02.05.2010 · Camilla sitzt im Rollstuhl. Über die Hintergründe gibt es gleich mehrere Thesen: Wollte sie Charles nur die Show stehlen oder war es gar ein Selbstmordversuch? Und auch in Schweden kriselt es. Prinzessin Madeleine ist wieder solo.
Von Jörg ThomannNackte Haut auf dem Cover ist einer der ältesten Tricks beim Kundenfang, und kaum ein Blatt zeigt sich darin so versiert wie der Stern. So auch diese Woche: Das Heft zieren zwei große, nackte, wohlgeformte – Knie. „Knackpunkt Knie“ heißt die Geschichte, welche den Stern-Lesern, die offenbar auch nicht jünger werden, endlich schmerzfreie Gelenke verspricht. Da freuen wir uns auf die potentiellen Stern-Stories „Risiko Rücken“, „Brennpunkt Brustbein“, „Mysterium Milz“ und „Achillesferse Achillessehne“. Sorge freilich bereitet uns, dass das Blatt seinen alten Werten untreu zu werden scheint: In früheren Zeiten hätte es der Stern geschafft, selbst eine Knie-Geschichte mit blanken Brüsten zu illustrieren.
Unser Erspartes aber hat auch in dieser Woche wieder nur für die Herzblätter gereicht, die wir mit knackenden Knien ins Büro tragen. Damit geht es uns immer noch besser als Camilla, die nach einem Beinbruch im Rollstuhl sitzt. Die wahren Hintergründe erfahren wir erst jetzt aus der Neuen Welt: Es war ein Selbstmordversuch. Aus Bestürzung darüber, dass sie nicht Königin werde, sei Camilla bei einer Wanderung „plötzlich nach rechts einen Abhang runtergesprungen und gerollt. Genau auf einen 30 Meter tiefen Abgrund zu. Sie ist nur wenige Zentimeter davor durch Büsche aufgehalten worden.“ Das scheint uns in der Ausführung etwas dilettantisch und auch schmerzhaft. Das Neue Blatt liefert dann auch eine alternative Analyse: Die mit Charles verkrachte Camilla hat sich bewusst das Bein gebrochen, um dem Gatten die Show zu stehlen. „Natürlich war Camilla klar, dass ihr im Rollstuhl alle Aufmerksamkeit sicher ist.“ Das ist schon perfide, und wir sind gespannt, womit Camilla Charles als Nächstes ärgert. Vielleicht schneidet sie sich einen Finger ab? Auch nichts Gutes hört man aus Schweden: Prinzessin Madeleine ist wieder solo. Ihr Verlobter Jonas Bergström hatte sich, wie Frau im Spiegel berichtet, eine Dame namens Tora Uppström Berg aufs Hotelzimmer geholt und sich als „Jacob Bernström“ ausgegeben. Die Sache wurde publik, der König soll ziemlich unter Ström gestanden haben, und Herr Bergström durfte sich gemeinsam mit Madeleine entscheiden, getrennte Wege zu gehen.
90 Kinderüberraschungseier statt Blumen
Viel geschickter als Bergström soll sich über Jahre der nun unter bösem Verdacht stehende Jörg Kachelmann verhalten haben. Die Bunte-Schlagzeile „Jetzt spricht die Ex-Freundin“ ist unpräzise, soll Kachelmann doch „ein unglaubliches Doppelleben mit mindestens sechs Frauen gleichzeitig“ geführt haben. Eine von ihnen, genannt Isabella M., packt laut Bunte nun aus, „um andere Frauen vor ihm zu schützen“. Die freilich würden dort, wo er jetzt lebt, nur schwer an ihn rankommen. Nicht etwa getarnt als Jørgen Kachelström, sondern ganz offen traf Kachelmann seine Damen, Isabella M. etwa bei ihren Eltern: „Zur Begrüßung drückte er mit eine Box mit etwa 90 Kinderüberraschungseiern in die Hand. Blumen fand er zu plump. Das fand ich ganz niedlich.“ An die traurigen Kinder vor den leeren Ü-Ei-Regalen hat sie wohl nicht gedacht; dafür muss sie nun all die Steckfigürchen allein zusammenpuzzeln.
„Wie erkenne ich, ob mein Mann ein Liebes-Schuft ist?“, muss Bild da fragen und liefert ein Indiz: „Im Haushalt hilft er kaum noch mit, erledigt nur das Mindeste.“ Ob dem Blatt bewusst ist, dass es damit rund neunzig Prozent der deutschen Männer unter Generalverdacht stellt? Heikel finden wir auch den Rat an die Frauen, in die Sporttasche des Liebsten nur einen Turnschuh zu packen; erzählt er abends, wie toll der Sport gewesen sei, ist er überführt. Wenn Ribéry demnächst mit nur einem Schuh über den Rasen humpelt, dürfen sich die Fans bei Bild bedanken.
Soziale Härte im Hause Rüttgers
Als wären Männer nicht verunsichert genug! Der Schauspieler Henning Baum etwa findet: „Ich glaube auch, dass die Männer von heutzutage extrem verweichlicht sind. Man(n) sollte morgens nicht länger als fünf Minuten im Bad brauchen.“ Ob Rasur, Stuhlgang und die zahnärztlich empfohlenen drei Minuten fürs Zähneputzen bereits inbegriffen sind? Gar nicht weich zeigt sich Model Marcus Schenkenberg. Auf die Gala-Frage, was er an seinem Körper am meisten möge, antwortet er: „Wollen Sie das wirklich wissen? Mein bestes Stück. Es sieht fantastisch aus, richtig hübsch. Ein klasse Anblick.“
NRW-Landesvater Jürgen Rüttgers würde sich so nie äußern. Er und seine Gattin lassen die Frau-im-Spiegel-Leser an ihrer süßen Liebe teilhaben: „Als ich kurz vorm Abitur in die Junge Union eintrat, war er mein Kreisvorsitzender.“ Allerdings sagt Frau Rüttgers auf die Frage nach Hochzeitstagspräsenten einen Satz, der die CDU den Wahlsieg kosten könnte: „Ja, ich bekomme immer eine Kleinigkeit, er bekommt nichts. Da bin ich konservativ.“ Diese Idee von Konservatismus klingt doch sehr nach sozialer Härte. Damit kennt sich auch Nicolas Cage aus, der aus Geldnot einige Villen verkaufen musste, nun aber laut Gala wieder ein Investment tätigt. Ob das eine gute Nachricht ist, sei dahingestellt: Er kaufte in New Orleans „ein riesiges Grabmonument in Pyramidenform“.
Die Welt des Boulevards
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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