehe-Aus 33 Jahre alt. Vielleicht stimmt das mit der Liebe dann doch nicht, vielleicht laufen da nur Verträge aus.

„Ich liebe meinen Sohn“

Erfreulicheres kann Das Neue über Christine Neubauer berichten, die sich nicht nur von vielen Kilos, sondern auch von ihrer Familie getrennt hatte. Nun aber, „wie Christine Neubauer in Das Neue exklusiv verrät, hat sie endlich ihren Sohn wieder: ,Wir nähern uns wieder an, von mir hat es nie negative Gefühle gegeben.’“ Und nicht nur Das Neue, auch Das neue Blatt weiß Neues von Neubauer: „,Ich liebe meinen Sohn und bin mit ihm in gutem Kontakt’, unterrichtete sie Das Neue Blatt exklusiv von der Versöhnung.“

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„Nicht der Hellste“ - das behauptet zumindest der Lehrer von seinem ehemaligen Schüler Oliver Geissen © dpa „Nicht der Hellste“ - das behauptet zumindest der Lehrer von seinem ehemaligen Schüler Oliver Geissen

Bei so viel Exklusivität mag Bunte nicht zurückstehen und berichtet, wie Sohn Lambert, 20, beim fünfzigsten Geburtstag der Mutter auftauchte. „Allerdings erst nach den sanften Überredungskünsten einer Fotografin, die sich ein Versöhnungsfoto wünschte, und mit einem in Aussicht gestellten Honorar“, enthüllt Bunte-Chefin Patricia Riekel. „Bevor wir uns über diese scheinbare Herzlosigkeit empören: Er ist der Sohn von zwei Medienprofis“, fügt sie hinzu, und empören sollten „wir“ uns tatsächlich nicht, druckt Bunte doch gleich vier dieser Versöhnungsfotos ab, eines davon auf dem Cover. Auch Riekel ist nämlich Medienprofi.

Gar nicht schön

Gar nicht schön aber ist, was Das Neue Veronica Ferres unterstellt, die bei Dreharbeiten in Bayern plötzlich in einer Seilbahn-Gondel festsaß. „Zieht sie das Unglück magisch an?“, fragt Das Neue, geht aber eher von falschem Zauber aus und zählt Ferres’ „Fast-Unglücke“ auf, vom knapp vermiedenen Schlangenbiss bis zum Tauchunfall: „Wer es nötig hat, so auf sich aufmerksam zu machen, der vertraut nicht auf das, was er kann.“ Dass aber Frau Ferres vor ihren Drehs Schlangen aussetzt oder Seilbahnen manipuliert, das können wir uns nicht recht vorstellen.

Gottlob jedenfalls sind wir selbst nicht berühmt und müssen auch nicht wie Oliver Geissen damit rechnen, dass unser ehemaliger Erdkunde-Lehrer über uns in der Aktuellen erzählt: „Er war nicht besonders fleißig, kam stets ohne große Vorbereitung in den Unterricht.“ Und genau so kommt er jetzt ja auch immer ins Fernsehen, der Geissen, dem sein Lehrer überdies noch bescheinigt, „nicht der Hellste“ gewesen zu sein. Apropos: Es ist zwar nett, liebe Dunja Rajter, aber nicht ohne Risiko, wenn Sie auf einer Feier, wie Die Aktuelle berichtet, dem Gastgeber danken: „Du hast mir schon so oft geholfen“ - und es sich bei dem Mann um einen Schönheitschirurgen handelt.

Richtig blöd übrigens ist es, wenn man Bunte in Griffweite der Kinder herumliegen lässt. Wollten wir doch ein nettes Foto mit unseren beiden Töchtern machen, und plötzlich verlangen die Gören dafür Honorar: zwanzig Euro die Größere, zwanzig Gummibärchen die Kleine. Wir haben uns am Ende doch drauf eingelassen: Sie haben uns zugesichert, dass wir die Bilder exklusiv haben dürfen.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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